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Streit auf dem Affenfelsen

Ob Einzeller, Ameisen, Krähen, Wölfe, Paviane oder Elefanten: Streit gibt es nicht nur zwischen Menschen, sondern auch unter Tieren. Tiere streiten ums Überleben, um Paarungspartner oder spielerisch zum Training. Der Streit bei den Tieren ordnet ihr Zusammenleben und dient der Evolution, nach dem Prinzip "Der Stärkere gewinnt und überlebt". Verhaltensforscher untersuchen die Streitregeln bei Tieren sehr genau, um das Sozialverhalten einer Art zu entschlüsseln. Auffallend differenzierte Streitregeln haben die Forscher bei den Mantelpavianen untersucht.

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Das Sozialleben der Paviane (4'32'')
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Affentheater mit klaren Regeln

Kreischen, Zetern und Schreien hört der Beobachter eines Pavianfelsens fast immer. Irgendwo jagt fast immer eine Gruppe ein einzelnes, fliehendes Tier. Und Jungtiere ziehen sich gegenseitig so lange am Schwanz und rangeln, bis ein Jungpavian laut protestierend bei einem starken und alten Affen Schutz sucht. Ob im Zoo oder in freier Wildbahn: Eine Pavianhorde macht scheinbar ein ziemlich chaotisches und lautes Affentheater. Doch der erste Eindruck täuscht. Für Mantelpaviane ist typisch, dass sie in einer großen Horde von mehr als hundert Tieren um einen relativ kleinen Schlaffelsen zusammenleben. Das ist in ihrer natürlichen Umgebung, der Wüste Äthiopiens und Südarabiens, ebenso wie beispielsweise im Kölner Zoo auf dem Pavianfelsen. Der Felsen dient als Ausguck, um potenzielle Feinde wie hungrige Raubkatzen früh genug zu erkennen. Je größer die Gruppe, desto schwieriger wird sie zur Beute. Allerdings stellt eine so große Horde quirliger Paviane auf kleinem Raum auch eine Herausforderung an das tierische Sozialverhalten dar.

Fünf Mantelpaviane auf dem Affenfelsen im Zoo schauen aufmerksam in Richtung Kamera. (Rechte: dpa)

Achtung: Was passiert in der Horde?

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Bei den Mantelpavianen gibt es viele klare Regeln, die ebenso das Zusammenleben organisieren wie die unvermeidbaren Auseinandersetzungen. Die Haremsstruktur in der Horde sorgt für eine Grundordnung. Jedes ausgewachsene Männchen leitet eine Gruppe von mehreren Weibchen und Jungtieren. Manchmal gehört der männliche Vorgänger des Haremsführers noch mit zur Kleingruppe. Mehrere Harems bilden eine Bande, die bei Konflikten zusammenhält. Manchmal bilden miteinander verwandte Harems auch einen Clan. Hier beobachten die Pavianforscher besonders engen und solidarischen Zusammenhalt unter den Tieren. Sobald die Horde und ihr Schlaffelsen von fremden Pavianhorden oder Feinden angegriffen werden, sind alle Haremsstreitereien vergessen und die Horde verteidigt sich gemeinsam.

Drei Mantelpaviane lausen sich in klarer Reihenfolge und Rangordnung: Der erste muss nur lausen, der mittlere wird gelaust und laust den Haremsführer, der genießt. (Rechte: WDR )

Klare Rangordnung: der Haremsführer genießt

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Paviane als Streiter und Streitschlichter

Innerhalb der Pavianhorde sind Streitigkeiten zwischen den Haremsführern an der Tagesordnung. Sie dienen der Rangordnung. Meistens bleibt es bei wilden Drohgebärden, lautem Geschrei und bösem Zähnefletschen. In der Regel vermeiden es die streitenden Haremsführer, sich gegenseitig anzuschauen. Das gilt als äußerste Provokation und nach dem Blickkontakt kommt es in der Regel auch zu körperlichen Auseinandersetzungen. Allerdings endet das Kräftemessen meistens sehr schnell und ohne Verletzungen.

Zum täglichen Ritual der Paviane gehört es, sich gegenseitig zu lausen. Auch hier halten sich die Tiere an Regeln: Gelaust wird zunächst innerhalb eines Harems. Der Haremsführer wird nur von einem empfängnisbereiten Weibchen gelaust. Das sorgt allerdings für Eifersucht und Streit unter den Weibchen eines Harems. Aufgabe des Haremsführers ist es, für Ruhe im Harem zu sorgen. Hierzu hat er gestaffelte Verhaltensweisen zur Verfügung: Zunächst schaut er das streitende Weibchen streng an, indem er eine Augenbraue hochzieht. Gibt das Weibchen keine Ruhe, folgt die nächste Stufe: Der Haremsführer drückt das Weibchen auf den Boden und demonstriert seine Stärke. In der Regel hört das Weibchen dann auf und gibt nach. Ist das nicht der Fall, folgt die Höchststrafe: Der Haremsführer gibt dem Weibchen einen Nackenbiss, der allerdings nicht verletzt. Er muss diesen Nackenbiss tatsächlich nur sehr selten anwenden. Meistens ist der Streit bereits vorher geschlichtet.

Mantelpavian mit weit aufgerissenem Maul. (Rechte: WDR)

Gebrüll sorgt für Ordnung in der Horde

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Schnelle Lösung für Pavianpaarprobleme

Pavianmännchen mit niedrigerem Rang belauschen Haremsführer beim Sex und schließen daraus, wie es um die Beziehung steht. Denn die Pavianweibchen gehen in ihrer fruchtbaren Phase enge Partnerschaften mit den Männchen ein. Dabei bevorzugen sie die dominantesten Männchen, die in der Regel die Haremsführer sind. Innerhalb ihrer Beziehung gibt es aber immer wieder Streit und die Affen trennen sich vorübergehend. Auf diese Weise kommen genau dann auch die Männchen mit niedrigem Rang bei den Weibchen zum Zug, wie Biologen beobachten konnten.

Pavianjunges sitzt und beobachtet. (Rechte: WDR)

Bereits die Kleinsten lernen durch Beobachten die Streitregeln

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Streiten lernen fällt Pavianen nicht schwer

Damit in der Pavianhorde die vielen Streitregeln auch beherrscht werden, müssen bereits die Jüngsten das Streiten lernen. Und die tun das nach Herzenslust und ausgiebig: Sie klauen sich Futter, ziehen am Fell und am Schwanz der Spielkameraden, üben provozierende Blicke und jagen sich rund um den Affenfelsen. Die Kleinsten trainieren und erproben ihre Grenzen. Wird das Spiel einem Jungtier irgendwann zu heftig, meldet es sich mit einem gellenden Schrei. Dann hört der Spielkamerad in der Regel sofort auf. Tut er das nicht, eilen andere Spielkameraden zu Hilfe. Lediglich die allerjüngsten Babys sind von dem wilden Spiel ausgenommen. In den ersten zwei Lebensmonaten haben die Jungtiere Schonzeit und sind unangreifbar. Auch deshalb spielen alte wie junge Tiere in dieser Zeit so gerne mit den Kleinsten. Denn auch sie stehen dann automatisch unter dem Jungtierschutz.

Marika Liebsch, Stand vom 30.09.2002

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