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Die Kräfteverhältnisse im Deutschen Reich

1871 erntet Bismarck die Früchte, die er mit seiner "Blut und Eisen"-Politik gesät hatte: Das Deutsche Reich wird gegründet und der preußische König zum Kaiser aller Deutschen gekrönt. Ein Jahr zuvor hatte Bismarck durch eine List Frankreich dazu provoziert, Deutschland den Krieg zu erklären. Diese Kriegserklärung führte dazu, dass die deutschen Einzelstaaten ein Gemeinschaftsgefühl entwickelten, das während des Krieges zum Patriotismus anwuchs.

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Darauf hatte es Bismarck angelegt. Noch während der Kämpfe begann er mit den süddeutschen Staaten über eine Vereinigung mit dem Norddeutschen Bund zu verhandeln. Durch geschickte Diplomatie und verschiedene Zugeständnisse sorgte Bismarck dafür, dass die Einzelstaaten der Reichsgründung zustimmten. Am 18. Januar 1871 wird Wilhelm I. zum deutschen Kaiser ernannt und das Deutsche Reich ausgerufen – mit Otto von Bismarck als Kanzler.

Die Reichsverfassung entspricht in weiten Teilen der Verfassung des Norddeutschen Bundes. An der Spitze des Reiches steht der Deutsche Kaiser. Er ist zugleich König von Preußen, hat in Kriegszeiten den Oberbefehl über die Streitkräfte, beruft den Bundesrat und Reichstag ein und kann sie beide auflösen. Der Kaiser ernennt den Reichskanzler und kann ihn entlassen.

Schematische Darstellung der Kräfteverhältnisse im Deutschen Reich nach der Verfassung von 1871. (Rechte: WDR)

Die oberste Instanz im Deutschen Reich

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Der Reichskanzler ist zugleich preußischer Ministerpräsident und Vorsitzender des Bundesrats. Im Bundesrat sitzen 58 Vertreter der 25 Bundesstaaten. Mit 17 Vertretern ist Preußen im Bundesrat mit Abstand der stärkste Bundesstaat. Dem Bundesrat gegenüber steht der Reichstag. In ihm sitzen 382 Abgeordnete (ab 1873: 397 Abgeordnete), die in allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen gewählt werden. Der Reichstag macht gemeinsam mit dem Bundesrat die Gesetze und muss dem Staatshaushalt zustimmen. Er kann allerdings – mit Zustimmung des Kaisers – vom Bundesrat aufgelöst werden. (Auf der Abbildung links können Sie sich die Kräfteverhältnisse im Deutschen Reich noch einmal als schematische Darstellung anschauen. Klicken Sie dafür auf die Lupenfunktion des Bildes.)

Bismarcks zentrale Stellung im Machtgefüge des Deutschen Reichs erklärt sich nicht hauptsächlich aus der Verfassung, sondern aus seiner Persönlichkeit. Besonders sein Verhältnis zu Kaiser Wilhelm I. sorgt dafür, dass Bismarck einen großen Einfluss auf die Politik des Staates hat.

Christoph Teves, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Otto von Bismarck, 19.09.2007

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