Porträt Rotfuchs
Verbreitung und Erscheinungsbild
Rotfüchse haben fast alle Lebensräume besiedelt, die andere Fuchsarten eher inselmäßig besetzen. Man findet sie in südlichen Trockengebieten genauso wie in gemäßigten Breiten, in nördlicheren und kälteren Regionen. Je nach Lebensraum variiert ihre Körperfarbe und -größe. Sie sind sehr schlank und leicht. Zum Vergleich: Ein Haushund von gleicher Größe wiegt etwa das Doppelte. Mit einer Schulterhöhe von etwa 40 Zentimetern und einer Länge bis zu 1,20 Metern (mit Schwanz) werden sie nicht sehr groß. Ein stattlicher Kater erreicht in etwa dieselben Maße. Je nördlicher die Tiere leben, desto kleiner sind ihre Ohren und desto dicker wird ihr rötliches Fell. Rotfüchse, die südlicher leben, sind oft eher sandfarben als orange-rot - eine Anpassung an ihre Umgebung.
Lebensweise
Lange Zeit vermutete man, dass Füchse Einzelgänger seien und damit aus der Caniden-typischen Art schlagen, doch diese These ist mittlerweile widerlegt. Im Gegensatz zu anderen Caniden-Arten sind sie zwar oft allein auf Nahrungssuche, aber sie leben dennoch sehr sozial. Sie pflegen eine monogame Paarbeziehung in einem Familienverbund. Fuchs und Füchsin durchstreifen dasselbe Revier - wenn auch selten gemeinsam. Oft graben sie ihre Baue nicht selber, sondern finden in verlassenen Dachshöhlen Unterschlupf oder sie bauen sich einen bereits existierenden Kaninchenbau aus. Dabei kommt es hin und wieder auch zu recht ungewöhnlichen - aber friedlichen - Wohngemeinschaften. Neben dem "Hausherren" Dachs findet nicht selten eine Fuchsfamilie Unterschlupf. Noch ungewöhnlicher allerdings ist es, wenn sich Füchse und Kaninchen den gleichen Bau teilen. Dabei gibt es keine Übergriffe von Seiten der Füchse - "Burgfrieden" nennt man dieses Phänomen. Füchse sind bei der Jagd gerne ungestört und je näher sie in menschlicher Nähe wohnen, desto aktiver werden sie bei Nacht.
Sinnesleistungen
Geht es um die Sinnesleistungen von Füchsen, stellen sie den Menschen bei Weitem in den Schatten. Ihre Augen können auch das kleinste bisschen Restlicht ausnutzen und eignen sich daher hervorragend zur Nachtsicht und Bewegungswahrnehmung. Ihr Geruchssinn ist ähnlich ausgeprägt wie bei Spürhunden, und Töne können sie bis zu einer Höhe von 65 Kilohertz wahrnehmen. Zum Vergleich: Der menschliche Hörbereich endet bei etwa 16 Kilohertz. Springen und klettern ist für Füchse kein Problem - ein 1,80 Meter hoher Zaun ist kein Hindernis. Genauso wenig Wasser, denn Füchse können schwimmen. Kurzzeitig erreichen sie eine Geschwindigkeit bis zu 50 Kilometer pro Stunde, können diese aber nicht über lange Zeit halten.
Aufzucht der Jungen
Nach der Paarungszeit im Januar/Februar trägt die Füchsin ihre Welpen 52 bis 53 Tage aus, bevor im März/April vier bis fünf Junge geboren werden. Beide Elterntiere kümmern sich um den Nachwuchs und oft auch noch die ältere Welpengeneration. Die männlichen Welpen verlassen meist schon im Herbst das Elternpaar, um ein eigenes Revier zu finden und eine Familie zu gründen. Die weiblichen Tiere dagegen bleiben meist länger und unterstützen Mutter und Vater bei der Aufzucht der nächsten Generation. Die Größe der Fuchsfamilien variiert je nach Habitat und Umwelt- und Nahrungsbedingungen. Ist das Nahrungsangebot an Mäusen, Regenwürmern oder Sträuchern mit Früchten zum Beispiel durch einen harten Winter geringer und reicht für eine Großfamilie nicht mehr aus, variiert die Wurfgröße und die älteren Welpen werden früher vertrieben. Theoretisch können Füchse bis zu 15 Jahre alt werden, doch nur wenige erreichen dieses Alter. Viele werden schon im ersten Lebensjahr Opfer des Straßenverkehrs oder des Menschen.
Füchse und Menschen
Mittlerweile findet man Füchse selbst in großen Städten wie Berlin, London oder Zürich. Da sie beim Futter relativ anspruchslos sind, sich sowohl mit fleischlicher als auch vegetarischer Kost ernähren und relativ klein sind, kommen sie auch in menschlicher Nähe sehr gut zurecht. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - sind Füchse in der Regel nicht sehr beliebt. Sie gelten als Überträger von Krankheiten wie der Tollwut oder dem Fuchsbandwurm. Bei Kleintierhaltern sind sie äußerst gefürchtet, da sie, wenn sie zum Beispiel in einen Hühnerstall eindringen, erhebliche Schäden anrichten können und zum Teil mehr Tiere umbringen, als sie fressen. Damit macht sich der Rotfuchs nicht gerade beliebt. Wenn auch nur widerwillig - erfährt er dennoch einige Anerkennung: nicht nur in der Fabel Reineke Fuchs gilt er - zu Recht - als schlau und listig.
Kerstin Zeter, Stand vom 25.04.2012
Sendung: Bären, Wölfe und Biber - Misstrauisch beäugte Rückkehrer, 26.04.2012








