Sylvia Geszty
2004 feierte Sylvia Geszty ihren 70. Geburtstag. Mit 17 Jahren noch wollte die temperamentvolle Ungarin, geboren am 28. Februar 1934 in Budapest, Tänzerin oder noch lieber Schauspielerin werden und nicht Sängerin wie schon ihre Mutter und Großmutter. Erst nach dem Abitur 1952 entschied sich Sylvia Maria Ilona Wytkowsky - so ihr Mädchenname - ihre Stimme ausbilden zu lassen. Zunächst studierte sie am Konservatorium und an der Ferenc-Liszt-Musikhochschule in Budapest. Schon während ihrer Studienzeit gewann sie verschiedene angesehene Gesangswettbewerbe, unter anderem den Robert-Schumann-Gesangswettbewerb 1956 in Berlin.
Karrierestart an der Deutschen Oper in Ostberlin
1961 gelang ihr der große Sprung an die Deutsche Staatsoper in Ostberlin. Bis 1970 sang sie dort fast alle großen Rollen des Koloraturfaches, unter anderem die "Königin der Nacht" in Mozarts "Zauberflöte" oder die "Zerbinetta" in "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss. Kaum eine andere Sängerin meisterte schon in jungen Jahren die schwere Arie der "Zerbinetta" so lupenrein und ausdrucksstark wie die Geszty. Mit beiden Rollen feierte Sylvia Geszty später auch in Salzburg und München große Erfolge. Gerade in diesen Rollen konnte sie ihre technisch ausgefeilte Stimme und ihre eindrucksvolle Virtuosität als Koloratursopranistin zum Ausdruck bringen.
Sylvia Geszty bei Planet Wissen
Zu Gast auf den Opernbühnen der Welt
In ihrer Zeit an der Deutschen Staatsoper war sie zugleich als Gastsängerin an der Komischen Oper in Ostberlin verpflichtet. Begeistert von Sylvia Gesztys Qualitäten als Sängerin und Schauspielerin engagierte sie der Regisseur Walter Felsenstein unter anderem in der Oper "Hoffmanns Erzählungen" gleich in drei Frauenrollen: die der Olympia, der Antonia und der Giulietta. Weitere Gastverträge an den großen Opernhäusern der Welt folgten, zum Beispiel in Hamburg und an der Oper Covent Garden in London und bei den Salzburger Festspielen. Die Kritiker waren sich darin einig, dass die Geszty alles andere als eine Zwitschermaschine war, sondern bis ins höchste Register stets dramatische Fülle in ihrer Stimme hatte. Trotz ihrer vielen erfolgreichen Gastspiele an in- und ausländischen Bühnen blieb sie bis Ende der 60er Jahre in Ostberlin und avancierte in dieser Zeit zur "Primadonna unter den Linden".
Als es 1970 Schwierigkeiten für ihren Sohn mit der Ausreise in den Westen gab, siedelte Sylvia Geszty endgültig nach Westdeutschland um und nahm das Angebot an, Ensemblemitglied der Stuttgarter Oper zu werden. Als "Rosina" in der Oper "Der Babier von Sevilla" von Rossini feierte sie 1971 in Stuttgart einen glänzenden Einstand. Auch als Lied- und Oratoriensängerin verschaffte sich Sylvia Geszty einen Namen. In ihren seltenen Ausflügen in die "Operette" feierte die Ungarin mit ihrem Charme und ihrem Temperament als Soubrette wahre Triumphe. Bei Operettenliebhabern war sie die "Königin der leichten Muse". Von 1975 bis 1997 unterrichtete Sylvia Geszty zunächst als Lehrbeauftragte, später als Professorin für Sologesang an der Stuttgarter Musikhochschule, den Sängernachwuchs.
Cordula Weinzierl, Stand vom 01.06.2009





