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Die Völkerschlacht bei Leipzig

Im Oktober 1813 ging Leipzig auf äußerst blutige Art und Weise in die Geschichtsbücher ein. Zum einen hatte es vor der Völkerschlacht noch nie eine einzelne kriegerische Auseinandersetzung mit so vielen Beteiligten gegeben. Zum anderen setzte die Schlacht dem Reich des französischen Kaisers Napoleon ein Ende, der bis dahin weite Teile Europas unterworfen hatte. Die französische Herrschaft in Deutschland brach zusammen, die europäischen Machtverhältnisse wurden auf dem Wiener Kongress neu geordnet.

Nachgestellte Szene: Mehrere Männer in historischer Soldatenuniform geben Schüsse aus Gewehren ab. (Rechte: ddp)

Die Völkerschlacht war ein blutiges Gefecht

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Vorgeschichte: Napoleon erobert Europa

Bis zum Jahr 1812 war der französische Herrscher Napoleon I. so erfolgreich wie kein Feldherr seit Alexander dem Großen. Seine Brüder und seinen Schwager setzte er Anfang des 19. Jahrhunderts in Spanien, Westfalen, Holland und Neapel als Könige ein. In den berühmten Schlachten von Austerlitz (1805) sowie von Jena und Auerstedt (1806) besiegte das französische Heer die europäischen Kontinentalmächte Preußen und Österreich. 1806 sorgte Napoleon außerdem dafür, dass sich die meisten deutschen Staaten unter seinem Protektorat im Rheinbund zusammenschlossen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht reichte Napoleons Einflussbereich von Spanien im Westen bis zur russischen Grenze im Osten.

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Der Rheinbund (3'01'')
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Doch schon bald regte sich vielerorts Widerstand gegen die französische Vorherrschaft. Als 1812 Napoleons Bündnis mit dem russischen Zaren Alexander I. in die Brüche ging, war der Niedergang des französischen Kaisers nicht mehr aufzuhalten. Zunächst erlitt er eine bittere Niederlage im Feldzug gegen Russland, die seine Armee entscheidend schwächte. In den anschließenden Befreiungskriegen (1813 bis 1815) wurde Napoleon schließlich wieder auf französisches Territorium zurückgedrängt.

Porträt von Napoleon I. in Uniform. (Rechte: AKG)

Napoleon wirbelte Europa durcheinander

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Beginn der Entscheidungsschlacht

Die größte und wichtigste Schlacht der Befreiungskriege fand vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 unweit von Leipzig statt. In der Völkerschlacht schlossen sich die Armeen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens gegen die zahlenmäßig unterlegenen französischen Streitkräfte zusammen. Insgesamt waren rund 530.000 Soldaten beteiligt - so viele wie noch nie zuvor in einem einzelnen Gefecht. Bereits im August und September hatten die Franzosen bei Dresden herbe Niederlagen erlitten, woraufhin sie sich nach Leipzig zurückzogen. Dort bereitete sich Napoleon auf die entscheidende Schlacht vor. Der französische Kaiser, der zu Beginn des Gefechts unter anderem vom sächsischen König Friedrich August I. unterstützt wurde, verfügte über knapp 200.000 Mann.

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Jo Hiller im Blüchermuseum (6'23'')
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Am Morgen des 16. Oktober 1813 eröffneten die Alliierten das Gefecht gegen die eingekesselten Franzosen. Wie erbittert die Kämpfe geführt wurden, zeigt sich am Beispiel des Dorfes Markkleeberg. Vier Mal drängten sich dort die preußischen und französischen Truppen hin und her, bevor der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Graf Kleist von Nollenberg schließlich den Ort behaupten konnte. Trotzdem gelang es Napoleon wiederholt dank seiner starken Artillerie, die alliierten Armeen zu schwächen. Derart ermutigt, versuchten die Franzosen noch am ersten Schlachttag, die feindlichen Stellungen zu durchbrechen, scheiterten aber.

