Dresden

Ostdeutschland

Dresden

Die Stadt an der Elbe ist eine faszinierende Kunstmetropole von Weltrang, eine der schönsten deutschen Städte voller architektonischer Juwelen, umsäumt von bewaldeten Hügeln. Aber Dresden ist auch heute noch geprägt von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, den Bauten des Sozialismus und vom Wiederaufbau nach 1989. Die sächsische Metropole spiegelt in ihren Widersprüchen, in all ihrer Zerrissenheit die deutsche Geschichte - mit ihren Triumphen und Tragödien.

Darum geht's:

  • Geschichte: von der Kaufmannssiedlung zur Kunstmetropole
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt fast komplett zerstört.
  • Das barocke Zentrum ist heute wieder aufgebaut.
  • Die Neustadt beherbergt das größte Gründerzeitviertel Europas.
  • Die Altstadt ist Touristenmagnet im In- und Ausland.
  • Die restaurierte Frauenkirche überragt die Stadt.

Von der Siedlung zur Kunstmetropole

Wohl kaum eine deutsche Großstadt hat die Wechselfälle der Geschichte so sehr erdulden müssen. 2006 feierten die Dresdener den 800. Geburtstag ihrer Stadt: Als Dresden 1206 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, war es noch eine kleine Kaufmannssiedlung an der Kreuzung zweier alter Handelsstraßen, abseits der großen Politik.

Kunstsinnige Regenten machten im 17. und 18. Jahrhundert daraus eine prachtvolle Metropole von europäischem Rang. Die kulturelle Blüte währte bis 1933. Und noch immer sind nicht alle Wunden vernarbt, die Zweiter Weltkrieg und SED-Diktatur der leidgeprüften Stadt geschlagen haben.

Untergang einer "bezaubernden Stadt"

Der amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut war Anfang 1945 als Kriegsgefangener in Dresden interniert. Es war für ihn die "bezauberndste Stadt, die die meisten Amerikaner jemals gesehen hatten. Die sich am Himmel abhebende Silhouette mit ihren Kuppeln und Spitztürmen war üppig, zauberisch und absurd."

Wenige Wochen später war davon nichts mehr übrig. Nazi-Deutschland lag Anfang 1945 bereits am Boden, Dresden war die einzige noch weitgehend unzerstörte deutsche Großstadt – bis zur Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945. Da erlebte Dresden seine schlimmste Stunde. Amerikaner und Briten richteten – militärisch sinnlos – die gesamte Altstadt zugrunde.

In vier Angriffswellen wurden bis zum 15. Februar 1945 insgesamt mehr als 9000 Sprengbomben abgeworfen. Das weltberühmte barocke Zentrum versank in der Feuerhölle. Zehntausende Tote lagen auf Dresdens Straßen. Historiker sprechen heute von 25.000 bis 40.000 Toten.

Luftbild der zerstörten Stadt

Der Luftangriff forderte viele Opfer

Moderne Zeiten: ein Wechselbad der Gefühle

Eine Stadtwanderung durch das heutige Dresden ist ein Wechselbad der Gefühle, zum Beispiel an der Prager Straße, der bedeutenden Ausfallstraße in Richtung Süden, rund 700 Meter lang vom Altmarkt zum Hauptbahnhof. Wie unter dem Brennglas wird hier Stadtgeschichte erkennbar: Vor 100 Jahren war die Prager Straße ein prachtvoller, repräsentativer Flanier-Boulevard, gesäumt von edelsten Geschäften.

In DDR-Zeiten wurde sie zu einer seelenlosen, öden Einkaufsmeile umfunktioniert. Heute ist sie eine normale Fußgängerzone mit Blumenkübeln und Imbissbuden. Auf der einen Straßenseite Großbaustellen, dahinter noch die letzten Reste trister DDR-Plattenbau-Supermärkte, und gegenüber locken bereits postmoderne Einkaufspaläste mit edlen Sandstein- und Glasfassaden wie in Berlin, Chicago oder Mailand.

Das barocke Zentrum rund um die Frauenkirche wurde auf wundervolle Weise restauriert und lockt mit vielen Sehenswürdigkeiten wie der Semperoper, dem Zwinger oder dem Residenzschloss. Abgesehen davon hat die moderne Neugestaltung nach der Wende 1989 der Stadt Dresden nicht immer nur gut getan. Vor allem am Rande der Innenstadt und in den Vororten entstand vorwiegend konforme "Dutzendware", gefördert von Steuerabschreibungs-Modellen.

