Britisches Königshaus

Adel

Britisches Königshaus

Das Königshaus gehört zu England wie Fish and Chips und das sommerliche Pferderennen in Ascot. Und die meisten Briten sind der Queen treu ergeben. Daran haben auch zahlreiche Skandale im britischen Königshaus nichts geändert. Heinrich VIII. war zum Beispiel vier Mal verheiratet. Ärger gab es auch in der jüngeren Vergangenheit: Ein König dankte ganz ab und nicht wenige Royals heirateten unglücklich. Die einzige Konstante im britischen Königshaus ist seit mehr als fünf Jahrzehnten Queen Elizabeth II. Sie ist nicht nur Königin von England, sondern auch Oberhaupt des Commonwealth.

Sagenumwobene Herrscher

Portrait von Heinrich VIII.

Heinrich VIII. regierte England von 1509 bis 1547

Die britische Monarchie hat eine jahrhundertelange Tradition und ist durch stetigen Wechsel geprägt. Während in anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, bis ins 18. Jahrhundert nur drei Dynastien regierten, waren es in England mehr als doppelt so viele. Königsmorde und Revolutionen waren keine Seltenheit, doch die Monarchie hielt bis heute stand. Während die Könige bis zum Ende des Mittelalters noch als Alleinherrscher regierten, verloren die späteren Regenten immer mehr an Macht. Ende des 17. Jahrhunderts wandelte sich das politische System in England zu einer konstitutionellen Monarchie, bei der die Macht der Monarchen durch die Verfassung geregelt wird.

Einige britische Regenten kennt man auch heute noch. Zum Beispiel Wilhelm den Eroberer, der als erster englischer König gilt und von 1066 bis 1087 regierte. Auch Richard Löwenherz, der zwischen 1189 und 1199 König von England war, war eine schillernde Figur. Um ihn ranken sich viele Legenden, unter anderem die Artus-Sage.

Im Spätmittelalter gehörte Heinrich VIII., der von 1509 bis 1547 regierte, zu den bedeutendsten Königen auf dem englischen Thron. Er begründete die englische Seemacht und rief die anglikanische Kirche ins Leben, weil der Papst nicht in die Scheidung von seiner ersten Frau Katharina von Aragon einwilligen wollte. Es folgten fünf weitere Ehen, zwei seiner Frauen wurden - unter anderem wegen angeblichen Ehebruchs - hingerichtet.

Die blutige Maria und die jungfräuliche Königin

Portrait von Königin Elizabeth

Elizabeth I. wurde auch die jungfräuliche Königin genannt

Nach dem Tod Heinrichs VIII. gingen zwei Frauen in die Geschichte der englischen Monarchie ein: Maria I. und ihre Halbschwester Elizabeth I., beides Töchter von Heinrich. Maria I., die aus der Ehe mit Katharina von Aragon hervorgegangen war, wollte den Katholizismus wieder nach England zurückbringen und verfolgte die Anhänger der anglikanischen Kirche. Ihre Brutalität brachte ihr den Beinamen "die Blutige" ein.

Nach Marias Tod wurde Elizabeth I. Königin von England. In ihrer Regierungszeit blühte das Land auf. Anders als ihre Halbschwester wurde sie vom englischen Volk geliebt. Mit Elizabeth I., die auch die jungfräuliche Königin genannt wurde, ging die Tudor-Dynastie 1603 zu Ende. Von nun an regierte der jeweilige schottische König auch England.
Es folgten weitere Dynastien, darunter das Haus Stuart. Von 1714 an kamen die englischen Monarchen dann aus dem Haus Hannover. In dieser Zeit wurde das britische Weltreich weiter ausgebaut - so stand 1837 ein Drittel der Welt unter der Herrschaft der britischen Krone.

Die letzte Regentin aus dem Haus Hannover war Königin Victoria, die 1837 bis 1901 auf dem Thron saß. Nach ihrer Hochzeit mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha wurde der Name der Herrscher-Dynastie entsprechend geändert. Das war nicht die einzige Namensänderung in der britischen Geschichte. 1917 wurde aus Sachsen-Coburg und Gotha das Haus Windsor. Georg V. reagierte damit auf die antideutsche Stimmung im Land. In der kleinen Stadt Windsor bei London steht das gleichnamige Schloss, eine der Residenzen der britischen Königsfamilie.

Die Affäre Wallis Simpson

Portrait von Wallis Simpson

Wegen Wallis Simpson dankte Edward ab

Der erste handfeste Skandal im Hause Windsor ereignete sich 1936. In diesem Jahr starb Georg V., der seit 1910 König gewesen war. Thronfolger war sein Sohn Edward VIII. Zu diesem Zeitpunkt hatte der unverheiratete Prinz, der unter anderem für seinen unkonventionellen Lebensstil und seine Volksnähe bekannt war, schon eine zwei Jahre dauernde Affäre mit Wallis Simpson.

