Esel

Haustiere

Esel

Die treuen Augen schauen einen an, die langen Ohren wackeln hin und her, dazu ein langes "Iiiiaaaah". Esel sind den meisten vor allem aus dem Urlaub im Süden bekannt. Dort sieht man sie unter glühender Sonne in einem oft entbehrungsreichen Leben als Arbeitstiere. In unseren Landen werden sie heute vornehmlich als Liebhabertiere gehalten. Doch hier wie da kursiert immer noch viel Irrglaube um das liebenswerte Langohr.

Ursprung der Esel

Somali-Wildesel (Equus asinus somalicus) steht auf trockenem und kargem Boden.

Ursprünglich waren Esel Wildtiere aus der Steppe Afrikas

Esel zählen zu den ältesten Haustieren der Menschen. Der Hausesel (Equus asinus asinus) ist weltweit verbreitet. Er gehört zur Familie der Equiden, der Pferdeartigen. Ursprünglich waren Esel Wildtiere aus der Steppe Afrikas. In mehreren Unterarten war der Afrikanische Esel einst über Nordafrika und Vorderasien verbreitet. Der Asiatische Esel wurde nie domestiziert.

In Afrika existierten drei Unterarten, wovon der Atlas-Wildesel und der Nubische Wildesel ausgestorben sind. Der Somali-Wildesel hat größtenteils nur in Zoos überlebt. Freilebende Tiere gibt es nur wenige Hundert im in Nordostafrika. Dieser Ursprung erklärt die besondere Genügsamkeit von Eseln. Mit Hitze und Trockenheit kommen sie gut zurecht, auch im Futter sind sie anspruchslos.

Der Kulan in Kasachstan und der Mongolei ist ein Halbesel oder Pferdeesel. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Muli – eine Kreuzung aus Pferd und Esel –, sondern eine eigene Art, die Merkmale von Pferd und Esel hat. Auch diese Esel stammen von den afrikanischen Wildeseln ab.

Physiognomie des Esels

Ein Hausesel blickt in die Kamera.

Typisch Esel: lange Ohren und "Mehlmaul"

Nicht alle Esel sind grau, auch wenn grau und braun als Fellfarbe dominieren. Es gibt jedoch vielfältigste Ausprägungen der Fellfarben von scheckig bis weiß. Ein paar typische Eselmerkmale kann man oft finden.

Von ihren wilden Vorfahren haben viele Esel eine auffällige Streifung im Fell. Auch der Aalstrich auf dem Rücken und das Schulterkreuz in der Fellzeichnung gelten als klassisches Merkmal. Das Mehlmaul, ein weißer Rand ums Maul, ist ebenso typisch.

Die langen und beweglichen Ohren zeugen von einem sehr empfindlichen Gehör. Esel loten damit Geräuschquellen aus, bevor sie reagieren.

Auch die schlanke Gestalt (wenn keine Überfütterung stattgefunden hat) mit den staksigen Beinen kennzeichnet den Esel. Mit seinen hohen Hufen ist er auf trockenen und harten Böden besonders trittsicher.

Wie der Esel zum Menschen kam

Ausschnitt aus einem Kalkstein-Wandrelief aus dem Grab des Pyramidenaufsehers Ti (um 2400 v.Chr.). Es zeigt Männer, die einen Esel schlagen.

Schon im Alten Ägypten schlug man sture Esel

Die Domestizierung von Eseln begann vor etwa vier- bis fünftausend Jahren vermutlich im alten Ägypten, wovon alte Bildquellen zeugen. Auf die Nordseite der Alpen kamen die Esel erst mit den Römern. Sie und auch die Griechen entdeckten den Esel als Lasttier, was an seiner Zähigkeit liegt, kann er doch viel länger als ein Pferd ohne Wasser und Nahrung auskommen.

In der griechischen und römischen Mythologie taucht der Esel immer wieder als Symbol für Fruchtbarkeit und Potenz auf. So wird Dionysos oft von einem Esel als Sinnbild für Sexualität begleitet. Auch in der Bibel findet der Esel an vielen Stellen Erwähnung: Josef und seine Brüder reiten auf Eseln nach Ägypten, und Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. In der semitischen Tradition galt der Esel dabei durchaus als Reittier der Edlen.

Der Ritter und der Esel

Außenansicht der Klosterkirche Maulbronn.

Das Kloster Maulbronn - ein ehemaliger Maultierbrunnen?

Obwohl der Esel für das Klima Mittel- und Westeuropas weniger geeignet ist, hielt er auch hier früh Einzug. Schon mit den Römern wurden die Esel zu Haustieren, im Mittelalter nutzten vor allem Klöster und kleine Gewerbetreibende Esel als Lastentiere. Das belegt auch die Legende um das in Baden-Württemberg liegende Weltkulturerbe Kloster Maulbronn.

Seine Gründung, heißt es, geht auf einen Esel zurück. Im 12. Jahrhundert wollte der Ritter Walter von Lomersheim eine Benediktinerabtei gründen. Er belud Esel mit seiner Habe, gab ihnen einen Klaps aufs Hinterteil und wo sie bei gutem Gras und Quellwasser zur Ruhe kommen sollten, wurde Maultierbrunnen, das spätere Maulbronn, gegründet.

Lange Zeit dienten Esel noch als Lasttiere. Im Bergbau und in Mühlen fristeten sie ein anstrengendes Leben. Doch das ist längst vorbei. Die Maschinisierung machte sie als Arbeitstiere überflüssig und so sieht man sie bei uns heute vornehmlich als reines Freizeittier.

Dummer Esel?

Eine Frau und ein Mädchen stehen bei einem Esel auf der Weide und streicheln das Tier vorsichtig.

Die freundlichen Tiere strahlen eine große Ruhe aus

Dumm, störrisch und faul soll der Esel sein. Was ist dran an den ihm nachgesagten Eigenschaften? Was als Schimpfwort gerne auch für Menschen benutzt wird, ist in Wirklichkeit ein Kompliment: Esel sind klug und gutmütig. Ihre scheinbare Sturheit ist vielmehr ein Abwägen gefahrvoller Situationen und hat nichts mit Dummheit zu tun.

Statt wie ein Pferd mit Fluchtinstinkt zu reagieren, bleibt der Esel lieber stehen und wägt die Situation ab. Falsche Handhabung durch seine Besitzer hat vermutlich zu diesen Vorurteilen geführt. Denn bei richtiger Erziehung ist der Esel ein verlässlicher Gefährte des Menschen.

Mit ihrem weichen Fell und der samtigen Nase sind Esel für manchen sogar große Schmuse- und Streicheltiere. Esel haben gerne Kontakt mit anderen Lebewesen. Forscher sprechen sogar vom soziabelsten Säugetier der Erde.

Die besonderen Eigenschaften der Esel werden auch mehr und mehr in der Psychotherapie geschätzt. Die freundlichen Tiere strahlen eine große Ruhe aus, die sich auch auf den Menschen überträgt. In unseren Breitengraden bieten Eseltherapien eine gute Alternative zur Delphintherapie.

Autorin: Almut Röhrl

Weiterführende Infos

Stand: 22.07.2016, 14:00

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