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Lotsen für den Hamburger Hafen

Die etwa 100 Kilometer lange Route zwischen der Elbmündung bei Cuxhaven und dem Hamburger Hafen war schon immer ein gefährliches Gewässer. Früher hat da so manch ein Kaufmann zittern müssen, ob denn seine Ware auch heil im Hafen eintreffen wird. Um 1440 wurden auf der Elbe die ersten Fahrwassertonnen gesetzt.

Eine rote Fahrwassertonne in der Hamburger Elbe bei Blankenese. (Rechte: Imago)

Fahrwassertonnen auf der Elbe gibt es bereits seit 1440

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Vom Elbpiloten zum Hafenlotsen

300 Jahre später gab es bereits 100 Schiffszeichen, meist aus Eichenholz, die vor Untiefen warnen sollten. Für die ortskundigen Seeleute mag diese Betonnung ausreichend gewesen sein, nicht so für die großen Frachtschiffe, die von weit her kamen, um im Hamburger Hafen ihre Ladung zu löschen. Helgoländer Fischer sollen die ersten gewesen sein, die als "Loots" oder "Piloten" ihre Dienste anboten.

Manche von ihnen witterten gute Geschäfte und lotsten die Schiffe in die Elbe, obwohl auch sie sich im Revier nicht auskannten. Immer wieder kam es zu Schiffsstrandungen mit einem Totalverlust der Ladung. Es soll aber auch vorgekommen sein, dass die Elbpiloten die Schiffe gezielt auf Grund setzten, um anschließend gemeinsame Sache mit Strandräubern zu machen. Im 16. Jahrhundert begannen deshalb die Hamburger Kaufleute damit, dem Piratentum einen Riegel vorzuschieben und gründeten den ersten "Pilotagedienst". Auf Veranlassung der Hamburger Admiralität wurden alle Schiffsführer verpflichtet, einen "erfahrenen Piloten" an Bord zu lassen. 1656 verabschiedete die Hamburger Bürgerschaft die erste "Pilotage Ordnung" und stellte drei staatlich vereidigte Hafenlotsen in Dienst. Fortan waren alle Schiffe ab einem bestimmten Tiefgang verpflichtet, einen Lotsen an Bord zu nehmen. Bei rund 1800 Schiffsbewegungen pro Jahr waren aber schon 1697 die damals zwölf Hafenlotsen hoffnungslos überfordert. Der Bedarf an ortskundigen Schiffsbegleitern wurde immer größer. 1866 sorgten bereits 120 Lotsen für einen sicheren Schiffsverkehr auf der Elbe.

Eine Lotsenstation an der Elbe bei Hamburg. (Rechte: mauritius images / imagebroker)

Lotsenstation an der Elbe bei Hamburg

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Schiffsmeldedienst früher und heute

Ihren ersten Amtssitz hatten die Hamburger Lotsen am "Jonas", einem Wachlokal in der Nähe der heutigen St.-Pauli-Landungsbrücken. Dort war zur damaligen Zeit auch die Endstation eines optischen Telegrafen untergebracht, der im April 1837 auf Veranlassung des Altonaer Kaufmanns Ludwig Schmid als Schiffsmeldedienst zwischen Hamburg und Cuxhaven eingerichtet worden war. Das Prinzip war simpel: Entlang der Elbe gab es zwischen Cuxhaven und dem Hamburger Hafen zahlreiche Masten, die mit drei beweglichen Flügelarmen ausgerüstet waren und von einem Telegrafisten bedient wurden. Per Fernrohr konnte er die Stellung der Flügelarme vom vorherigen Signalposten ablesen und weiterleiten. Vergleichbar dem heutigen Flaggenalphabet gab es verabredete Zeichen und Botschaften. Auf diese Weise erfuhren die Kaufleute, wann mit dem Eintreffen der Schiffe zu rechnen war oder ob möglicherweise vom Schiff eine Seuchengefahr ausging. Auch die Lotsen nutzten den optischen Telegrafen, um sich rechtzeitig auf den Weg zum einlaufenden Schiff zu begeben.

Heute überwachen sechs Landradarstationen den Schiffsverkehr auf der Unterelbe. In Brunsbüttel ist als Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg die Radarleitstelle untergebracht, die bei Nebel und Schlechtwetter die Lotsen an Bord der Schiffe mit zusätzlichen Verkehrsinformationen versorgt.