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Die Ausrüstung der Soldaten (2'47'')
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Napoleons Niederlage

Nachdem der zweite Tag der Völkerschlacht relativ ruhig verlaufen war, bahnte sich am 18. Oktober eine Entscheidung an. Die Alliierten hatten sich zwischenzeitlich verstärkt und waren nun zahlenmäßig drückend überlegen. Als dann auch noch die sächsischen Truppen zu den Verbündeten überliefen, war die Niederlage Napoleons nicht mehr aufzuhalten. Die französische Armee wurde immer weiter in Richtung Leipzig zurückgedrängt, sodass letztendlich nur der vollständige Rückzug blieb. Da der Ring um die Stadt von den Alliierten nicht vollständig geschlossen war, gelang es dem geschlagenen Napoleon in den Morgenstunden des 19. Oktober, mit einem Teil seiner Armee nach Westen zu entkommen. Die Verbündeten nahmen daraufhin Leipzig ein.

Wie viele der rund 530.000 beteiligten Soldaten in der Völkerschlacht fielen, wird in heutigen Quellen unterschiedlich angegeben. Man geht jedoch von etwa 90.000 bis 120.000 Toten aus. Rund 30.000 französische Soldaten wurden in Leipzig von den Alliierten gefangen genommen.

Mehrere Staatsmänner stehen und sitzen auf diesem Gemälde zusammen und diskutieren. (Rechte: AKG)

Neuordnung Europas in Wien

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Politische Folgen der Schlacht

Napoleon musste sich nach dieser vernichtenden Niederlage nach Westen über den Rhein zurückziehen. Der Rheinbund löste sich auf, die französische Herrschaft in Deutschland war damit beendet. Die Alliierten verfolgten Napoleon nach Frankreich und nahmen am 30. März Paris ein. Daraufhin dankte der französische Kaiser am 6. April ab und zog sich auf die Insel Elba zurück. Zwar kehrte der machthungrige Korse ein knappes Jahr später noch einmal überraschend zurück, doch die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1816 setzte seiner politischen Karriere endgültig ein Ende.

Bereits zuvor hatten die europäischen Staatsmänner 1814 und 1815 auf dem Wiener Kongress die Neuordnung des Kontinents beschlossen. Unter Vorsitz des Österreichers Fürst von Metternich einigten sich die Kongressteilnehmer darauf, in Europa ein Kräftegleichgewicht zwischen den Großmächten Preußen, Österreich, Russland, Großbritannien und Frankreich herzustellen.

Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Ein gewaltiger Bau aus dunklen Steinen. (Rechte: dpa)

Europas größter Denkmalsbau

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Gedenken an die Schlacht

Viele Jahre wurden die Jubiläen der Völkerschlacht in Deutschland als Befreiungsfeste gefeiert. Zahlreiche Denkmäler und Gedenksteine wurden in den folgenden Jahrzehnten errichtet. Das bekannteste Monument zur Erinnerung an das gewaltige Gefecht weihte Kaiser Wilhelm II. am 18. Oktober 1913 ein. Das Völkerschlachtdenkmal im Leipziger Stadtteil Probstheida ist mit seiner 91 Meter hohen Aussichtsplattform der größte Denkmalsbau Europas. Das Mahnmal für den Frieden umfasst mit seinen Außenanlagen eine Fläche von insgesamt rund 80.000 Quadratmetern. Bis zur Wende 1989 wurde es immer wieder vom jeweiligen politischen Machthaber zu Propagandazwecken missbraucht. Heute beherbergt das Denkmal unter anderem ein Besucherzentrum und ein Museum.

Doch das stille Gedenken an die Massenschlacht ist manchen nicht genug. Jedes Jahr kommen in Leipzig zahlreiche historisch Interessierte in den Uniformen von damals zusammen, um die Geschehnisse der Schlacht nachzustellen. Der "Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813" legt aber Wert darauf zu betonen, dass nicht stumpfes Kriegsspiel bei diesen Treffen im Vordergrund steht, sondern der friedliche Diskurs zwischen den Völkern.

Johannes Eberhorn, Stand vom 18.10.2010
Sendung: Die Völkerschlacht bei Leipzig, 18.10.2010

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