• Zum Inhalt springen
  • Zur Hauptnavigation springen
  • Zur Themennavigation springen
  • Zum Suchfeld springen
Logo von Planet Wissen

Planet Wissen
Schattenseiten der Wagners

  • Hilfe
  • Kontakt
  • WDR
  • SWR
  • BR Alpha

Themennavigation

  • Natur Technik
  • Politik Geschichte
  • Kultur Medien
  • Länder Leute
  • Sport Freizeit
  • Alltag Gesundheit

Suche

Hauptnavigation

  • Startseite
  • Sendungskalender
  • Wissen interaktiv
  • Bildergalerien
  • Podcast
  • Kontakt
  • Newsletter
  • Hilfe
  • Impressum

Navigationspfad

Sie befinden sich hier:

  • Planet Wissen
  • Politik & Geschichte
  • Persönlichkeiten
  • Richard Wagner
  • Schattenseiten der Wagners

Schattenseiten der Wagners - Antisemitismus und Nähe zum NS-Regime

Richard Wagner gilt als Prototyp des deutschen Künstlers: genial, besessen, aufopferungswillig. Doch er und seine Familie verkörpern auch die Schattenseiten der deutschen Geschichte. Wagner selbst verfasste antisemitische Schriften, viele seiner Nachkommen standen in der Nazizeit treu zu Hitler, der als Freund des Hauses in Bayreuth ein und aus ging.

Mehr zum Artikel

Richard Wagner
Die Wagners
Familiendynastie
Ring des Nibelungen
Schattenseiten der Wagners
Antisemitismus
Literatur & Co
Link-Tipps

Der Antisemit Richard Wagner

Schon Richard Wagner hat ein gespaltenes Verhältnis zum Judentum. Auf der einen Seite arbeitet er mit vielen Juden zusammen und betraut den Dirigenten und Rabbinersohn Hermann Levi mit der Uraufführung des "Parsifal". Andererseits macht er immer wieder durch antisemitische Ausfälle von sich reden. 1850 veröffentlicht er unter dem Pseudonym K. Freigedank den Aufsatz "Das Judenthum in der Musik", der vor rassistischen und antisemitischen Tiraden nur so strotzt. Sein erklärtes Ziel: "Den Einfluss der Juden auf unsere Musik (...) zu bekämpfen." Wagner hat große Vorbehalte gegen jüdische Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Giacomo Meyerbeer. 1868 veröffentlicht er den Aufsatz erneut, diesmal unter eigenem Namen. Damit trifft er den damaligen Zeitgeist. Hinzu kommen seine Vorliebe für germanische Heldensagen, christliche Mystik und sein immer wiederkehrendes Thema der politischen und menschlichen "Erlösung", wodurch er noch zu Lebzeiten zum Lieblingskomponisten und Vordenker fast aller nationalistisch gesinnten Deutschen wird. Nach seinem Tod führt seine Witwe Cosima nicht nur sein musikalisches, sondern auch sein politisch zweifelhaftes Vermächtnis fort. Sie verkehrt in deutschpatriotischen Kreisen und macht aus ihrem Antisemitismus keinen Hehl.

Winifred Wagner im Pelzmantel und Adolf Hitler in Uniform sitzen nebeneinander. (Rechte: dpa)

Hitler verspricht den Wagners ein neues Festspielhaus

Vergrößern

Auf Du und Du mit Hitler

Auch die nachfolgende Generation hängt nationalistischem und rassistischem Gedankengut nach. So heiratet Richard Wagners Tochter Eva 1908 den britischen Autor Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain hatte 1899 mit den "Grundlagen des 19. Jahrhunderts" Aufsehen erregt. Das Buch bindet rassistische und antisemitische Thesen in ein philosophisch-theoretisches Grundkonzept ein und bildet so eine wichtige intellektuelle Grundlage für den späteren Nationalsozialismus. Chamberlain, der 1915 die deutsche Staatsbürgerschaft annimmt, tritt schon früh in Kontakt mit Hitler. 1923 trifft er Hitler in Bayreuth und stellt ihn der Familie Wagner vor. Besonders Siegfried Wagners Frau Winifred ist von dem aufstrebenden und charismatischen Politiker beeindruckt. Als Hitler wenig später nach dem erfolglosen Putsch von München ins Gefängnis kommt, versorgt Winifred ihn mit Schreibmaterial und Papier - angeblich verfasst er auf genau diesem Papier "Mein Kampf". Winifred tritt 1926 in die NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands) ein und unterstützt ihren Duzfreund Hitler nach Kräften. Nachdem Hitler 1933 an die Macht kommt, ist er als Freund der Familie mit dem Spitznamen "Wolf" Dauergast in Bayreuth. Er verspricht den Wagners einen pompösen Neubau des Festspielkomplexes, der allerdings nie realisiert wird.

Winifred Wagner und Adolf Hitler mit anderen Personen bei einem Spaziergang. (Rechte: AKG)

"Onkel Wolf" alias Adolf Hitler war ein guter Freund der Familie

Vergrößern

Die Wagner-Festspiele werden immer mehr zu Propagandaveranstaltungen für das Dritte Reich. Gleichzeitig setzen die Nazis bei Aufmärschen, Ansprachen und Rundfunksendungen gezielt Wagners Musik ein. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, wird der zukünftige "Erbe" des Grünen Hügels, Wieland Wagner, auf Hitlers Anordnung vom Dienst an der Front befreit. Sein jüngerer Bruder Wolfgang muss jedoch im Polenfeldzug antreten und wird kurz nach Kriegsbeginn verwundet. Hitler besucht ihn angeblich zweimal im Krankenhaus. Die NS-Führung sorgt dafür, dass bis 1944 Aufführungen in Bayreuth stattfinden können, sogenannte "Kriegsfestspiele". Im Zuschauerraum sitzen vornehmlich verwundete Soldaten und Rüstungsarbeiter, der Kartenverkauf wird von der NS-Organisation "Kraft durch Freude" (KdF) organisiert. Auch hier gibt es enge familiäre Bindungen zum Wagner-Clan. Der KdF-Leiter Bodo Lafferentz heiratet 1943 Verena Wagner, die Schwester von Wieland, Wolfgang und Friedelind. Lafferentz und Wieland arbeiten gegen Kriegsende zusammen in einer Bayreuther Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg, wo Zwangsarbeiter Raketensysteme fertigen sollen.