Ein Lotse besteigt von seinem Boot auf die Außenleiter eines großen Frachtschiffs vor Hamburg. (Rechte: Imago)

Es besteht Lotsenpflicht für ein- und auslaufende Schiffe

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Von Seelotsen, Elblotsen und Hafenlotsen

Mit jährlich etwa 100.000 Schiffsbewegungen zählt die Deutsche Bucht zu den am dichtesten befahrenen Gewässern der Welt. Hier ballen sich die Mündungsgebiete von Weser (Bremerhaven, Bremen), Jade (Wilhelmshaven) und Elbe (Cuxhaven, Hamburger Hafen) und sorgt der Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel für zusätzliches Verkehrsaufkommen. Der dichte Schiffsverkehr erhöht das Risiko von Unfällen mit katastrophalen Folgen. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, besteht eine Lotsenpflicht für ein- und auslaufende Schiffe.

Auf ihrem Weg in den Hamburger Hafen kommen dabei nacheinander drei verschiedene Lotsen an Bord. Als erster betritt in der Deutschen Bucht in Höhe der Position Elbe 1 der Seelotse das Schiff und begleitet es bis Cuxhaven. Dort wird er abgelöst vom Elblotsen, der das Schiff bis kurz vor Hamburg begleitet. Der Hafenlotse kommt erst kurz vor der Hafeneinfahrt, etwa auf Höhe von Teufelsbrück an Bord, während hier der Elblotse das Schiff wieder verlässt. Innerhalb des Hafengebietes herrscht ein ausgesprochen reger Schiffsverkehr. Hier sind neben den großen Seeschiffen auch kleinere Binnenschiffe unterwegs, die sogenannten Feederschiffe, die den Gütertransport der Binnen- und Küstenschifffahrt übernehmen. Hinzu kommen Hafenbarkassen und Personenfähren und, vor allem auch in den Sommermonaten, zahlreiche Traditions- und Sportschiffe. Das macht es erforderlich, die großen und kleinen Handelsschiffe im Hamburger Hafen mithilfe von Radaranlagen und einem computergestützten Schiffsidentifikationssystem zu überwachen. Seit Mitte der 1960er Jahre verfügt der Hamburger Hafen deshalb über ein laufend verbessertes Schiffsüberwachungssystem (Vessel Traffic Service).

Aufgaben des Hafenlotsen

Aber solch ein Verkehrsleit- und Überwachungssystem kann die Arbeit der erfahrenen Hafenlotsen nicht ersetzen. Es ist nach wie vor viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erforderlich, um in dem komplizierten Strömungsgewässer des Hamburger Tidehafens die Schiffe sicher an den vorgesehenen Schiffsliegeplatz zu manövrieren, sie im Hafenbecken zu drehen und an die Kaimauer zu drücken. Zwar verfügen moderne Schiffe über Bugstrahlturbinen und gelegentlich ist auch noch ein zusätzlicher Heckantrieb vorhanden, mit dem das Schiff Seitwärtsbewegungen ausführen kann, doch für das Bremsmanöver und als Manövrierhilfe ist der Hafenlotse in der Regel auf die Unterstützung der leistungsstarken Hafenschlepper angewiesen.

Während seines Einsatzes ist der Lotse auf der Brücke lediglich ein Berater des Kapitäns. Nicht immer fällt es den Schiffsführern leicht, das Steuer aus der Hand zu geben. Aber sie wissen, nur die Hafenlotsen verfügen über das nötige Expertenwissen und kennen sich besonders gut aus im Revier. Innerhalb des Hafengebietes, vor allem dort, wo die Hafenbecken seitlich vom Hauptstrom abgehen, herrscht eine besondere Strömungsdynamik, die großen Einfluss auf die Schiffsmanöver haben kann. Hinzu kommt, dass der Lotse den Gezeitenstrom beachten muss, denn der Hamburger Hafen ist ein Tidegewässer mit auf- und ablaufendem Wasser. Bei der Bewältigung der Aufgaben eines Lotsen spielen auch die Mondphasen eine wichtige Rolle. Aus Erfahrung weiß der Lotse, dass drei Tage nach Neumond oder nach Vollmond das Wasser höher auflaufen beziehungsweise weiter ablaufen wird als normal. Auch das wird er bei seinen Hafenmanövern zu beachten haben. Kritisch kann es immer bei starkem Wind werden. Heftige Böen können schnell mal einen Containerriesen vom Kurs abbringen.

Beruf Hafenlotse

Hafenlotse wird nur, wer zuvor als Kapitän zur See gefahren ist. Bis 1981 waren die Hafenlotsen Bedienstete der Freien und Hansestadt Hamburg. Damals wurde auf Grundlage des Hamburger Hafenlotsengesetzes die Hafenlotsenbrüderschaft gegründet. Dabei handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Anstalt, der die Hafenlotsen als Freiberufler angehören müssen. Noch ist das ein reiner Männerverein. Das aber muss nicht so bleiben. Auf der Website der Lotsenbrüder heißt es "Frauen sind willkommen in einem der letzten Männerberufe unserer Zeit. No change, no chance."

Ulrich Neumann, Stand vom 15.11.2010

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