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Fremde Arten durch Klimawandel

Die unauffällige Ambrosia ist in Deutschland keine Unbekannte mehr, weil ihre extrem aggressiven Pollen bei vielen Menschen Allergien auslösen. Ursprünglich war die Pflanze in Nordamerika beheimatet, kam dann per Schiff nach Europa und ist erst seit den 80er Jahren häufig in Deutschland zu finden. Konnte sie sich wegen der Erderwärmung so gut vermehren? Wissenschaftler versuchen dies herauszufinden, indem sie die Natur seit Jahren beobachten. Sie stellen fest: Das natürliche Gleichgewicht ist gestört. Welche Tier- und Pflanzenarten suchen sich in Deutschland wegen der höheren Temperaturen eine neue Heimat? Und ist das ein Problem?

Computergrafik der Erde mit Farbmarkierung der warmen Bereiche. (Rechte: mauritius)

Grafische Darstellung der Erderwärmung

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Die Natur gibt Aufschluss über den Klimawandel

Durch den Klimawandel hat sich die Erdoberfläche seit Mitte des 19. Jahrhundert in Folge menschlicher Aktivität um fast ein Grad erwärmt. Klimasimulationen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie sagen eine Erderwärmung um 2,5 bis 4 Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts voraus. Wie kann man eine solche Veränderung messen? Eine bewährte Möglichkeit ist die Beobachtung der periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen und Tieren. Diese Wissenschaft nennt man auch Phänologie. Im Zusammenhang mit der Erderwärmung finden Phänologen Tier- und Pflanzenarten in Deutschland, die hier eigentlich nicht heimisch sind. Häufig sind sie an die höheren Temperaturen besser angepasst als heimische Arten.

Eine Gelbbindige Furchenbiene auf einem gelben Blütenstand. (Rechte: H. Schwenninger)

Die Gelbbindige Furchenbiene ist ein Neozoon

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Mithilfe des Menschen erobern fremde Arten neue Lebensräume

Schon immer haben Tier und Pflanzenarten neue Ausbreitungsgebiete gesucht, in Deutschland und auf der ganzen Welt. Gründe für diese Wanderungen sind meist Umweltveränderungen wie zum Beispiel der Klimawandel. Durch die Erwärmung ändert sich nicht nur das Wetter und die unbelebte Umwelt. Auch die Tier- und Pflanzenwelt muss sich der Veränderung anpassen. Hilft der Mensch ihnen, ihre alten Lebensräume zu verlassen und neue zu erobern (beispielsweise indem er fremde Arten auf Schiffen mitnimmt), nennt man diese Tiere und Pflanzen Neobioten. Viele Neobiota sind wiederum die Ursache für weitere Umweltveränderungen. In der Regel besiedeln eingeführte Pflanzen, sogenannte Neophyten, die neuen Lebensräume vor den Tieren, den Neozoen, weil sie die Lebensgrundlage für nachfolgende Tiere bilden.

Eine grafik mit dem Ergebnis der phänologischen Beobachtung der Gelbbindigen Furchenbiene bis 1990 in Baden-Württemberg. (Rechte: LUBW)

Ergebnis der phänologischen Beobachtung der Gelbbindigen Furchenbiene bis 1990 in Baden-Württemberg

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Neue Arten: Ein Risiko für die Umwelt?

Bei der Invasion fremder Arten in einen neuen Lebensraum kann es zu unvorhersehbaren Folgen kommen. Neobioten verdrängen häufig heimische Arten, so dass diese gefährdet sind. Modellen der "Intergovernmental Panel on Climate Change" (IPCC) zu Folge ist die Invasion einer der Hauptgründe für einen Verlust der Artenvielfalt. Die Verdrängung heimischer Tiere und Pflanzen kann empfindliche Ökosysteme stören. Folgen für die Umwelt sind so gut wie nicht berechenbar: Wenn ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht ist, kann dieses auch andere aus dem Gleichgewicht bringen, weil die Ökosysteme einander beeinflussen. Diese Wechselwirkungen sind jedoch kaum erforscht.

