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Bernard Gui - Inquisitor

Vielleicht ist er der berühmteste Inquisitor des Mittelalters. Diese Ehre verdankt er auch Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose". Darin tritt Bernard Gui als fanatischer Inquisitor und Erzfeind des Franziskanermönchs William von Baskerville auf. Als "Geißel der Ketzer" verbreitet er Angst und Schrecken, er lässt Franziskanermönche foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Selbst vor der Angebeteten des Novizen Adson von Melk, einem armen Bauernmädchen, macht er nicht Halt und klagt sie der Hexerei an. In Ecos Roman kommt Bernard Gui bei einem Unfall in seiner Kutsche ums Leben. Sein wahres Leben verlief aber anders.

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Ein Dominikanermönch mit vielen Talenten

Bernard Gui war nicht nur Inquisitor, er war auch Lektor, Verwaltungsfachmann und Gelehrter. Aufgrund seiner Vielseitigkeit machte er im Dominikanerorden schnell Karriere. 1261 oder 1262 wurde er in der Nähe von Limoges in Frankreich geboren. Schon früh trat er in das Dominikanerkloster in Limoges ein, 1280 legte er sein Ordensgelübde ab. Nach seinem Studium der Logik, Philosophie und Theologie wurde er dank seiner organisatorischen Fähigkeiten als Prior in den Dominikanerklöstern von Albi, Carcassonne, Castres und Limoges eingesetzt.

Für Bernard Gui war Loyalität zum Papst oberstes Gebot und brachte ihm den Beinamen "Mystiker des Gehorsams" ein. Es war ihm unbegreiflich, dass jemand die Lehre der katholischen Kirche anzweifeln konnte. Am 16. Januar 1307 wurde Gui zum Inquisitor von Toulouse ernannt. Seine Amtszeit als Inquisitor teilt sich in zwei Perioden (1307-1316 und 1319-1324). Er erwartete den bedingungslosen Gehorsam, den er selbst lebte, auch von allen anderen Menschen. Der Inquisitionshistoriker H.C. Lea bezeichnete ihn als gewissenhaften und sorgfältigen Richter. Während seiner Amtszeit fällte er 930 Urteile: 42 Hinrichtungen, 307 Verurteilungen zu Kerkerhaft und 139 Freisprüche, der Rest waren leichtere Strafen wie das Tragen von Bußkreuzen oder Pilgerfahrten.

Päpstlicher Nuntius und Historiker

1317 unterbrach Gui seine Arbeit als Inquisitor. Papst Johannes XXII. schickte ihn und seinen Mitbruder Bertrand de la Tour als Botschafter nach Oberitalien, um Frieden zwischen Norditalien und der Toskana zu stiften. Im Frühjahr 1318 kehrten sie unverrichteter Dinge nach Avignon zurück, der Konflikt konnte nicht gelöst werden. Im gleichen Jahr folgte die zweite päpstliche Mission. Die beiden sollten bei den Friedensverhandlungen zwischen dem französischen König und dem Herzog von Flandern in Paris und Compiègne vermitteln.

Am 26. August 1323 ernannte Papst Johannes XXII. Gui zum Bischof von Túy in Galizien. Möglicherweise hat er aber sein Amt nie angetreten. Der Papst versetzte ihn im Sommer 1324 in eine andere Diözese nach Lodève in den Cevennen im heutigen Département Hérault. In dieser Diözese waren zwei Jahre zuvor Beginen aufgetreten, eine geistliche Gemeinschaft, die auch als Ketzer galten. So kann man davon ausgehen kann, dass Bernard Gui streng auf die Rechtsgläubigkeit der Einwohner im Sinne der kirchlichen Lehre achtete. Am 30. Dezember 1331 starb Bernard Gui fast 70-jährig auf der Burg Lauroux in der Diözese Lodève.

Bernard Gui hat viele historische Schriften hinterlassen. Dazu gehört seine Sammlung von Papstviten "Flores Chronicorum", die eine große Verbreitung erlangte und heute noch als historische Quelle von Bedeutung ist. Sein "Handbuch für Inquisitoren", die "Practica (officii) inquisitionis haereticae pravitatis" ist für andere Inquisitoren zur "Bibel" im Kampf gegen Ketzer geworden. Gui beschreibt darin die Irrlehren und Lebensweisen der verschiedenen Ketzergruppen wie Katharer, Waldenser, Juden oder Pseudo-Apostel. Er gibt seinen Kollegen wertvolle Hinweise, wie sie Ketzer entlarven können, und stellt je nach Ketzergruppe Fragenkataloge zusammen, um auch verstockte Ketzer zu überführen. Anders als bei Umberto Eco dargestellt hat Bernard Gui noch keine Hexen verfolgt, denn der Glaube an Hexen, die einen Pakt mit dem Teufel schließen und durch die Luft zum Hexensabbat fliegen, entstand erst circa 100 Jahre nach seinem Tod.

Horst Basting, Stand vom 01.06.2009

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