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Das Libet-Experiment

Haben wir einen freien Willen? Oder folgen unsere Handlungen einem Plan, der außerhalb unserer Kontrolle liegt? Diese Frage beschäftigte Philosophie und Religion von Beginn an und sie ist bis heute nicht gelöst. Die Gehirnforschung konnte bisher kein Indiz dafür finden, dass es einen freien Willen gibt - im Gegenteil: Manche Experimente scheinen unsere Unfreiheit zu beweisen. Besonders berühmt wurde das so genannte "Libet-Experiment". Der amerikanische Neurophysiologe Benjamin Libet wollte in diesem Experiment in den 80er Jahren die zeitliche Abfolge einer bewussten Handlungsentscheidung und der entsprechenden körperlichen Reaktion messen.

Schwarzweiße Porträtaufnahme eines alten Mannes mit großer Brille und vollen Haaren. Er trägt ein dunkles Jackett und darunter ein helles Hemd. (Rechte: AP)

Der Neurowissenschaftler Benjamin Libet

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Der freie Wille im Experiment

Um den Zeitpunkt der Handlungsentscheidung zu bestimmen, benutzte Libet eine Art Uhr: Ein Lichtpunkt bewegte sich auf einer kreisförmigen Skala, und der Proband sollte sich zum Zeitpunkt seiner Entscheidung die Position des Lichtpunkts auf der Skala merken. Durch diese Anordnung konnte Libet den Zeitpunkt der bewussten Wahrnehmung des Probanden auf etwa 50 Millisekunden genau bestimmen.

Nervenzellen des Gehirns unter dem Mikroskop. Es sind drei große blaue Zellen zu sehen und ein Gewirr an Schnüren, die miteinander verbunden sind. (Rechte: Mauritius/Photocase)

Unsere Zellen schalten schneller als wir

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Außerdem wurden die Hirnströme und Muskelbewegungen des Probanden gemessen, so dass sich nicht nur der genaue Zeitpunkt einer motorischen Aktion bestimmen ließ, sondern auch das Ansteigen des sogenannten "Bereitschaftspotentials", das heißt, der Vorbereitung einer Bewegung im motorischen Cortex (Rindenschicht) des Gehirns.

Der Versuch sah vor, dass die Probanden einfach ihre Hand heben sollten: entweder spontan oder nach einem subjektiven Zeitplan. Eine einfache, freie Entscheidung. Das Ergebnis des Experiments verblüffte die Wissenschaftler - denn unter allen Bedingungen zeigte sich, dass das Gehirn die Bewegung der Hand bereits zu einem Zeitpunkt vorbereitete, zu dem der Proband selbst noch gar nicht die Absicht gehabt hatte, die Bewegung tatsächlich auszuführen. Bis zu einer Sekunde vor der tatsächlichen Entscheidung signalisierte die Aktivität des motorischen Cortex bereits die erst später folgende Handlungsabsicht.

Querschnitt durch einen menschlichen Kopf. Groß zu sehen ist das Gehirn. (Rechte: Mauritius)

Der freie Wille lässt sich im Kopf nicht aufspüren

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Frei oder nicht frei?

Die Reihenfolge einer als frei gedachten Handlung war damit auf dem Kopf gestellt: Es schien, dass die Entscheidung, die Hand zu heben, unabhängig vom Bewusstsein des Probanden durch andere Bereiche des Gehirns getroffen wurde. Das Libet-Experiment sorgte für Aufsehen, weil experimentell bewiesen schien, dass nicht das bewusste Wollen, sondern unterbewusste Prozesse für unsere Handlungen verantwortlich sind.

Doch zahlreiche Kritiker des Experiments erhoben Einwände gegen eine solche Interpretation: Einerseits sei die genaue zeitliche Bestimmung einer bewussten Handlungsentscheidung durch den Versuchsaufbau nicht hinreichend genau bestimmbar, andererseits sei das Heben einer Hand unter den Versuchsbedingungen keine echte Willensentscheidung. Doch auch wenn Libets Experiment keinen eindeutigen Beweis gegen die Möglichkeit freier Willensentscheidungen liefern konnte, so ist die Hirnforschung von einem Beweis freier Entscheidungsfähigkeit noch viel weiter entfernt. Die Ergebnisse der Forschungen legen nahe, dass der Wille eher eine vom Gehirn erzeugte Empfindung als eine unabhängige Instanz ist.

Malte Linde, Stand vom 02.09.2009

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