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Ziegen - eigenwillige Alleskönner

Ziegen sind neugierig, unberechenbar, wählerisch und außerdem echte Kletterkünstler. Einfach zu halten sind sie daher nicht. Dennoch ist die Ziege mit das älteste Haustier des Menschen, Ziegenmilch war die erste Tiermilch, die der Mensch zu sich genommen hat. Früher hielt bei uns in Deutschland jede zweite Familie, auf dem Land sogar jede Familie eine Ziege. Seit den 60er Jahren aber ist die Ziege in Deutschland fast wie vom Erdboden verschluckt. Erst seit einigen Jahren ist wieder ein Comeback der Ziege zu verzeichnen.

Dennis Wilms beim Ziegenmelken (2'38")

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Die Ziege und der Mensch - eine lange Geschichte

Zusammen mit dem Schaf und dem Hund ist die Ziege eines der ältesten Haustiere überhaupt. Vor über 9000 Jahren haben Archäologen die ersten domestizierten Ziegen nachgewiesen. Ziege und Mensch verbindet also eine lange Geschichte - nicht zufällig wurde Zeus von der Ziege Almatheia aufgezogen. Die Ziege findet schnell Verbreitung auf der ganzen Welt.

Ölgemälde: Jupiter bei den Nymphen auf Kreta

Zeus wurde von der Ziege Almatheia aufgezogen

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Als geselliges Herdentier schließt sie sich den Menschen gut an und fasziniert diese auch mit ihrem vorwitzigen Verhalten. Und der enorme Vorzug der Ziege, der sie für fast jedermann attraktiv macht: Die Ziege gibt, gemessen an ihrem eigenen Körperumfang, enorm viel Milch - nämlich pro Jahr dreimal so viel wie ihr eigenes Körpergewicht. Dafür braucht sie aber sehr wenig Platz und Futter. Diese Eigenschaft hat sie weltweit zur “Kuh des kleinen Mannes“ gemacht. Während heute vor allem in der südlichen Hemisphäre Ziegen noch sehr verbreitet sind, ist ihr Bestand in Europa und Deutschland seit den 60er Jahren, im Zuge des sogenannten „Wirtschaftswunders“ zurückgegangen. Wo Wohlstand einkehrt, verschwindet die Ziege!

Holzschnitt: Der Teufel Belial vor dem Hoellen

Attribute des Teufels: Ziegenhörner und Bocksfüße

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Verhältnis zwischen Ziegen und Menschen

Trotz ihrer geschichtlich wichtigen Rolle für die Ernährung der Menschen ist das Verhältnis zwischen Ziege und Mensch durchaus zwiespältig. Im frühen Christentum bekommt der Teufel Attribute des Ziegenbocks: Ziegenhörner und Bocksfüße. Auch der Ausdruck des “geilen Bocks“ hat mit dem Christentum zu tun. War früher der Gott Pan mit seiner Ziegengestalt ein Zeichen der Fruchtbarkeit, so wendet sich mit dem Christentum das Blatt und alles, was mit Sexualität zu tun hat, wird verpönt. Andererseits befreit oder bewahrt die Ziege den Menschen vor dem Bösen: Im Alten Testament werden der Ziege die Sünden des Volkes Israel aufgeladen und sie wird dann als „Sündenbock“ in die Wüste geschickt. Noch heute wird in Irland weidenden Rinderherden eine Ziege beigestellt, im Glauben, dass die Ziege die Krankheiten auf sich nimmt und so die Kuhherde gesund bleibt. Selbst ein Fußballclub wie der 1. FC Köln hat einen Ziegenbock zum Maskottchen. Der Ziegenbesitzer hat wenig Renommee. Die Erzeugnisse der Ziege aber, allen voran der Ziegenkäse, sind auch in höchsten Gourmetkreisen verbreitet.

Eine Ziegenherde auf Santorin in Griechenland

In Griechenland weit verbreitet

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Die Zukunft der Ziege

Solange es Armut auf der Welt gibt, wird es wohl auch Ziegen geben. Doch auch bei uns im reichen Deutschland gibt es wieder mehr Ziegen. So hat sich die Zahl der Ziegen in Deutschland seit 1980 fast verfünffacht. Spitzenreiter in Europa sind allerdings Griechenland, Spanien und Frankreich. Nur ein Vergleich: Während in Frankreich 536.000 Tonnen Ziegenmilch produziert werden und jeder Franzose rund 600 Kilo Ziegenkäse im Jahr verspeist, sind es in Deutschland nur 36.000 Tonnen Ziegenmilch und 50 Gramm Käseverbrauch pro Kopf. Trotz Gesundheitstrends und Tourismus, der die Speisepläne der Deutschen in den letzten Jahren enorm beeinflusst hat, verbinden große Teile der deutschen Bevölkerung nach wie vor mit Ziegenprodukten Stallgeruch und schlechtem Geschmack. Ihr großes Comeback hat die Ziege hierzulande daher auch der Landschaftspflege zu verdanken. Denn die Ziege liebt Sträucher und Büsche und kann so wirkungsvoll die Verbuschung der Landschaft verhindern.

Christiane Gorse, Stand vom 22.10.2009

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