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Seveso ist überall

Die Gegner der friedlichen Nutzung der Atomkraft warnten jahrzehntelang vor dem "Super-GAU", dem Unfall also, bei dem radioaktives Material eines Kraftwerks nach außen dringt. Schließlich trat dieser Fall ein: Tschernobyl wurde zum Sinnbild für atomare Unfälle - so wie andere Namen zu Synonymen für Umweltkatastrophen und die Zerstörung der Natur durch den Menschen geworden sind.

Luftaufnahme des zerstörten Reaktorblocks des ukrainischen Atomkraftwerks in Tschernobyl (Aufnahme von 1986) (Rechte: dpa)

Der Reaktorkern von Tschernobyl

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Die Atomkatastrophe von Tschernobyl

Am 26. April 1986 tritt das ein, wovor die Atomkraft-Gegner immer gewarnt haben: Im ukrainischen Tschernobyl explodiert einer der Reaktoren des dortigen Atomkraftwerks. Der strahlende Kern des Reaktors wird freigelegt, das gesamte Gebiet wird verseucht. Eine radioaktive Staubwolke kontaminiert weite Teile Europas und trotz eingeleiteter Vorsichtsmaßnahmen gelangen radioaktive Stoffe in die Nahrungskette. Vor allem vor dem Genuss von Pilzen und Wild wird über Jahre hinaus gewarnt.

Die Zahl der Opfer ist bis auf den heutigen Tag ungewiss. Ein Bericht des Tschernobyl-Forums, an dem unter anderem die "Internationale Atmoenergiebehörde" und die Weltgesundheitsorganisation beteiligt waren, spricht von 28 Arbeitern, die in unmittelbarer Nähe des Reaktors waren und im ersten Jahr nach der Katastrophe an der Strahlenkrankheit starben. Niemand weiß allerdings genau, wie viele Menschen bei der Explosion, den anschließenden "Liquidationsarbeiten" und der Ummantelung des Reaktors verstrahlt wurden. Immer noch leben Millionen von Menschen in dem verseuchten Gebiet - die Zahl der an Schilddrüsenkrebs erkrankten Menschen und vor allem die Krebsrate bei Kindern stieg in den Jahren nach der Katastrophe an.

Vor den verschneiten Bergen Alaskas liegen zwei Schiffe nah nebeneinander. Der Tanker Baton Rouge versucht Öl aus dem auf Grund gelaufenen Tanker Exxon Valdez abzupumpen. (Rechte: dpa)

Die "Exxon Valdez" verursachte eine Ölpest in der Arktis

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Das Tankerunglück der "Exxon Valdez"

Es ist Freitag, der 24. März 1989, als der Tanker "Exxon Valdez" im Prinz-William-Sund vor Alaska auf Grund läuft. 40.000 Tonnen Öl fließen ins Meer und verseuchen die Küste auf einer Länge von 2000 Kilometern. Die Bilder verklebter Seevögel und Robben gehen um die Welt, die "Exxon Valdez" wird zu einem Symbol für die Umweltzerstörung durch den Menschen.

Dass diese Ölpest so stark im kollektiven Gedächtnis blieb, ist vor allem auf die Reaktion des US-amerikanischen Konzerns Exxon zurückzuführen. Erst Wochen nach dem Unglück bemüht sich der Konzernchef nach Alaska, die Reinigungsarbeiten an den verschmutzen Stränden bezeichnet er als "Kleinigkeiten". Das Krisenmanagement des Konzerns versagt völlig, die Äußerungen des Managements lassen eine skrupellose Einstellung erkennen. Auch fast 20 Jahre nach der Havarie ist der Prinz-William-Sund immer noch verseucht, die Tier- und Pflanzenwelt hat sich noch nicht von dem Unglück erholt.

Drei Männer in weißen Schutzanzügen entnehmen auf einem Acker Bodenproben. (Rechte: dpa)

Seveso: Vögel fielen tot vom Himmel

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Die Giftgasunfälle in Seveso und Bophal

Es sind nur zwei Kilogramm Dioxin, die im Juli 1976 in einer Fabrik nahe der italienischen Kleinstadt Seveso verpuffen. Doch die Folgen sind extrem. Das Dioxin TCDD ist hochgiftig und als nach einigen Tagen Vögel tot vom Himmel fallen, Haustiere verenden und Menschen mit Hautreizungen und Chlorakne in die Krankenhäuser strömen, dämmert den Verantwortlichen, dass die Giftwolke ein ganzes Gebiet verseucht hat. In den folgenden Jahren müssen mehr als 70.000 Tiere notgeschlachtet werden, damit das Dioxin nicht in die Nahrung gelangt. Über 200.000 Kubikmeter verseuchte Erde werden abgeräumt und auf eine Sondermülldeponie gebracht.

Ein noch größeres Giftgasunglück ereignet sich am 3. Dezember 1984 im indischen Bophal. Aus einem Leck der Chemiefirma Union Carbide strömt Methyl-Isocyanidgas, 2000 Menschen sterben noch in derselben Nacht. Mehrere Tausend Opfer werden in den darauf folgenden Tagen durch die Chemikalie vergiftet. Mehr als 20.000 Menschen sterben insgesamt in Folge der Katastrophe.

Satellitenaufnahme des Aralsees. (Rechte: dpa)

Der einst riesige See trocknet aus

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Das Austrocknen des Aralsees

Die Umweltzerstörung, die sich im Aralsee abspielt, ist nicht durch ein medienwirksames Ereignis hervorgerufen; die Katastrophe, die sich hier vollzieht, ist schleichender Natur: Der riesige See trocknet langsam aus. 1960 war er noch einer der größten Binnenseen der Welt, doch bis heute hat sich sein Zustand dramatisch verschlechtert. Den beiden Zuflüssen Amu-Darja und Syr-Darja wird das Wasser für die Bewässerung großer Baumwollfelder entzogen. Die Folgen für den Aralsee sind katastrophal: Die Küstenlinie zieht sich immer mehr zurück, Schiffe liegen Kilometer vom Ufer entfernt auf dem Trockenen. Der See hat fast die Hälfte seiner ursprünglichen Fläche eingebüßt und ist in zwei Hauptteile zerfallen: in den Großen und den Kleinen Aralsee.

Während die Lage am Kleinen Aralsee durch einen Staudamm verbessert werden konnte, ist die Situation am Großen Aralsee nahezu aussichtslos. Denn die Verlandung bringt noch ein weiteres Problem mit sich: Durch die Überdüngung des Bodens werden chemische Rückstände in den Großen Aralsee gespült. Der See hat keinen Abfluss - nach und nach wird das Wasser vergiftet. Da die Böden um den Aralsee herum ebenfalls versalzen, gilt die ganze Region mittlerweile als biologisch tot. Retten lässt sich das Gebiet nicht mehr. Wissenschaftler halten es für ausgeschlossen, dass die Region in den Zustand vor 1960 zurückversetzt werden kann.

Melanie Wieland, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schutz für Tiere - Mit den Rettern unterwegs, 18.08.2008

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Collage: Zwei geöffnete Hände, darüber die Erde. (Rechte: ddp)

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