Schwarzweiß-Porträtfoto von Winifred Wagner. (Rechte: AKG)

Winifred Wagner muss die Festspielleitung 1949 abgeben

Vergrößern

Entnazifizierung: die Familie Wagner auf der Anklagebank

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fällt es den eng mit dem Nazi-Regime verbundenen Wagners zunächst schwer, wieder Fuß zu fassen. Die Alliierten beschlagnahmen Vermögen, Festspielhaus und den Familiensitz Wahnfried, viele wertvolle Unterlagen und Dokumente gehen verloren. In den Entnazifizierungsprozessen, die die alliierten Siegermächte abhalten, stehen auch die Wagners vor Gericht. Winifred wird zunächst als "Aktivistin" eingestuft, ein Berufungsverfahren kommt zu einem milderen Urteil und sieht sie als "Minderbelastete". Allerdings wird ihr bis 1951 untersagt, ein Unternehmen zu führen, worauf sie die Leitung der Festspiele 1949 an ihre Söhne übergibt. Wieland, den die Alliierten als "Mitläufer" einschätzen, und Wolfgang übernehmen die Leitung der Festspiele; daraufhin gibt die bayerische Regierung das eingefrorene Familienvermögen frei. Der Betrieb am Grünen Hügel kann wieder starten.

Dirigent Daniel Barenboim bei der Arbeit mit Taktstock in der Hand. (Rechte: dpa)

Barenboims "Tristan"-Zugabe sorgte in Israel für einen Eklat

Vergrößern

In Israel wird Wagner boykottiert

Doch es gibt auch innerhalb der Familie Kritik an der Nähe von Winifred und Co. zum Nazi-Regime. So distanziert sich Friedelind Wagner bereits vor dem Zweiten Weltkrieg von der Familie und zieht in die Schweiz. In einem Brief warnt sie ihre Mutter: "Du wirst schon sehen, wohin euer Hitler euch führt, also nämlich in den Abgrund, in den Verderb." Später emigriert sie in die USA, wo sie sich an Anti-Nazi-Propagandasendungen beteiligt und dem Geheimdienst hilft, ein psychologisches Profil von Adolf Hitler zu erstellen, den sie aus nächster Nähe erlebt hat. 1944 veröffentlicht sie ihre Erinnerungen "Heritage Of Fire" (deutscher Titel: "Nacht über Bayreuth"), die nach dem Krieg in Deutschland erscheinen und dem Ansehen der Familie weiter schaden. Auch ihr Neffe Gottfried, ein Sohn Wolfgangs, bricht mit der Familie aufgrund ihrer Vergangenheit. Auf dem Grünen Hügel werden die Verbindungen zu Hitler und zur NSDAP kleingeredet. Man ist sich keiner Schuld bewusst. Wolfgang schreibt später in seiner Autobiografie, es gebe keinen Grund für ihn und seinen Bruder, sich aufgrund ihres Verhaltens im Dritten Reich reumütig auf die Brust zu klopfen. Winifred verkehrt sogar weiterhin in nationalistischen Kreisen, empfängt Ilse Heß, die Frau von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, und Adolf von Thadden, Parteichef der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). 1975 schwärmt sie in einem Fernsehinterview von ihrem Duzfreund Hitler: "Der Teil von ihm, sagen wir mal, den ich kenne, den schätze ich auch heute noch, genauso wie früher."

Das Image der Wagners ist durch die Nähe der Familie zum NS-Regime und die fehlende Distanzierung und Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg für viele nachhaltig beschädigt. Dadurch wird auch das Werk Richard Wagners, Hitlers erklärtem Lieblingskomponisten, in Mitleidenschaft gezogen. So herrscht in Israel jahrzehntelang die Übereinkunft, Wagners Werke in der Öffentlichkeit nicht aufzuführen. Als der Dirigent Daniel Barenboim dieses Tabu 2001 bricht und als Zugabe eines Konzertes in Jerusalem die Ouvertüre von "Tristan und Isolde" spielt, wird er von den höchsten Repräsentanten des israelischen Staates scharf kritisiert. Richard Wagner gilt weiterhin als künstlerische und moralische Reizfigur und wird das vermutlich noch lange Zeit bleiben.

Ingo Neumayer, Stand vom 16.09.2009

Mehr zum Thema

Bildcollage zum Thema Persönlichkeiten (Rechte: frei)

Persönlichkeiten


  • Friedrich Schiller
  • Wolfgang Amadeus Mozart
  • Ludwig van Beethoven
  • Albert Einstein
  • Napoleon

nach oben

  • Seite empfehlen
  • Seite drucken
  • Impressum

URL dieser Seite: http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/persoenlichkeiten/richard_wagner/schattenseiten_der_wagners.jsp

© WDR / SWR / BR-alpha 2012

WDR, SWR und BR-alpha sind nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.