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Kuba-Krise

Am 22. Oktober 1962 lauschten 100 Millionen Amerikaner gebannt der Fernsehansprache ihres Präsidenten John F. Kennedy. Was er verkündete, schockierte die westliche Welt: Die Sowjetunion hatte auf Kuba Atomraketen stationiert, nur knapp 200 Kilometer von der Küste Floridas entfernt. Eine massive Bedrohung für die USA, die nicht toleriert werden konnte. Die Kuba-Krise brachte die Welt an den Rand des Abgrunds. Sie war die gefährlichste Krise des Kalten Krieges.

Der kubanische Staatschef Fidel Castro bei seiner Rede am 16. Februar 1959 in Havanna. (Rechte: dpa)

Fidel Castro übernahm 1959 das Kommando auf Kuba

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Schwierige Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Kuba und den USA befanden sich nicht erst seit Beginn der Kubakrise auf dem Nullpunkt. Nach dem Amerikanisch-Spanischen Krieg 1898 war Kuba in die totale Abhängigkeit von den USA graten. Jahrzehnte hindurch diente Kuba den Vereinigten Staaten als Zuckerexporteur. Doch das änderte sich, als die Rebellen unter Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara im Januar 1959 das Kommando auf Kuba übernahmen.

Zunächst hoffte Washington, seine Besitzstände unter den neuen Machthabern wahren zu können. Doch sie hatten die Rechnung ohne Castro und Co. gemacht: Amerikanischer Grundbesitz auf Kuba wurde enteignet, kommunistische Bande geknüpft, erste Handelsabkommen und diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion aufgebaut. Die USA reagierten zunächst mit einem Handelsembargo, dann brachen sie die diplomatischen Beziehungen ab. Als das alles nichts half, planten sie eine Invasion mit in Guatemala ausgebildeten Exilkubanern. Doch die war schlecht vorberitet und endete, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Die Invasoren sollten im April 1961 einen provisorischen Flugzeug-Landeplatz so lange absichern, bis eine in den USA gebildete Exilregierung einfliegen konnte und das große Nachbarland um Hilfe bitten sollte. Doch dieses Unterfangen misslang gegen die hoch motivierten kubanischen Kämpfer und die Invasion ging als "Desaster in der Schweinebucht" in die Geschichte ein.

Ein Aufklärungsflugzeug der US-Marine fliegt vor der Küste Costa Ricas über das US-Kriegsschiff USS-Barry (vorne) und den sowjetische Frachter Anosow (Rechte: dpa)

Anspannung bis zum Äußersten

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Oktober 1962: Die Krise beginnt

Am 14. Oktober 1962 entdeckte dann ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug die auf Kuba stationierten Sowjet-Raketen. Zwei Tage später informierte Kennedy die amerikanische Öffentlichkeit und berief eine Sonderberatungsgruppe ein, die sich aus zwei Lagern zusammensetzte: den Hardlinern der Militärs im Verteidigungsmnisterium (Falken) und den gemäßigten Vertretern im Außenministerium (Tauben). Die "Falken" sprachen sich direkt für Luftangriffe aus, die "Tauben" tendierten zunächst zu einer Seeblockade.

Kennedy entschied sich für die Seeblockade. Trotzdem erhöhten die Militärs ohne Kennedys Wissen die Alarmbereitschaft des strategischen Luftwaffenkommandos. Den Befehl gaben sie unverschlüsselt durch, sodass die Sowjets sofort informiert waren. Als sich die ersten sowjetischen Schiffe dem Blockadering um Kuba näherten, stieg die Anspannung bis zum Äußersten. Würden die Sowjets einlenken? Nachdem bereits zwei Schiffe die Blockade unbeirrt passiert hatten, kam die erleichternde Nachricht: Die sowjetischen Frachter drehten ab. Die Welt atmete für einen kurzen Moment auf.

Der Parteivorsitzende der KPdSU Nikita C. Chruschtschow 1962 bei einer Fernsehansprache (Rechte: dpa)

Nikita C. Chruschtschow

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Am Abgrund

Währenddessen kam es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) zum Eklat. Der sowjetische Botschafter leugnete weiterhin die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba. Das animierte die Hardliner unter den US-Militärs, die militärischen Vorbereitungen voranzutreiben. Moskau war fest davon überzeugt, dass die USA eine Invasion auf Kuba planten. In dieser Situation lenkte der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita C. Chruschtschow ein, doch nur so lange, bis er merkte, dass auch Kennedy vor einem Kriegsbefehl zurückschreckte. Vor diesem Hintergrund erhöhte Chruschtschow seine Forderungen, die er über Radio Moskau verbreiten ließ. Er verzichte nur auf die Stationierung jeglicher Waffen auf Kuba, wenn die USA im Gegenzug ihre Mittelstreckenraketen aus der Türkei zurückzögen. Eine Bedingung, welche die "Falken" nicht hinnehmen wollten. Sie drängten Kennedy zum Angriff.

John F. Kennedy unterzeichnet die Blockade Kubas (Rechte: AKG)

Kennedy entschied sich zu einer Seeblockade

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Der Wendepunkt der Krise

In dieser Situation, am Abend des 27. Oktober 1962, bat Kennedy seinen Bruder Robert, dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin ein Angebot zu unterbreiten: Die USA würden nicht auf Kuba intervenieren, wenn Chruschtschow die Raketen abzöge. Außerdem wollten die USA ihre Raketenbasen in der Türkei abbauen - allerdings dürfe dies nicht Teil der offiziellen Vereinbarungen sein, sondern müsse heimlich geschehen.

Einen Tag später dann die Antwort: Die Sowjets erklärten sich mit dem amerikanischen Vorschlag einverstanden, die Gefahr eines atomaren Dritten Weltkrieges war vorläufig gebannt. In den Augen der Weltöffentlichkeit ging Kennedy als Sieger aus dem Kuba-Konflikt hervor. Heute wissen wir, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach. Eines hatte die Kuba-Krise allerdings schon damals überdeutlich gemacht: Ein Atomkrieg musste unter allen Umständen vermieden werden. Die Folgen der Kuba-Krise waren die Etablierung einer direkten Krisenverbindung zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus, dem sogenannten "Heißen Draht" sowie der Beginn der "Entspannungspolitik".

Sandra Kampmann, Stand vom 13.01.2011

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