Aber hier und dort erreichte die Architekten-Gilde seit 1990 dennoch den einstmals so hohen städtebaulichen Anspruch – oder übertraf ihn sogar: etwa mit der mehrfach preisgekrönten neuen Synagoge am Elbufer. Sie entstand exakt auf dem Gelände der alten Synagoge, die in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 ein Opfer der Flammen geworden war.

Nur auf den ersten Blick wirkt der Neubau wie ein schmuckloser Sandsteinwürfel. Aufmerksamkeit verdient der fein ausgestaltete Innenraum, dessen Decke mit Gold verkleidet ist. Interessante Akzente setzen auch der neue Sächsische Landtag oder der UFA-Kristallpalast aus Stahl und Glas.

Blick auf das flache, sandsteinfarbene Gebäude des Sächsischen Landtags mit einem gläsernen Vorbau.

Der Sächsische Landtag

Blühende Alternative: die Dresdener Neustadt

Bunt, lebendig, alternativ, multikulturell, charmant, jung und voller Lebensenergie: So präsentiert sich die sogenannte "Dresdener Neustadt", das größte komplett erhaltene Gründerzeitviertel in ganz Deutschland. Es erhielt seinen schmucken Charakter in den Gründerjahren nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, als Reparationszahlungen in Milliardenhöhe auch in Dresden für einen ungeahnten Boom sorgten.

Als im Februar 1945 südlich der Elbe die Bomben auf die Altstadt herabprasselten, kam die Neustadt nördlich des Stromes vergleichsweise ungeschoren davon.

Auch die DDR-Stadtplaner konzentrierten ihren Abriss-Wahn zunächst auf andere Stadtbereiche. Nach der Wende war die Stadtverwaltung klug genug, das harmonische Ensemble von Hausfassaden, Straßen und Plätzen bestehen zu lassen.

Seither wird eifrig renoviert, restauriert, verputzt, gestrichen. Selbst wenn Verfall und Verwahrlosung hier und dort noch erkennbar sind, lockt die Neustadt immer mehr Gäste, Besucher und Investoren an.

Die Altstadt: ein Touristen-Magnet

"What a wonderful city!" Chinesen lassen ihre Digitalkameras aufblitzen, Japaner und Amerikaner bevölkern die Cafés auf der Brühlschen Terrasse oberhalb der Elbe – und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Volle "Sightseeing"-Busse verkehren von morgens bis zum späten Abend. Die Dresdener Altstadt gehört zu den festen Programmpunkten auf der Deutschland-Route ausländischer Reisender. Was ihre Verweildauer anbelangt, liegt die sächsische Metropole auf Platz 2 unter den deutschen Städten.

Tatsächlich konzentriert sich das Interesse der Fremden meist auf die legendären Prachtbauten nahe dem Elbufer, rund um den Theaterplatz. Der Zwinger, ein weltweit einzigartiges Meisterwerk barocker Baukunst, 1945 schwer beschädigt, war bereits 1963 wieder hergestellt.

Die barocke Anlage des Zwingers

Der Dresdener Zwinger

1985 folgte die benachbarte Semperoper. Der Wiederaufbau des Ehrfurcht gebietenden Renaissance-Schlosses begann 1962, und seit 2006 ist es mit all seinen Ecktürmchen und Giebeln rein äußerlich perfekt restauriert.

Dresdens Krönung: die Frauenkirche

Gekrönt wird das barocke Altstadt-Panorama von der Frauenkirche, die seit Oktober 2005 wieder im alten Glanz erstrahlt – schöner als zuvor, wie gelegentlich alte Dresdener bekennen, manche mit Tränen in den Augen.

In der Tat können sich auch weniger kunstsinnige Besucher dem Zauber der zarten Pastellfarben kaum entziehen. Bemalungen in Hellblau, Hellgrün, Rosé, Vanillefarben und Golden zieren den gesamten vierstöckigen Innenraum mit seinen vielen Emporen und Balkonen, der 1800 Menschen Platz bietet.

Der Neuaufbau kostete seit 1990 nicht weniger als 180 Millionen Euro. Zwei Drittel davon wurden aus Spendengeldern finanziert. Fraglos ist die Frauenkirche das architektonisch bedeutendste protestantische Bauwerk in Deutschland. Sie symbolisiert den Stolz und den ungebrochenen, unerschütterlichen Lebenswillen der Stadt Dresden – trotz aller Katastrophen, Hindernisse und Rückschläge.

Ruine der Frauenkirche

Mehr als 40 Jahre war die Frauenkirche eine Ruine

Autorin: Claudia Kracht

Weiterführende Infos

Stand: 31.07.2017, 13:22

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