Intelligenz bei Tieren
Werkzeuge der Schimpansen
Schimpansen haben bereits vor 4300 Jahren Steinwerkzeuge benutzt. Bei Ausgrabungen an der westafrikanischen Elfenbeinküste haben Wissenschaftler Steine gefunden, die Schimpansen bereits in der Steinzeit zum Nüsseknacken benutzt haben. Alle Findlinge zeigen deutliche Abnutzungsspuren, die nur beim Einschlagen auf Nüssen entstanden sein können. Die Werkzeuge sind ungefähr so groß wie eine Melone und passen perfekt in die kräftigen Pranken eines Affen. Für Menschenhände sind die Steinhammer dagegen zu schwer. Auf den Steinen konnten die Forscher sogar noch Stärkekörner nachweisen, die von einheimischen Nüssen stammen. Interessant ist vor allem, dass die Nachfahren der Steinzeitschimpansen ihre Nüsse auch heute noch mit Steinen knacken. Ein Beleg für die Forscher, dass der Nussknackertrick über Jahrtausende von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Tiere mit speziellen Fähigkeiten (1'10")
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Tricks der Vögel
Hunger macht aber nicht nur Affen, sondern auch Vögel erfinderisch. Japanische Forscher haben Krähen beobachtet, die Nüsse auf die Straße fallen lassen, damit Autos sie zerquetschen. Damit sie die Leckerei auch gefahrlos von der Straße picken können, suchten einige gezielt Zebrastreifen auf, weil dort die Fahrzeuge immer wieder stoppten, um Menschen passieren zu lassen. Andere Wissenschaftler beobachteten von Hand aufgezogene Raben, die die ihnen gestellten Aufgaben immer wieder im ersten Versuch lösten. Möglich erscheint dies nur, wenn sie es sich innerlich vorstellen, den Lösungsweg im Kopf durchspielen. Dabei ist ihr Gehirn mit zehn Gramm etwa 40-mal kleiner, als das der Primaten. Trotzdem sind sie zu enormen Leistungen fähig. Um sich Futter zu angeln, verbiegen Krähen sogar schon einmal Metalldrähte, und Mangrovenreiher werfen Zweige als Köder ins Wasser und warten dann auf Fische, die danach schnappen.
Was heißt hier "Intelligenz"?
Diese und noch viele andere Beispiele belegen, dass Intelligenz bei Tieren weit mehr verbreitet ist, als bisher angenommen. Als "Intelligenz" bezeichnen Forscher die Fähigkeit, Probleme zu lösen und Zusammenhänge zu erkennen. Als schlau gelten vor allem jene Tiere, die ihre Probleme nicht schematisch lösen, sondern frühere Erfahrungen auf eine neue Situation übertragen können und dabei sogar vollkommen neue, kreative Lösungen entdecken. Eine wichtige Voraussetzung für das Denken ist die Fähigkeit, Gegenstände und Reaktionen richtig einzuschätzen. Die Forscher gehen inzwischen sogar davon aus, dass viele Tiere nicht nur die Eigenschaften von Dingen erfassen und für sich nutzen, sondern auch Ereignisse vorausberechnen können. Schildkröten und Fliegen können exakt bestimmen, wie oft sie einen bestimmten Futterplatz aufsuchen müssen, damit sie optimal genährt sind. Sie berücksichtigen dabei sogar den Kraftaufwand für den Hinweg und ihren Energieverbrauch für die Futtersuche.
Auch Hunde können vorausplanen. Achten Sie mal darauf, wenn am Strand ein Hundebesitzer seinem Liebling einen Stock schräg ins Meer wirft. Der Hund springt nicht sofort ins Wasser, sondern läuft ein Stück am Ufer entlang zum günstigsten Ausgangspunkt ins Wasser. Der Hund scheint berechnen zu können, wie er den Stock am schnellsten erreicht. Hunde berücksichtigen sogar, dass sie schwimmend langsamer vorankommen.
Viele Formen von Intelligenz
Allerdings ist in der Tierwelt nicht jede Problemlösung automatisch mit einem Denkprozess verbunden. Viele Verhaltensweisen, die uns als intelligent erscheinen, sind genetisch vorbestimmt. Zudem gibt es viele Formen von Intelligenz: Neben der handwerklichen, ökonomischen Intelligenz beobachten die Wissenschaftler die ökologische Intelligenz und schauen, wie die Tiere die Probleme in ihrer spezifischen Umwelt meistern. Eine Fledermaus benötigt andere kognitive Fähigkeiten als ein Seeigel. Auch die emotionale und die soziale Intelligenz finden immer mehr Beachtung. Wie erkennen Tiere, was der andere im Schilde führt? Manche Tiere können Situationen vorab im Kopf durchspielen und entsprechend reagieren. Über eine große soziale Intelligenz verfügen Schimpansen, zum Teil die Vögel und auch die Hunde.
Nicht die Größe des Gehirns ist entscheidend
Es gibt jedoch auch Tiere, die brauchen noch nicht einmal ein großes Gehirn, sondern schaffen es mit einem einfachen neuronalen Netzwerk, außergewöhnliche Dinge zu vollbringen. Auch Seesternen, Krebsen und Blutegeln gesteht man inzwischen eine Umwelt- und soziale Intelligenz zu. Sie benutzen nämlich - genauso wie die Schimpansen in Westafrika - Werkzeuge, können Verwandte individuell erkennen und betreiben ausgeklügelte Formen der Brutpflege. Eine Blutegelart beispielsweise füttert ihre Jungen mit kleinen Würmern, ganz so, wie es Vogeleltern tun.
Michael Ringelsiep, Stand vom 15.12.2011
Sendung: Tierische Helfer, 15.12.2011







