Leonardo da Vinci - das Universalgenie
Das Genie vom Lande
Leonardo wurde 1452 in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Vinci als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter war ein Bauernmädchen, sein Vater ein Notar, in dessen Haus Leonardo auch aufwuchs. Die Schulbildung des Jungen blieb gering. Lesen, Schreiben und Rechnen lernte er nur mühsam, Latein lernte er nie - ein zur damaligen Zeit erheblicher Nachteil. Aber Leonardo zeigte sich schon früh vielseitig interessiert und künstlerisch begabt. Sein Vater förderte diese Ambitionen, indem er ihn als Schüler zu einem Bekannten, Andrea del Verrocchio, schickte.
Leonardo da Vinci entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Maler und Bildhauer der Renaissance. Heute hängen seine berühmten Gemälde in den angesehendsten Museen der Erde. Das Porträt der Mona Lisa gilt als das bekannteste Bild weltweit. Ein weiteres berühmtes Werk ist seine Zeichnung der menschlichen Proportionen. Die Skizze verkauft sich noch immer millionenfach als Posterdruck, ziert die Rückseite der italienischen 1-Euro-Münze - und verrät, dass sich Leonardo sehr für die menschliche Anatomie interessierte. So sehr, dass er trotz strengstem Verbot heimlich nachts Leichen aufschnitt und sich damit in große Gefahr brachte.
Mindestens ebenso stark wie der menschliche Körper faszinierten Leonardo Maschinen und das Geheimnis der Dimension Zeit. Er befasste sich mit dem Festungsbau, mit der Wehrtechnik und mit der Konstruktion von Brücken und Kanälen. Zu seinen bekanntesten Erfindungen zählen ein Automobil, ein dazugehöriges Getriebe, hydraulische Maschinen und ein Uhrwerk. In seinem Nachlass finden sich Pläne für Entwässerungsanlagen, Kriegsgerät und sehr viele technische Entwürfe. Tausende von Zeichnungen und Erläuterungen, in Spiegelschrift festgehalten. Angeblich, um sich vor dem Verdacht der Ketzerei und vor Plagiaten zu schützen. Oder hatte die Spiegelschrift mit Leonardos Linkshändigkeit zu tun? Letztendlich ist bis heute nicht geklärt, warum das Universalgenie sich dieser Schreibweise bedient hat.
Der Traum vom Fliegen
Wie viele vor ihm und unzählige nach ihm träumte auch Leonardo da Vinci den Traum vom Fliegen. Er beobachtete die Vögel und entwickelte danach Flügeln nachempfundene Flughilfen. Leonardo setzte aber nicht allein auf die menschlichen Muskeln als Antriebskraft. Er entwickelte unter anderem ein Fluggerät mit Luftschraube – einen Vorläufer des modernen Helikopters. Auch ein Gleitfluggerät, eine Art Fallschirm, hat er entworfen. Der Fallschirm ist aber nicht rund geformt, sondern läuft spitz zu. Pure Spinnerei?
Der Brite Adrian Nicholas und sein Team haben nach Leonardos Originalzeichnung von 1483 den Fallschirm nachgebaut. Experten waren überzeugt, dass dieses pyramidenförmige Gebilde aus Holz und Segeltuch niemals fliegen könne. Entgegen aller Warnungen testete Nicholas am 26.Juni 2000 den Fallschirm in 3000 Metern Höhe – und segelte sicher und sanft zu Boden. So kam Leonardo da Vinci posthum, 500 Jahre nach seiner "Kopfgeburt", zu seiner Bestätigung: Es funktioniert tatsächlich!
Der Schöngeist in militärischen Diensten
Leonardo da Vinci lebte in einer Zeit des Umbruchs: Die Renaissance war eine Epoche des Neubeginns in Kunst und Kultur, in Wissenschaft und Wirtschaft. Leonardo verkörperte mit seiner Begabung und seiner Vielseitigkeit diese bewegte Zeit wie kaum ein anderer. In der Vielfältigkeit seiner Interessen sehen viele aber auch den Schwachpunkt seines Genies: Leonardo war so sprunghaft und so vielseitig interessiert, dass er seine Projekte nur selten zu Ende brachte. Das brachte ihn manchmal in Schwierigkeiten, und ließ ihn bei seinen Auftraggebern in Ungnade fallen.
Auf der Suche nach neuen Geldgebern - meist adelige Herrscherhäuser - musste der Künstler auf Wanderschaft gehen. Und sich auch auf Gebieten betätigen, die so gar nichts mit Schönheit und Ästhetik zu tun hatten, zum Beispiel 1482: Nachdem man Leonardo bei Aufträgen für den Vatikan übergangen hatte, siedelte der gekränkte Maler nach Mailand über und fand einen Mäzen in Herzog Ludovico Sforza. Für Sforza schuf er ein berühmtes Denkmal. Aber wegen ständiger Kriege zwischen den italienischen Stadtstaaten brauchte Sforza dringend auch Kriegsgerät. Und so kam es, dass Leonardo seinen Ideenreichtum in militärische Dienste stellte.
Er bot Pläne an für eine rund gebaute Festung, die den feindlichen Kanonenkugeln besser standhalten sollte. Er entwickelte die ersten stromlinienförmigen Geschosse mit Steuerschwänzen sowie ein Schnellfeuergeschütz. In Venedig entwarf er eine Taucherausrüstung mit Schnorchel und Taucherglocke, die gegen die türkische Flotte eingesetzt werden sollte. Sein größtes Militärprojekt war aber ein Panzer. Er hatte eine runde Grundfläche, lief oben spitz zu und war mit acht Kanonen bestückt. Zum Einsatz kam diese Kriegsmaschine allerdings nie.
Ulrike Vosberg, Stand vom 01.06.2009








