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"Aktion T4"

Hinter dem Bezeichnung "Aktion T4" verbarg sich die systematische Ermordung von kranken und behinderten Menschen durch das Nazi-Regime. In ihrer Propaganda sprechen die nationalsozialistischen Ideologen von der "Vernichtung lebensunwerter Lebens". Die als "Euthanasie" bezeichneten Krankenmorde wurden als ein Akt der "Erlösung", als "Gnadenakt", so Adolf Hitler, bagatellisiert.

Für ein Erziehungsheim mit 130 Schwachsinnigen könnte man 17 Eigenheime bauen, lautet der Text auf dieser Tafel aus dem sogenannten Rasseatlas, der in allen Schulen der NS-Zeit eingesetzt wird. (Rechte: WDR Freeze)

"Rasseatlas": Kosten-Nutzenrechnung im Schulunterricht

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Das Euthanasieprogramm

Die sogenannte "Aktion T4" begann 1939. T4 steht für "Tiergartenstrasse Nummer 4" in Berlin, wo die Ermordung von fast 200.000 körperlich und geistig behinderten Menschen beschlossen wurde.

Die Nationalsozialisten beriefen sich auf die Ideen des britischen Naturforscher Charles Darwin, um ihr mörderisches Tun zu rechtfertigen. Der Selektionsgedanke Darwins, die Idee, dass in der Natur ein stetiger Ausleseprozess herrscht, in dem sich nur der "Fitteste" durchsetzt, wurde von den Nationalsozialisten auf den Kopf gestellt und brutalisiert. Der Begriff der "Selektion", mit dem Darwin die Anpassungsfähigkeit einer Art an ihre natürliche Umgebung meint, bekam bei den Nationalsozialisten eine monströse Bedeutung: "Wir beschleunigen den in Natur ohnehin vorhandenen Ausleseprozess. Ein Prozess, in dem sich nur die stärkere Rasse durchsetzen wird", lautete die mörderische Schlussfolgerung.

Das NS-Propagandaplakat zeigt einen Mann, der entstellte Menschen auf seinen Schultern trägt. Der Titel: Hier trägst Du mit - Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahr im Durchschnitt 50.000 Reichsmark. (Rechte: wWDR Freeze)

"Hier trägst Du mit" NS-Propaganda Plakat

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Eine Rechenaufgabe aus einem Schulbuch der Nazi-Zeit: "125 Mark sind die Ausgaben für ein gesundes deutsches Schulkind. Um wie viel Prozent teuerer kommt dem deutschen Volk ein Geisteskranker oder Krüppel?" Immer wieder ging es in der nationalsozialistischen Propaganda schlicht ums Geld: "Was kostet ein Heim für Behinderte und wie viel Eigenheime könnte man mit diesem Geld bauen." In Statistiken aller Art wurde eine scheinbar rationale Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt: In der Argumentation der Nazi, fallen die Kranken den Gesunden zur Last, sind nutzlos, "Parasiten am deutschen Volkskörper".

Mit der Durchführung der Tötungsmaßnahmen der "Aktion T4" wurde die "Kanzlei des Führers der NSDAP" unter Philipp Bouhler beauftragt. Um die Opfer zu erfassen und auszuwählen, gründete er die Tarnorganisation "Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten". Den Transport der "Selektierten" zu den Tötungszentren übernahm das SS-Unternehmen "Gemeinnützige Krankentransport GmbH". Im Schloss Grafeneck in Württemberg entstand Ende 1939 die erste Tötungsstätte. Es folgten die Anstalten in Hadamar, Brandenburg an der Havel, Bernburg, Schloss Hartheim.

Trotz strenger Geheimhaltung zwangen Gerüchte in der Bevölkerung und besonders Proteste von kirchlicher Seite das Nazi-Regime zur formalen Einstellung der "Aktion T 4". Kopf des Widerstandes gegen die Euthanasieprogramme der Nationalsozialsten war der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen. In seinen drei berühmten Predigten prangerte er das mörderische Tun des Nazi-Staates an.

Am 24. August 1941 wurde das Programm offiziell eingestellt, dennoch ging das Morden im Geheimen bis kurz vor Kriegsende weiter. Zwischen 1941 und 1945 wurden nochmals etwa 30.000 Menschen aufgrund des Euthanasiebefehls ermordet.

Ulrich Baringhorst, Stand vom 15.03.2010

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