Caniden - Wölfe, Hunde und Co.
Vielfältige Tierfamilie
Im Tierreich gibt es kaum eine Tierfamilie, die eine so große Spanne an Körpergrößen und -gewichten hat. Der kleinste Fuchs zum Beispiel, der Kitfuchs, bringt gerade mal ein bis zwei Kilo auf die Waage, der arktische Wolf dagegen 85 Kilo. Genauso unterschiedlich wie ihr Äußeres sind auch die verschiedenen Lebenstypen und -formen. Caniden haben alle Lebensräume der Erde entdeckt - außer dem Meer. Sie leben in allen Klimazonen dieser Erde - damit sind sie in ihrer Anpassungsfähigkeit wirklich einmalig. Wüstenfüchse, auch Fennek genannt, brauchen zum Überleben nicht einmal offenes Wasser - ihnen reicht die Flüssigkeit, die sie mit ihrer Nahrung, zum Beispiel Skorpionen oder kleinen Echsen, aufnehmen. Und noch etwas ist eine Besonderheit im Tierreich: Viele Caniden-Arten können selbst in menschlicher Nähe noch als Wildtierart bestehen, zum Beispiel Schakale, Füchse oder auch Wölfe. Dass sie als Tiergruppe bis heute so erfolgreich sind, ist wirklich erstaunlich, denn vom Menschen werden Wildcaniden bis heute als Nahrungskonkurrent, Jagdkonkurrent, Krankheitsüberträger oder böse Bestie dargestellt und verfolgt.
Anpassungsfähigkeit sichert ihr Überleben
Große Caniden-Arten wie zum Beispiel Wölfe oder Dingos jagen - wenn es das Nahrungsangebot ihrer Umgebung zulässt - Großwild wie Rinder oder sogar Büffel. Doch sie sind flexibel und können sich auch in ihrer Ernährung umstellen. Gibt ihre Umgebung kein Großwild her, trennt sich die Gruppe und die Tiere ernähren sich von Kleinsäugern wie zum Beispiel Mäusen oder Eidechsen. Die Füchse (Vulpes) sind die erfolgreichste Gattung unter den Caniden und der bei uns lebende Rotfuchs (Vulpes vulpes) der zahlenmäßig stärkste unter ihnen. Nimmt man das Verbreitungsgebiet des Rotfuchses, dann ist das mit Abstand die größte aller Wildtierarten. Das liegt wohl vor allem an ihrer sehr anpassungsfähigen Nahrungsstrategie - von Kleintieren bis Fallobst und andere Pflanzenkost.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Rein morphologisch gibt es einige Gemeinsamkeiten unter den Caniden. Außer dem Waldhund, dem Löffelhund und dem Rothund haben sie alle 42 Zähne. Ihr Gebiss eignet sich hervorragend zum Kauen und Reißen. Sie gehen als Zehengänger auf vier Zehen, die ihre Krallen nicht einziehen können. Am Vorderlauf befindet sich eine fünfte, höher gelegene Zehe, die sogenannte Daumenkralle. Doch nicht nur die körperlichen Merkmale zeigen Gemeinsamkeiten, auch die sozialen Merkmale sprechen für sich: So leben alle Caniden in Familien, die den Mittelpunkt bilden. Mutter, Vater und Welpen sind die Grundlage des Rudels. Oft werden die Eltern bei der Aufzucht des Nachwuchses von älteren Welpen unterstützt. Früher oder später trennt sich der Nachwuchs vom Rudel, um eine eigene Familie zu gründen. Läufig werden Caniden einmal im Jahr. Doch es gibt auch große Unterschiede, zum Beispiel in der Nahrungsbeschaffung: Wölfe oder Afrikanische Wildhunde jagen in Rudeln; Füchse, Marderhunde oder Mähnenwölfe jagen kein großes Wild und gehen daher allein auf Beutesuche. Die Fähigkeit von Langzeit-Paarbildungen und dadurch intensive, sehr stark kooperative Verhaltensstrategien - wie zum Beispiel bei der Rudeljagd - das bringen alle Caniden mit sich.
Domestikation
Kontakte zwischen Mensch und Wolf gab es schätzungsweise schon vor 50.000 Jahren oder noch früher. Fakt ist, dass der Wolf der einzige wirklich domestizierte Vertreter unter den Caniden ist. Mittlerweile ist erwiesen, dass der Wandel vom Wildtier Wolf zum Haushund vor 14.000 bis 16.000 Jahren in China stattfand. Andere Caniden-Arten, wie zum Beispiel Afrikanische Wildhunde, blieben Zeit ihres Daseins Wildtiere. Die in Australien lebenden Wildhunde, die Dingos, sind sogenannte Wildlinge. Sie sind ehemals domestizierte Hunde, die mit asiatischen Seefahrern auf den Kontinent kamen und seit bereits 4000 bis 6000 Jahren nicht mehr in menschlicher Obhut, sondern wie Wildtiere leben. Auch in Deutschland gibt es Wildcaniden: Das ist neben dem Rotfuchs und dem Wolf nur der Marderhund - oder auch Enok. Er sieht aus wie eine Mischung aus Waschbär und Dachs und stammt ursprünglich aus Sibirien und Nordvietnam. Vor etwa 70 Jahren wurde er in Russland ausgesetzt und wandert, ähnlich wie der Wolf, seit einigen Jahren nun bei uns ein.
Kerstin Zeter, Stand vom 25.04.2012
Sendung: Bären, Wölfe und Biber - Misstrauisch beäugte Rückkehrer, 26.04.2012







