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Was ist "Falscher Honig"?

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren waren Lebensmittel vor allem in den Städten außerordentlich knapp. Deswegen entstanden zahlreiche Rezepte, die entweder ein Ersatz für nicht verfügbare Köstlichkeiten waren oder Pflanzen auf den Speiseplan brachten, die bis dahin nicht zum Bestandteil der traditionellen deutschen Küche zählten.

Besonders hart war der Winter 1946/47, der "Hungerwinter". Gegessen wurde alles, was einigermaßen genießbar war. Löwenzahn und Brennnesseln gehörten häufig zum Speiseplan – denn diese Pflanzen wuchsen wild und waren auch zwischen den Trümmern der eingestürzten Häuser zu finden. In Form von Salaten wurden dazu auch Sauerampfer und Gänseblümchen angerichtet. Sogar Eicheln wurden verzehrt, etwa als Eichelsuppe. Für diese dicke Brühe wurden die Eicheln zermahlen und mit etwas Fett und Zucker in der Pfanne angebraten. Dieser Masse gab man dann Wasser zu, bis eine - mehr oder weniger genießbare – Suppe entstand.

Lebensmittelmarken aus Berlin 1949 (Rechte: AKG)

Für Angestellte gab es 1949 eine Tagesration von 40 Gramm Fleisch

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Die meisten Rezepte der Nachkriegsjahre waren allerdings keine originellen kulinarischen Neuschöpfungen, sondern dienten ausschließlich der Verlängerung der spärlich vorhandenen Nahrungsmittel: Frikadellen ohne Fleisch oder Gulasch aus Gemüseresten zählten zu diesen Spezialitäten der ersten Jahre.

Für "Falschen Honig" sind mehrere Rezepte überliefert. Gemeinsam ist allen nur, dass man bei der Zubereitung vollständig auf Honig verzichten kann: Durch das Aufkochen von einem Viertelliter Buttermilch, reichlich Zucker, einem Hauch von Zitrone und geriebenen Äpfeln entsteht eine dickliche Masse, die sich zumindest ähnlich streichen lässt wie echter Bienenhonig.

Viele der Nachkriegsrezepte verschwanden in den 1950er Jahren. Mit dem aufblühenden Wohlstand wollten die Menschen die Zeit des Hungers vergessen. Und so entstand in den folgenden Jahren eine Küchenkultur, die das in den Mittelpunkt rückte, was in den Kriegs- und Nachkriegsjahren Mangelware war: Fleisch, Zucker, Fett und Kohlehydrate.

Malte Linde, Stand vom 12.01.2012

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