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Das Bunte Bentheimer Schwein

Zu Beginn des deutschen Wirtschaftswunders, als es darum ging, sich in der sogenannten Fresswelle an saftigen Schweinebraten und fettigen Koteletts mal wieder so richtig satt zu essen, war das Bunte Bentheimer Schwein der Fleischlieferant par excellence. Die Züchter schätzten die hohe Fruchtbarkeit des Tieres und den großen Fettanteil seiner Schnitzel und Haxen. Nur ein Jahrzehnt später änderten sich die Verbrauchergewohnheiten und damit auch die Nachfrage nach dem Bentheimer Schwein. Die fette Schwarte, einst so gefragt, war nun der Grund, dass die Rasse kurz vor dem Aussterben stand.

Ein Buntes Bentheimer Schwein wühlt mit der Schnauze im Boden. (Rechte: dpa)

Einst sehr begehrt: das Bunte Bentheimer Schwein

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Herkunft

Das Bunte Bentheimer Schwein stammt vom alten europäischen Landschwein ab, das mit Eberrassen aus England gekreuzt wurde. Vor 150 Jahren war die Rasse vor allem in Norddeutschland in der Grafschaft Bentheim, dem Emsland und im Landkreis Cloppenburg weit verbreitet. Das Schwein ist anspruchslos, stressresistent und war für die Bauern sehr wertvoll, da die Muttertiere pro Jahr mehr als 20 Ferkel werfen konnten. Durch sein geschecktes Äußeres, schwarze unregelmäßige Flecken auf hellem Grund, und seine Schlappohren waren die "schwarzbunten" Ferkel begehrt und im Handel ein richtiger Verkaufsschlager. 1955 wurde die "Schwarzbunten" oder im niederdeutschen Dialekt auch "Swatbunten" genannten Schweine als offizielle Rasse anerkannt. Die Schweinezüchter mussten nun ihre Bestände in das bundesweit gültige Herdbuch (Zuchtstammbuch) eintragen.

Kotelett ohne Knochen vom Schwein. (Rechte: WDR/stockfood)

Mageres, fettarmes Fleisch ist gefragt

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Schwein gehabt

Ein mit Fettäderchen durchzogenes Schnitzel, wie es das Bentheimer Schwein liefert, war in der Nachkriegszeit das Qualitätsmerkmal schlechthin. Doch nach der Fresswelle in der Wirtschaftswunderzeit folgte die Gesundheitswelle und das Bentheimer Schwein verschwand von deutschen Speisezetteln. Mageres, fettarmes Fleisch war gefragt und eroberte die Kühlregale. Bedingt durch den neuen Ernährungstrend verschwanden viele regionalen Rassen. Bundesweit setzten die Züchter auf einige wenige Schweinerassen, die zwar das gewünschte magere Fleisch lieferten, aber weniger robust waren und vielfach mit Antibiotika aufgepäppelt werden mussten. Das Bentheimer Schwein stand vor dem Aussterben und verschwand bereits 1964 wieder aus den Zuchtbüchern.

Allein einem einizgen Bauern in Niedersachsen ist es zu verdanken, dass das Bentheimer Schwein überlebte. Allen Widerständen zum Trotz hielt Gerhard Schulte-Bernd aus Isterberg an seinen "Swatbunten" fest. Bis Ende der 1980er Jahre besaß er mit seinen 22 Sauen und zwei Ebern quasi den gesamten Bestand der Rasse. Durch seine Hartnäckigkeit konnte er auch die Landwirtschaftsbehörden vom Nutzen seiner Schweinerasse überzeugen und seinen Bestand wieder ins offizielle Herdbuch aufnehmen lassen.

Die Sau Agathe von der Rasse Bunte Bentheimer Schweine säugt im Nordhorner Tierpark ihre in der Nacht zuvor geborenen 15 Ferkel. (Rechte: dpa)

Beeindruckend: jährlich über 20 Ferkel pro Muttertier

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Die Zukunft des Bunten Bentheimer Schweins

Ganz gerettet ist das Bunte Bentheimer Schwein noch nicht, auch wenn sich gemeinnützige Vereine und Organisationen wie die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" (GEH) der Bewahrung alter Nutztierrassen verschrieben haben. Von großem Nutzen für den Fortbestand der Rasse ist, dass gerade Gourmets und Slow-Food-Gruppen den vorzüglichen Geschmack des Schweins wiederentdeckt haben und Restaurants das Fleisch als regionale Delikatesse anbieten. Doch erst ab 5000 Muttertieren gilt ein Bestand als gesichert - davon ist das Bunte Bentheimer Schwein noch weit entfernt.

Sabine Kaufmann, Stand vom 08.02.2012

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