César Manrique – Hirte des Windes und der Vulkane

Eine weiße Skulptur aus Wassertonnen vor blauem Himmel.

Kanaren

César Manrique – Hirte des Windes und der Vulkane

Kaum jemand hat Lanzarote so geprägt wie der Künstler César Manrique. Er war Maler, Architekt, Bildhauer, Designer und Umweltschützer. Noch heute gibt es zahlreiche Bauwerke und Skulpturen auf der Heimatinsel des Künstlers, den der spanische Dichter Rafael Albertí einmal den "Hirten des Windes und der Vulkane" genannt hat. Seine Vision war die Symbiose von Architektur und Natur. Zugleich kämpfte César Manrique, der 1992 bei einem Unfall ums Leben kam, zeitlebens gegen den Massentourismus und sorgte dafür, dass ein großer Teil Lanzarotes unter Naturschutz gestellt wurde.

Städtebauer und Surrealist

Geboren wird César Manrique 1919 in der Nähe von Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes. Hier verbringt er auch seine Kindheit. Schon früh entdeckt er sein Talent und beginnt zu malen. Inspirieren lässt sich der spätere Künstler dabei von der bizarren Landschaft Lanzarotes mit ihren Steilküsten und Lavafeldern.

Nachdem Manrique die Schule abgeschlossen hat, belegt er Architektur-Seminare an der Universität La Laguna auf Teneriffa und wird 1943 Städtebaumeister. Parallel dazu malt er weiter und stellt seine Bilder in Arrecife aus; da ist er Anfang 20.

1945 geht er nach Madrid, um dort die "Schule für schöne Künste" zu besuchen. Fünf Jahre später verlässt der Künstler die Akademie mit einem Meistertitel. Sein Malstil wird im Laufe der Jahre zunehmend surrealistischer, zu seinen Vorbildern gehört unter anderem Pablo Picasso. Aber auch Manrique selbst gilt anderen Malern als Vorbild.

In den 1950er Jahren gehört er zu den wichtigsten Surrealisten und ist auch außerhalb Spaniens bekannt, seine Werke werden unter anderem auf der Biennale in Venedig gezeigt. 1964 geht der Künstler und Architekt nach Amerika. Auch hier hat er zahlreiche Ausstellungen, seine Arbeiten sind unter anderem von Künstlern wie Jackson Pollock und Andy Warhol beeinflusst.

Lavalandschaft auf Lanzarote mit einem Vulkan im Hintergrund

Inspirationsquelle: Landschaft auf Lanzarote

Der schönste Platz der Welt

Vier Jahre später kehrt César Manrique in seine Heimat zurück. Er will Lanzarote nach eigenen Worten zum "schönsten Platz der Welt" machen und setzt sich fortan für den Schutz der Insel und gegen den Massentourismus ein. Zu seinen wichtigsten Anliegen gehört es, dass auf Lanzarote ausschließlich traditionell gebaut werden darf, Bettenburgen sind tabu.

Nach seinen Vorstellungen soll kein Bauwerk höher sein als eine kanarische Dattelpalme – ein Wunsch, der sich mit der Unterstützung des damaligen Inselpräsidenten Pepín Ramírez auch erfüllt.

Manrique erkennt zwar die wirtschaftliche Notwendigkeit, die der Tourismus für Lanzarote hat, will aber ausschließlich Touristen ansprechen, die "seine" Insel genauso schätzen wie er selbst.

Ende der 1960er Jahre entwirft César Manrique unter anderem Skulpturen und kinetische Objekte. Viele davon sind noch heute erhalten. Immer wieder tauchen sie in der Landschaft Lanzarotes auf, zum Beispiel in vielen Kreisverkehren und an Aussichtspunkten.

"Los Jameos del Agua", nördlich von Punta de Mujeres, ist das erste wichtige Projekt nach Manriques Rückkehr. Im größten Lavatunnel von Lanzarote baut er unter anderem einen Konzertsaal mit einer außergewöhnlichen Akustik, in dem mehr als 500 Besucher Platz haben.

Blick auf einen weißen Swimmingpool in organischer Form mit blauem Wasser bei Sonnenuntergang. Am Beckenrand stehen Palmen.