War die Beziehung vorher noch von seinem Vater und der politischen Elite geduldet worden, wurde ihm jetzt nahegelegt, die Liaison zu beenden. Denn Wallis Simpson war nicht nur eine Bürgerliche, sie war außerdem Amerikanerin und stand kurz vor ihrer zweiten Scheidung. Edward musste sich entscheiden und das tat er auch: Am 10. Dezember 1936 - nach knapp einem Jahr Regentschaft - dankte der König ab.

Im darauffolgenden Sommer heiratete er Wallis Simpson. Das Paar wurde zeitlebens vom britischen Königshaus geächtet. Die beiden durften sich nur auf ausdrückliche Einladung in England aufhalten. Die Ehe des Paares hielt 35 Jahre - bis zum Tod Edwards 1972. Ob sie bis zum Schluss glücklich war, ist allerdings umstritten.

Elizabeth II. - ein junges Mädchen auf dem Thron

Mit der Abdankung Edwards bestieg sein Bruder Georg VI. den Thron. Als dieser am 6. Februar 1952 starb, wurde seine Tochter Elizabeth II. mit 26 Jahren Königin. Von Beginn an meisterte sie ihre Rolle souverän. Ihre Krönung wurde zum medialen Großereignis, das 300.000 Menschen vor dem Fernseher verfolgten.

Wie ihre drei Vorgänger ist Elizabeth II. nicht nur Königin von England, sondern auch Oberhaupt des Commonwealth. Zu dem Staatenbund, der 1931 gegründet worden ist, haben sich unter anderem die ehemaligen britischen Kolonien zusammengeschlossen, so zum Beispiel Kanada oder Australien. Elizabeth II. gilt als außerordentlich pflichtbewusst und diskret und diese Eigenschaften erwartet sie auch vom Rest der Windsors. Das führte immer wieder zu Konflikten.

Die zerbrechlichen Ehen der Windsors

In den 1950er Jahren verliebte sich Margaret, die Schwester der Queen, in den ehemaligen Jagdflieger Peter Townsend, der zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet war. Doch anders als Edward VIII. verzichtete Margaret auf eine Hochzeit. Sie heiratete schließlich den bürgerlichen Fotografen Anthony Armstrong Jones, der später als Lord Snowdon in den Adelsstand erhoben wurde. Die Ehe wurde 1978 aufgelöst. Die Prinzessin, der man einen exzessiven Lebenswandel nachsagte, starb mit 71 Jahren nach mehreren Schlaganfällen.

Das war nicht die letzte unglückliche Ehe im Hause Windsor. Auch Charles, der Sohn von Elizabeth II., heiratete eine Frau, die er nicht liebte: Lady Diana Spencer. Die Hochzeit am 29. Juli 1981 wurde von 750 Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgt. Die schüchterne Diana war zwar standesgemäß, passte aber ansonsten nicht in die Familie Windsor mit ihren Konventionen und der steifen Hofetikette. Auch das Paar selbst merkte schnell, dass es nicht gut zusammenpasste. Schon auf der Hochzeitsreise soll es zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein.

Die Ehe, in der zwei Söhne geboren wurden, wurde im Juli 1996 geschieden. Schon vorher hatte Prinzessin Anne, die einzige Tochter der Queen, die Trennung von ihrem Mann Mark Phillips bekannt gegeben und auch die Ehe von Charles' Bruder Andrew mit Sarah Ferguson hielt nicht.

Reformen bei den Windsors?

Das britische Königshaus hat alle Skandale überstanden, aber nichtsdestotrotz hat die Monarchie in den vergangenen Jahren viel von ihrem Zauber verloren. Außerdem werden immer wieder Stimmen nach Reformen und mehr Demokratisierung laut. So wünscht sich die britische Labour-Partei, dass das Erbrecht geändert wird und in Zukunft auch erstgeborene Töchter Thronfolgerinnen werden. Bislang gilt das nur für die Söhne.

Auch die Regelung, dass der britische Monarch und sein jeweiliger Ehepartner Protestanten sein müssen, soll abgeschafft werden. Wie es mit der Monarchie nach Elizabeths Tod weitergeht, steht in den Sternen. Die Queen wird jedoch wohl kaum aus Altersgründen abdanken. Denn Königin zu sein, da sind sich ihre Untertanen sicher, ist für Elizabeth II. ein Amt auf Lebenszeit.

Autorin: Christiane Tovar

Stand: 19.08.2015, 06:00

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