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Zecken und andere Blutsauger

Sie lauern versteckt im Unterholz und warten oft monatelang auf ein Opfer, dem sie Blut abzapfen können. Bewehrt mit Bohr-, Schneid- und Saugwerkzeugen, lassen die winzigen "Vampire" Tiere und Menschen zur Ader. Zecken sind wahre Hungerkünstler, in ihrem Leben kommen sie mit drei Blutmahlzeiten aus. Und sie haben einen denkbar schlechten Ruf, weil sie beim Saugen gefährliche Viren und Bakterien übertragen können.

Blutmahlzeit (1'42'')

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Lebensweise

Weltweit gibt es etwa 900 Zeckenarten. Man findet sie überall, wo feucht-warmes Klima herrscht. In Deutschland ist vor allem der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) verbreitet. Er lebt vorwiegend in bodennaher Vegetation. Steigt die Temperatur über acht Grad Celsius, krabbeln die Zecken auf hohe Grashalme, Farne oder Gebüsch bis in Höhen von 1,5 Meter. Dort lauern die Parasiten oft monatelang auf ein Opfer, das die augenlosen Tiere mit Hilfe ihres Geruchsinns erkennen.

Zecke auf einem Grashalm. (Rechte: WDR/dpa)

Eine Zecke in Lauerstellung

Vergrößern

Mit dem Hallerschen Organ, das sich am untersten Vorderbeinsegment befindet, nehmen die Zecken Fettsäuren aus dem Schweiß und Kohlendioxid aus der Atmung eines Warmblüters wahr. Ausgelöst durch diesen Reiz lassen sich die Zecken von Gräsern oder Sträuchern abstreifen und krallen sich mit den Beinen an ihrem Wirt fest. Danach sucht die Zecke nach einer geeigneten Stelle der Haut, die sie mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen anschneidet. Sie injiziert ein Betäubungsmittel, so dass der Stich meist unbemerkt bleibt. Mit Hilfe eines mit Widerhaken besetzten Stachels verankert sich die Zecke in der Wunde. Ein erwachsenes Zeckenweibchen saugt bis zu zehn Tagen und lässt sich dann abfallen.

Übertragung von Krankheiten

Zecken befallen in erster Linie Wildtiere, unter anderem Mäuse, Igel und Rehe. Sind diese Tiere infiziert, nehmen die Zecken die Krankheitserreger mit dem Blut auf, ohne selbst zu erkranken. Bei der nächsten Blutmahlzeit können Viren und Bakterien auf andere Tiere oder den Menschen übertragen werden.

Kreisförmige Errötung um einen Zeckenbiss am Unterschenkel. (Rechte: WDR/dpa)

Hier deutlich zu Erkennen: die Wanderröte

Vergrößern

Borreliose

Die häufigste von Zecken übertragene Infektionskrankheit ist die Borreliose. Sie wird durch spiralförmige Bakterien, so genannte Borrelien, hervorgerufen. Die Symptome sind sehr unspezifisch, deshalb wird die Borreliose häufig erst spät erkannt. Oft beginnt die Krankheit mit Fieber und grippeähnlichen Krankheitszeichen. Bei manchen Erkrankten tritt die Wanderröte auf, eine kreisförmige sich von der Einstichstelle ausbreitende Hautrötung, die normalerweise nach einiger Zeit wieder verschwindet. Doch auch noch Jahre danach können die Borrelien aktiv bleiben und schwere Entzündungen mit Gelenkschmerzen auslösen. Die Borreliose lässt sich normalerweise gut mit Antibiotika behandeln. Ein Impfstoff ist in Erprobung.

FSME

Seltener als die Borreliose übertragen Zecken FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Auslöser der Erkrankung ist das FSME-Virus. Auch bei der FSME gibt es keine typischen Krankheitszeichen, sie ähneln denen einer Sommergrippe. Bei der milderen Verlaufsform kommt es zu einer Hirnhautentzündung, die meist folgenlos ausheilt. Befällt das Virus allerdings das Zentrale Nervensystem, kann das zu schweren Lähmungen und bleibenden Gehirnschäden führen. Gegen FSME kann man vorbeugend impfen. Auch für Kinder gibt es seit einigen Jahren einen guten Impfstoff.

Andere durch Zecken übertragene Krankheiten

Andere Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können, sind weit weniger verbreitet, aber auch weit weniger erforscht. Diese Krankheiten werden nicht durch den in Europa am weitesten verbreiteten Holzbock übertragen, sondern durch andere Zeckenarten. Die Auwaldzecke beispielsweise kann Babesiose (Hundemalaria) übertragen. Eigentlich galt diese Krankheit als Reisekrankheit, doch seit einigen Jahren kommt die Auwaldzecke auch im Osten Deutschlands vor. Die Zecken befallen in erster Linie Hunde, daher auch der Name Hundemalaria. Bisher sind in Europa nur wenige Fälle bekannt, in denen Babesiose auch beim Menschen festgestellt wurde.

Eine andere Krankheit, die an Bedeutung gewinnt ist das Q-Fieber. Besonders gefährdet sind Menschen mit Kontakt zu Schafen und ihren Nachgeburten. Auch hier ist die Auwaldzecke, beziehungsweise ihr Kot, Überträger der Krankheit. Jedes Jahr werden laut Statistiken des Robert-Koch-Instituts mehrere Hundert Fälle der Infektionskrankheit gemeldet.

Hans Jürgen von der Burchard/Wiebke Ziegler, Stand vom 30.10.2012
Sendung: Die Invasion der Körperfresser, 30.10.2012

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