Schweine
Massenware Schwein
Rund 40 Kilogramm Schweinefleisch isst der Deutsche durchschnittlich im Jahr. Um diesen enormen Bedarf zu decken, müssen jährlich mehr als 40 Millionen Schweine geschlachtet werden. Viele von ihnen verbringen ihr kurzes Leben von der Geburt bis zur Schlachtreife mit ungefähr sechs Monaten mit Tausenden anderen Schweinen im dunklen Maststall. Nicht einmal ein Prozent des deutschen Schweinefleisches stammt aus Biohaltung.
Neues Gesetz für die Haltung
In der Massentierhaltung sieht es meistens so aus, dass die Schweine in den Ställen auf Spaltenböden stehen müssen und nicht genug Platz haben, um ein separates "Klo" einzurichten. Spaltenböden gehören eigentlich längst abgeschafft, sie zwingen die Tiere geradezu in die Langeweile und Aggressivität. Dann attackieren sich die Tiere gegenseitig. Leider wird auch der Tierarzt nur recht selten gerufen.
Seit 2001 gibt es eine EU-weite Schweinehaltungsrichtlinie, die einige Verbesserungen vorsieht. Den Schweinen muss zum Beispiel Beschäftigungsmaterial, also Spielzeug, zur Verfügung gestellt werden und die Tiere dürfen nicht in völliger Dunkelheit gehalten werden. Wenn kein Tageslicht in den Stall fällt, wie es eigentlich der Fall sein sollte, muss mindestens acht Stunden künstlich beleuchtet werden, damit die Schweine ihren Tag-Nacht-Rhythmus aufrecht erhalten können.
Schweine als Organspender
Die Verpflanzung von Tierorganen auf den Menschen, die sogenannte "Xenotransplantation", wird schon seit fast 100 Jahren praktiziert. Die ersten Verpflanzungen von Nieren aus Schafen, Schimpansen und sogar Kaninchen auf den Menschen waren allerdings wenig erfolgreich. Die Organe werden vom menschlichen Immunsystem sofort abgestoßen.
Mittlerweile werden Schweineherzklappen mit großem Erfolg auf den Menschen verpflanzt. Das Herzklappengewebe ist aber tot und wird vor der Transplantation intensiv mit Chemikalien behandelt. Um irgendwann einmal lebende, ganze Schweineorgane auf den Menschen verpflanzen zu können, sind Forscher dabei, Schweine gentechnisch zu verändern.
Das transgene Superschwein
Erste Versuche, Schweineorgane durch Genmanipulation menschenähnlicher zu machen, sind bereits geglückt. Britische und amerikanische Forscher haben Ferkel geklont, denen das Gen fehlt, welches normalerweise ein Protein erzeugt, das für die Abstoßung im menschlichen Körper verantwortlich ist. Anderen Schweinen wurden Erbinformationen des Menschen eingepflanzt, so dass die Schweinenierenzellen ein menschliches Eiweiß auf der Oberfläche tragen. Das Schweineorgan soll dadurch vom menschlichen Immunsystem länger toleriert werden. Schweineorgane sind für die Transplantation besonders geeignet, weil Schweine sich schnell vermehren, so dass der Organbedarf gedeckt werden könnte. Außerdem ähneln die Organe in ihrer Funktion und vor allem auch in der Größe denen des Menschen. Forscher rechnen nicht vor dem Jahr 2010 mit der Anwendung dieser Transplantationsmethode am Menschen. Ganz abgesehen davon, dass sie ethisch äußerst fragwürdig bleibt. Zudem besteht die reale Gefahr einer Virenübertragung vom Schwein auf den Menschen.
Pia Grzesiak, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schweine - Clevere Borstentiere, 16.02.2007



