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Apfelsorten

Die frühen Entdecker brachten von ihren Reisen oft Früchte mit, die in Europa noch unbekannt waren. Weil den Europäern für viele dieser Früchte Namen fehlten, nannten sie sie einfach "Apfel": Melonen, Avocados, Auberginen, Ananas und Quitten - sie alle waren eine Zeitlang "Äpfel". Unbekannte Früchte als Apfel zu bezeichnen, ist eine Einfallslosigkeit mit Tradition: Wissenschaftler gehen davon aus, dass die "goldenen Äpfel", die sowohl in den griechischen Sagen als auch in der germanischen Überlieferung eine Rolle spielen, tatsächlich Zitrusfrüchte waren.

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Vielfalt und Einfalt

Schon im sechsten Jahrhundert vor Christus kultivierten die Römer sechs verschiedene Apfelsorten. Heute wird geschätzt, dass es auf der Welt mehr als 30.000 Apfelsorten gibt, 2000 davon allein in Deutschland.

Die Auswahl an Äpfeln in vielen Supermärkten scheint riesig: rote, gelbe, grüne - mit Bäckchen oder ohne, große, kleine, süße und saure. Die Zahl der Sorten ist jedoch keineswegs so groß, wie sie auf den ersten Blick erscheint: In den vergangenen 50 Jahren haben Äpfel viel von ihrer Vielfalt eingebüßt. Lediglich 25 Sorten werden im Erwerbsobstbau kultiviert und nur sieben davon regelmäßig im Handel angeboten: Boskoop, Cox Orange, Golden Delicious, Elstar, Gloster, Jonagold und Granny Smith.

Nahaufnahme von drei gleich großen hellgrünen Äpfeln mit Stiel. (Rechte: Mauritius)

Gleich groß - gleich gefärbt: der Normapfel

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Die Standardisierung des Apfels hat ökonomische Gründe: In den 70er Jahren förderten Bund und Europäische Gemeinschaft die Rodung der alten Apfelbäume mit ihren Hochstämmen und den Anbau ertragsorientierter Plantagen mit kleinen Bäumen am Spalier. Die klassischen Tafelobstsorten wurden so gezüchtet, dass sie einheitlich große Früchte bringen, leicht zu ernten sind und immer gleich gut schmecken - egal aus welchem Land sie kommen. Strenge EU-Richtlinien haben dazu beigetragen, die Vielfalt der Äpfel zu beschneiden: mit Qualitätsnormen, die Größe und Gewicht eines Apfels und sogar die Beschaffenheit seines Stiels genau festlegen. Das beliebteste Obst der Deutschen ist so zu einem Industrieprodukt geworden.

Ein großer brauner Weidenkorb voll mit gelb-grünen Äpfeln. Rundrum verstreut liegen weitere Äpfel im Gras. (Rechte: WDR)

Apfelanbau auf Streuwiesen ist zeitintensiv

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Alte Apfelsorten

Einst trugen die deutschen Äpfel poetische Namen: "Gulderling" etwa, "Geflammter Kardinal", "Gestreifte Winterrenette", "Der Schöne von Nordhausen" oder "Rheinische Schafsnase". Im Zuge der "Slow Food"-Bewegung, die einen bewussteren Umgang mit Natur und Nahrungsmitteln fordert, kehren manche dieser vergessenen Sorten auf die Märkte zurück. Von makellosen Normäpfeln keine Spur, die neue Apfelkultur mit den alten Apfelsorten setzt auf Vielfalt statt gleichmäßigem Glanz. Nicht jede Sorte eignet sich für alle Verwendungsmöglichkeiten, sie haben große geschmackliche Unterschiede. Manche eignen sich fürs Backen, aus anderen wird der beste Most. Die wenigsten alten Sorten eignen sich so richtig zum Reinbeißen, sie sind saurer als die handelsüblichen Äpfel.

Die alten Apfelschätze wachsen meist auf urtümlichen Streuwiesen, auf denen die Obstbäume anders als im modernen Plantagenanbau wild verstreut stehen. Das macht ihren Anbau und die Ernte sehr viel zeitaufwändiger, dafür sehen die Wiesen nicht nur schön aus, sondern bieten auch vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf. Der Verein Deutscher Pomologen ist nur eine der vielen Initiativen, die sich dem Erhalt und der Förderung solcher traditionellen Produkte verschrieben haben.

Neue Apfelsorten

Natürlich entstehen auch heute noch immer neue Apfelsorten. Die meisten davon werden allerdings nicht wegen des Geschmacks, sondern vor allem wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten gezüchtet. Dabei bemühen sich die Botaniker, natürliche Resistenzen bestimmter Apfelsorten gegenüber Schädlingen und Krankheiten zu verstärken. In der Obstversuchsanlage der Bayerischen Landesanstalt Veitshöchheim werden neue und alte Sorten auf Wuchs und Geschmack getestet.

Zwei große bräunlich-rote Boskoop-Äpfel hängen dicht gedrängt an einem Apfelbaum mit vielen dichten grünen Blättern. (Rechte: WDR)

Der Boskoop hat in den letzten Jahren an Beliebtheit verloren

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Die beliebtesten Sorten

Granny Smith: Der säuerliche Apfel mit fast weißem Fruchtfleisch kommt ursprünglich aus Australien und wird ausschließlich in Tal-Lagen angebaut, da er nur dort seine leuchtend grüne Farbe entwickelt. In höheren Lagen wird er rötlich und verliert damit sein unverwechselbares Aussehen. Der Granny Smith ist der Popstar unter den Äpfeln: Die Beatles machten ihn zum Symbol ihres 1968 gegründeten Labels Apple Records.

Golden Delicious: Der gelbe Allround-Apfel wurde nicht bewusst gezüchtet, sondern 1890 als Zufallssämling in einem Hausgarten in West Virginia entdeckt. Seine hohe Fruchtbarkeit und unproblematische Lagerfähigkeit machen den Golden Delicious zu einem beliebten Anbauprodukt. Durch seine feste Konsistenz und seine starke Süße eignet er sich für fast alle Zubereitungsarten.

Boskoop: Der Boskoop ist eine alte holländische Apfelsorte mit einem ausgeprägten säuerlichen Geschmack. Die Produktion des Boskoop ist relativ aufwändig, so dass über seine Zukunft in Fachkreisen spekuliert wird. Viele Käufer schätzen jedoch gerade die Tatsache, dass der Boskoop sauer im Geschmack ist und sich damit von anderen Sorten abhebt. Auch eignet er sich deshalb besonders gut zum Kochen oder Backen.

Jonagold: Ein besonders aromatischer süß-saurer Apfel. Die Grundfarbe ist goldgelb, je nach Reifegrad variiert die Deckfarbe von orangerot bis leuchtend rot. Angeblich ist der Jonagold wegen seines hohen Vitamin-C-Gehalts und seiner herausragenden Neutralisierungswirkung gegen Schadstoffe der gesündeste Apfel - vor Boskoop und Golden Delicious.

Elstar: Der leuchtend rote Apfel ist aus dem Golden Delicious hervorgegangen und existiert erst seit etwa 50 Jahren. Er ist die in Deutschland am häufigsten angebaute Apfelart und besonders knackig.

Christine Buth, Stand vom 25.10.2011
Sendung: Kulturgut Apfel - Wiederkehr der alten Apfelsorten, 26.10.2011

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