Ostereier

Ostern

Ostereier

Ohne Ostereier ist Ostern schlichtweg unvorstellbar – und das nicht nur für Kinder. Heutzutage bemalen noch zwei Drittel der Deutschen Ostereier und über die Hälfte verstecken sie während der Feiertage im Haus oder Garten. Seit dem 12. Jahrhundert ist der Karsamstag traditionell der Tag, an dem Eier gefärbt werden, weshalb er den Beinamen Färbersamstag erhielt. Berühmt für ihre wunderschön gestalteten Ostereier sind die Sorben. Doch ihre Verziertechniken sind extrem zeitaufwendig.

Symbolische Bedeutung

Verschiedene bunte Ostereier.

Ostereier gehören zum Osterfest

Im Christentum wurde das Ei zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Von außen wirkt es kalt und tot, doch aus seinem Inneren erwächst neues Leben. Somit stand das Ei symbolisch für das Grab in Jerusalem, aus dem Jesus Christus am Ostermorgen von den Toten auferstanden ist. Weite Verbreitung in der Bevölkerung fand diese Vorstellung durch Merksprüche wie diesen: "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen."

Dass Eier zum Ostergeschenk wurden, hat sicher auch praktische Gründe. Seit dem Mittelalter verbot die Kirche in der vorösterlichen Fastenzeit den Verzehr von Fleisch und Eierspeisen. Die Folge war, dass sich vor Ostern große Mengen an Eiern ansammelten, zumal der Vorfrühling eine gute Legezeit der Hühner ist. Damit der Eierüberschuss nicht verdarb, wurden die Eier abgekocht und haltbar gemacht. Den um Ostern oft fällig gewordenen Pachtzins entrichteten die Bauern üblicherweise mit den angesammelten Eiern. Die restlichen wurden verziert, zur Weihe in die Kirche mitgenommen und anschließend verschenkt.

Ostereierschmuck - Farben und Verziertechniken

Bunte Ostereier bewegen sich an einem im stürmischen Wind.

Ostereier sind ein Symbol für das neue Leben

Es ist belegt, dass sich armenische Christen bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus zum ersten Mal Eier schenkten. Dort hatten sie keine praktische Bedeutung, sondern waren ausschließlich ein Symbol für das neue Leben. In der orthodoxen Ostkirche wurden die Eier überwiegend rot bemalt, was direkt auf den auferstandenen Christus und das von ihm vergossene Blut verwies. Die Bemalung der Eier ist regional sehr unterschiedlich, obwohl in Osteuropa, in Ländern wie der Ukraine oder Russland, nach wie vor die Farbe Rot dominiert. "Pysanka" - "die Geschriebene" - nennt man das in Batiktechnik mit grafischen Mustern versehene Osterei in der Ukraine.

Ab dem 12. Jahrhundert begann man in der lateinischen Westkirche mit dem Färben der Eier. Neben Rot verwendete man auch die Farben Grün, Blau, Gelb und Schwarz. Zusätzlich wurden die Eier verziert, ausgeblasen, beschrieben oder beklebt. Den aufwendigsten und filigransten Ostereierschmuck innerhalb Deutschlands haben die Sorben in der Lausitz hervorgebracht. Die westslawische, katholische Volksgruppe im Südosten Brandenburgs verziert ihre Ostereier nach vier alten Verfahren, der Reservier-, Bossier-, Kratz- und Ätztechnik. Am weitesten verbreitet ist die Reservier- oder Wachstechnik, die die schönsten und vielfältigsten Muster hervorbringt. Grundprinzip dieser Technik ist, dass das Ei mit Wachs verziert und anschließend eingefärbt wird. Auf der Stelle mit den Wachsmustern bleibt die ursprüngliche Farbe erhalten. So ist es möglich, verschiedene Verzierungen mit Wachs aufzutragen und mehrere Farbdurchgänge zu durchlaufen. Am Schluss der materialintensiven und zeitaufwendigen Prozedur wird das Wachs abgekratzt und das Ei erscheint in den verschieden Farben und Mustern.

Brauchtum rund ums Osterei

Untrennbar zu Ostern gehören die verschiedenen Spiele und Bräuche, die sich rund ums Osterei entwickelt haben. Sicherlich am bekanntesten und heute immer noch von vielen praktiziert ist das Eierkippen, -picken, -schlagen oder -titschen. Dazu braucht man zwei Spieler, die ihre Eier mit der spitzen und mit der runden Seite gegeneinander schlagen. Wessen Ei unzerstört bleibt, der hat gewonnen und bekommt das Ei des anderen.

In vielen ländlichen Regionen ist auch der Brauch der "Eierlage" noch weit verbreitet. Zwei junge Männer treten bei einem Laufwettkampf gegeneinander an. Einer muss 104 rohe Eier, die in einem Abstand von zirka einem Meter ausgelegt sind, wieder einsammeln. Dabei darf der sogenannte Raffer immer nur ein Ei aufheben und muss es sofort zurück zum Korb bringen. Der andere muss in der Zwischenzeit einen 5000 Meter langen Lauf ums Dorf absolvieren. Wer seine Aufgabe als erster erfüllt hat, ist der Sieger. Zu den Bräuchen ums Osterei zählen auch das Eierrollen oder -schieben. Die Spieler lassen ihre Eier einen kleinen Hügel hinunterrollen. Gewonnen hat der, dessen Ei am weitesten rollt oder noch unbeschädigt das Spiel überstanden hat.

Heute weniger gebräuchlich und fast nur noch in Freilichtmuseen zu bestaunen, ist der alte vogtländische Brauch des "Ostereierfangens". Dabei werfen sich junge Leute die hart gekochten Eier über Weite Distanzen zu, zum Beispiel über ein Hausdach hinweg, von der einen Seite des Hauses zur anderen Seite. Das Ei muss dabei unbeschadet mit einem Korb aufgefangen werden.

Autor/in: Sabine Kaufmann

Stand: 17.04.2014, 13:00

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