Tierische Lautsprache
„Hallo“, „Geh weg“
Tiere nutzen Laute vor allem dazu, um ihre aktuelle Stimmung kund zu tun. Je sozialer sie leben, desto häufiger und vielfältiger äußern sie sich. Die Idee ist, sich in der Gruppe zu synchronisieren und zusammen zu arbeiten. Daher senden verschiedene Arten zum Beispiel Töne aus, um ihre Genossen auf Abstand zu halten, anzulocken, zu begrüßen, zu besänftigen oder aber zu warnen. Grundsätzlich nutzen Tiere Laute daher in ähnlichen Situationen wie der Mensch. Und so wie der Mensch je nach Gegenüber und Herkunft „Hallo“, „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ verwendet, haben auch die Tiere verschiedene Varianten von Lauten entwickelt, um die jeweilige Botschaft zu konkretisieren.
Laute als Warnung
Ein Beispiel dafür, wie vielschichtig Warnlaute sein können, sind die Rufe der in Gruppen lebenden Grünen Meerkatzen. Wird ein Tier auf einen Fressfeind aufmerksam, schlägt es grundsätzlich Alarm. Je nachdem was für ein Eindringling sich nähert, sind die Töne jedoch unterschiedlich: Ist es etwa ein Leopard, also ein am Boden lebendes Tier, stößt die Meerkatze ein Gurgeln aus, und sämtliche Mitglieder der Affenhorde flüchten in die Baumwipfel. Bei einem Angriff aus der Luft wäre ein solches Verhalten kontraproduktiv. Sieht ein Tier etwa einen Adler, gibt es daher ein schrilles Zwitschern von sich, und die Gruppe verschwindet in nahegelegenen Büschen. Ähnlich differenzierte Warnlaute kennt man von Amseln. Sie trällern mit unterschiedlichem Ton und Rhythmus, je nachdem, ob Gefahr von unten oder von oben droht.
Auch Fische können sprechen
Apropos unten: Auch im Wasser funktioniert die Kommunikation mit Hilfe von Lautäußerungen. Für den einen oder anderen mag es überraschend sein, aber auch Fische nutzen Töne, um sich zu verständigen. Sie stoßen Laute aus, um Geschlechtspartner bei der Paarung zu finden, um ihr Revier zu verteidigen oder zur Orientierung. Das Sprichwort „Stumm wie ein Fisch“, mit dem wortkarge Menschen gern beschrieben werden, hat demnach mit der Realität kaum etwas zu tun. Allerdings: Die meisten Lautäußerungen der Fische sind so leise, dass sie für den Menschen in der Tat nicht hörbar sind.
Kommunikation mittels Infraschall
Für den Menschen komplett unhörbar ist die „Geheimsprache“ der Elefanten. Diese unterhalten sich keineswegs nur über Trompetenlaute, die sie vor allem zur Begrüßung einsetzen. Elefanten nutzen zudem so genannte Infraschalllaute. Das sind Töne mit einer Frequenz von etwa 20 Hertz. Bei Elefanten können sie die Lautstärke eines Gewitterdonners erreichen und der Verständigung über mehrere Kilometer dienen, da sich Infraschall gut über große Entfernungen ausbreitet. So finden zum Beispiel Elefantenmännchen und -weibchen in der Paarungszeit mit Hilfe von Infraschalllauten zusammen. Für Menschen ist Infraschall zu tief, um ihn zu hören. Wir spüren ihn höchstens als eine Art Vibration.
Die Gesänge der Wale
Elefanten sind nicht die einzigen Tiere, die Infraschall hören und erzeugen können. Auch Nilpferde benutzten ihn zur Kommunikation - an Land wie im Wasser. Hier breitet sich der Schall um etwa das Vierfache schneller aus als in der Luft. Und so leben auch die Meister des Infraschalls unter Wasser: Wale. Sie nutzen ihn vor allem zur Revierabgrenzung, um den Gruppenzusammenhang zu stärken, und während der Paarungszeit – wobei nicht sicher ist, ob die Töne Rivalen in Schach halten oder Weibchen imponieren sollen. Sicher ist: Wallaute sind sehr laut. Die gewaltige Stimme eines Blauwals - mit mehr als 30 Metern Länge das größte Tier der Erde - besitzt eine Schallenergie, die der eines startenden Space-Shuttles nahekommt. Walforscher gehen davon aus, dass sich die Giganten der Meere mit Hilfe von Infraschall über mehrere hundert, wenn nicht sogar tausend Kilometer verständigen können. Doch auch das will gelernt sein.
Auch Tiere müssen sprechen lernen
Die meisten Tiere können von Geburt an nicht sprechen. Zwar kommen sie vielfach mit einer Art Grundausstattung an Lautäußerungen zur Welt, die genetisch weitergegeben wird. Sie müssen dann aber noch lernen, diese richtig einzusetzen. So kommt es, dass etwa erwachsene Meerkatzen nicht darauf reagieren, wenn Kleinkinder im Spiel Warnrufe aussenden. Ganz nach dem Motto: „Die Kleinen wissen es halt noch nicht besser.“ Erst mit der Zeit lernen die Tiere spezielle Laute (sinnvoll) bestimmten Situationen zuzuordnen. Auch im Gehirn ist dieser Lerneffekt bei Tieren offenbar nachzuweisen. Bei Zebrafinken hat sich gezeigt, dass bei einem rufenden Küken andere Hirnregionen aktiviert werden, als bei Erwachsenen.
Dialekte verfeinern die individuellen Laute
Neben der richtigen Anwendung, lernen Jungtiere im Laufe der Entwicklung ihren Lauten eine individuelle Färbung zu geben. Bestimmte Singvogelarten etwa singen regional unterschiedlich. Auch Pottwale, Delfine und Bienen sollen verschiedene Dialekte sprechen. Die richtige, individuell gefärbte Kommunikation mit Hilfe von Lautäußerungen, müssen auch Tiere erst trainieren.
Lena Ganschow, Stand vom 05.11.2009