Kunst über und unter der Erde: Jameos del Aqua

Wohnen in Lavablasen

Kurz darauf beginnt der Künstler mit dem Bau seines Wohnhauses. Das entsteht in Tahiche in der Nähe von Arrecife inmitten eines ehemaligen Lavastroms. Das Land dafür bekommt er geschenkt, die Besitzer halten es für wertlos. Hier lebt Manrique bis 1988.

Sein Haus überträgt er noch zu Lebzeiten an eine Stiftung. Die trägt den Namen des Künstlers und soll dafür Sorge tragen, dass auf Lanzarote auch weiterhin nach seinen Grundsätzen gebaut wird. Wie eine solche Architektur aussieht, wird auf besonders eindrückliche Weise am Beispiel seines Wohnhauses deutlich.

Der zunächst sichtbare oberirdische Teil des "Taro de Tahiche" erinnert auf den ersten Blick an die traditionelle Inselarchitektur. Große Fenster und breite Terrassen aber zeigen deutliche Einflüsse der Moderne.

Der außergewöhnlichste Teil des Bauwerks aber liegt unter der Erde: fünf Lavablasen, die jeweils einen Durchmesser von fünf Metern haben und miteinander durch einen Tunnel verbunden und gleichzeitig von oben zugänglich sind. Heute gibt es hier ein Museum, in dem neben Skizzen und Projektstudien von Manrique auch Arbeiten von Pablo Picasso und Joan Miró zu sehen sind.

Ein unterirdischer Raum mit einer Bank mit Kissen und einer roten Skulptur. Am rechten Bildrand ist ein Baumstamm zu sehen. Die Wände sind aus Lavagestein.

"Die rote Blase", ein Raum im "Taro de Tahiche"

Ein Grill, gespeist aus der Hitze der Berge

In den folgenden Jahren entwirft der Allroundkünstler unter anderem das 15 Meter hohe "Monumento al Campesino" in der Nähe von Monzaga im Inselinneren. Das Denkmal, das Manrique den Bauern der Insel gewidmet hat, ist aus den Wassertonnen abgewrackter Schiffe zusammengesetzt.

Einzigartig ist auch das Restaurant "El Diablo" im Nationalpark Timanfaya. Der Grill in dem flachen, mit Vulkangestein verkleideten Gebäude wird von der Hitze unter der Erdkruste gespeist: Hier herrschen Temperaturen bis 400 Grad.

Eine andere wichtige Arbeit ist der "Mirador del Rio", den der Künstler zusammen mit dem Bildhauer Jesus Soto entworfen hat. Die Skulptur im Norden von Lanzarote gehörte lange zu den weltweit bedeutendsten Bauwerken der Moderne. Auch das Museum für Moderne Kunst in Arrecife wurde von César Manrique entworfen.

Manriques tragischer Tod

Seine letzte große Arbeit ist der "Jardin de Cactus" in Guatiza, ein Garten mit mehr als 1400 verschiedenen Kakteenarten, der die Form eines Amphitheaters hat. Hier wird auch die Conchinelle-Laus gezüchtet, die roten Farbstoff für die Lebensmittelindustrie liefert.

Der Architekt, der vielfach ausgezeichnet worden ist, hinterlässt aber auch auf anderen kanarischen Inseln seine Spuren. Unter anderem entwirft er Plastiken für zwei Aussichtspunkte auf La Gomera und El Hierro und eine künstliche Wasserlandschaft, den "Lago de Martiánez", in einer Bucht auf Teneriffa.

In seinen letzten Lebensjahren wendet sich César Manrique wieder verstärkt der Malerei zu. In einem restaurierten Bauernhaus in Haría im Norden Lanzarotes lebt der Künstler bis zu seinem tragischen Tod. Im September 1992 stirbt César Manrique im Alter von 72 Jahren bei einem Verkehrsunfall in der Nähe seines ehemaligen Hauses in Tahiche.

Ein See in einer Lavalandschaft. Im Hintergrund steht eine bunt bemalte Mauer.

Im Garten von Manriques ehemaligen Wohnhaus

Autorin: Christiane Tovar

Weiterführende Infos

Stand: 14.03.2017, 14:09

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