Eine Grafik mit dem Ergebnis der phänologischen Beobachtung der Gelbbindigen Furchenbiene von 1991-1999 in Baden-Württemberg. (Rechte: LUBW)

Ergebnis der phänologischen Beobachtung der Gelbbindigen Furchenbiene von 1991-1999 in Baden-Württemberg

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Eine fremde Biene erobert Deutschland

Die Gelbbindige Furchenbiene wird zu den Wildbienen gezählt, weil der Mensch sie nicht für die Honigproduktion nutzt. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist der Mittelmeerraum: von Marokko bis Rhodos und dem Bosporus. In den letzten Jahrzehnten kommt diese wärmeliebende Bienenart jedoch auch in nördlicheren Naturräumen, zum Beispiel in Deutschland vor. Phänologen haben im Zusammenhang mit dem Klimawandel die Verbreitung der Biene in Baden-Württemberg untersucht. Als Maßstab nutzten sie hierfür die Apfelblüte. Wie man in der nebenstehenden Grafik gut erkennt, beginnt als Folge des Klimawandels die Blüte seit den 60er Jahren früher. In den Gebieten, in denen die Apfelbäume früher blühen, steigt die Anzahl der Bienen enorm. Die Vermehrung der Bienen hängt direkt mit der phänologisch festgestellten Temperaturerhöhung zusammen. Inwiefern die Gelbbindige Furchenbiene eine Gefahr für ihre Umwelt darstellt, ist noch nicht untersucht.

Ansicht einer Amnrosiapflanze (Rechte: dpa)

Die stark allergene Pflanze Ambrosia

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Die Ambrosia, ein hausgemachtes Gesundheitsrisiko

Die Ambrosia wird im Volksmund auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt. Dieser Neophyt kann beim Menschen heftige Allergien auslösen: von Augenrötung bis zur Atemnot. Ursprünglich stammt dieses Traubenkraut aus den warmen östlichen Gebieten in Nordamerika. Vermutlich als Verunreinigung von Getreidelieferungen gelangten Ambrosiasamen per Schiffsfracht Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa. Seitdem verbreitete sich die Pflanze in Europa, insbesondere in Ost- und Südeuropa. Dort gab es optimale Wachstumstemperaturen. In den letzten Jahren wächst die Ambrosia jedoch auch im Norden. So kommt das Traubenkraut mittlerweile in großen Teilen Österreichs, in Südwestdeutschland und dem Rhein-Main-Gebiet vor. Landwirtschaft mit großen Monokulturen beschleunigt die Ausbreitung der Pflanze. Die Ambrosia gedeiht besonders gut auf Getreide- und Sonnenblumenfeldern, wo diese dann mit geerntet wird. Im folgenden Jahr verteilt der Landwirt die Samen der Ambrosia großflächig mit der Getreidesaat und düngt sie.

Die Ausbreitung von Neobioten ist schwer zu drosseln

Phänologen stellen die Ausbreitung von Neobioten in unterschiedlichen Lebensräumen fest: in Meeren, Binnengewässern und auf dem Land. Allein diese Vielfalt an möglichen Ansiedlungsräumen macht es nahezu unmöglich, eine Invasion zu verhindern. Der weltweite Handel und menschliche Umweltveränderungen verstärken dieses Problem noch. Auf dem Festland gibt es regelrechte Ausbreitungsstraßen, welche verschiedene Invasoren nutzen. So nehmen Invasoren aus Afrika meist ähnliche Wege wie der Mensch – zu Wasser, zu Land und in der Luft. Interessant ist, dass sich die Wandergeschwindigkeit auf bewirtschafteten Flächen und in Städten häufig erhöht. Wenn überhaupt, kann man sie verlangsamen.

Lutz Tomala, Stand vom 18.11.2011

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Invasionsbiologie

Seit jeher besiedeln und erobern Tiere und Pflanzen neue Lebensräume. Doch wenn fremde Organismen in neue Lebensräume einfallen, gerät so manches Ökosystem ins Straucheln. Deshalb gilt die Invasion von Tieren und Pflanzen unter Naturschützern als großes ökologisches Problem.

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Immer wieder gab es in der Erdgeschichte Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten - doch die hatten natürliche Ursachen. Wenn man heute von Klimawandel spricht, sind Veränderungen gemeint, die zusätzlich durch den Menschen, also anthropogen, verursacht werden.

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