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Keltische Kultur heute

Nach der Niederlage gegen die Römer verloren die Kelten auf dem europäischen Festland zunehmend an Bedeutung. In Irland erlebte die keltische Kultur bis ins 10. Jahrhundert nach Christus noch einmal eine Blütezeit, spielte dann aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Kelten waren nun eigentlich ein verschwundenes Volk. Umso erstaunlicher ist es, dass ihre Kultur bis heute mehr oder weniger authentisch Musik, Mode und vieles mehr inspiriert.

Zwei Männer in Keltenkostümen belauern einander. Beide tragen Holzschwerter und Schilde. (Rechte: dpa)

Modernes Keltenduell

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Kelten-Gruppen lassen die Vergangenheit wieder aufleben

Besonders verbunden mit der keltischen Geschichte sind die so genannten Reenactment-Gruppen. Bei ihnen handelt es sich um kleine Gemeinschaften historisch Interessierter, die versuchen, die Vergangenheit möglichst detailgetreu wieder aufleben zu lassen. Sie rekonstruieren Waffen und Kleidung, pflegen die keltische Handwerkskunst, unternehmen Märsche in keltischer Montur oder führen andere archäologische Experimente durch. So baute zum Beispiel die "Interessengemeinschaft für lebendige Vor- und Frühgeschichte" einen über vier Meter langen und 110 Kilogramm schweren keltischen Kampfwagen nach und fuhr damit 80 Kilometer durch den Thüringer Wald. Ihr Fazit: Das martialische Gefährt zeigte "ein hervorragendes Fahrverhalten selbst bei extremen Manövern". Viele Kelten-Gruppen präsentieren sich im Rahmen von historischen Festen einer größeren Öffentlichkeit. Manche von ihnen mimen die Krieger der Vergangenheit sogar so authentisch, dass sie als Statisten für Fernsehdokumentationen und Filme gebucht werden. Ein Mitglied der englischen Gruppe "Brigantia" durfte 2006 für eine BBC-Produktion den legendären Gallierführer Vercingetorix spielen.

Silberamulett mit keltischem Knoten. (Rechte: Mauritius)

Keltische Renaissance in der Mode

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Runen, Kreuze und keltische Klänge

Keltische Mode hat es auch jenseits von Historienfesten und TV-Sendungen in den Alltag der Moderne geschafft. Zahlreiche Anbieter preisen im Internet Runen-Anhänger, "Torques" genannte Halsreifen oder keltische Kreuze an. Sehr beliebt sind auch die so genannten Fibeln, das heißt Spangen, mit denen die Kelten ihre Gewänder zusammenhielten. Viele Verkäufer versuchen ihre Ware besser an den Mann zu bringen, indem sie einzelnen Amuletten und Zeichen bestimmte Eigenschaften und Wirkungen zuschreiben. Die meisten dieser Versprechen dürften aber ins Reich der Mythen gehören, da die Kelten kaum Aufzeichnungen über Religion und Mystik hinterließen. Doch nicht nur Schmuck mit keltischen Symbolen ist gefragt - Gebrauchsgegenstände wie Gläser, Decken, Aschenbecher oder Kerzenleuchter werden mit Runen, Kreuzen und Drachen verziert und dann als keltisch präsentiert.

Auch der Musikmarkt erlebt seit einigen Jahren eine keltische Renaissance. Allerdings hat das, was heute als keltische Musik verkauft wird, wohl wenig bis gar nichts mit den authentischen Klängen der Barden zu tun. Antike Schriftsteller berichten zwar von diesen keltischen Dichtern und Sängern, die Barden gaben aber ebenso wie die Druiden ihr Wissen nur mündlich weiter. Archäologische Funde wie die Statue eines Harfe spielenden Barden, die in Frankreich gefunden wurde, geben wenigstens einen kleinen Einblick in das keltische Instrumentarium.

Blick auf die monumentalen Steinquader von Stonehenge bei Sonnenuntergang. (Rechte: Mauritius)

Stonehenge: Pilgerstätte neuzeitlicher Druiden

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Der Druidenkult lebt weiter

Die Überlieferungen zur keltischen Religion sind zwar zahlreich, bieten aber viel Raum für Interpretation. Möglicherweise ist es genau diese Unklarheit, die auf viele Menschen heute noch eine große Faszination ausübt. Weltweit haben sich neuzeitliche Druiden den keltischen Traditionen verschrieben, über die in vielen Fällen aber nur spekuliert werden kann. Anhänger dieser Bewegung sehen zum Beispiel im englischen Stonehenge eine keltische Kultstätte, wofür es allerdings keine historischen Beweise gibt.

Eine ganz andere Form neuzeitlicher Druiden organisiert sich seit mehreren Jahrhunderten in so genannten Logen. Im Jahr 1781 wurde der erste dieser Druiden-Orden in England gegründet. Allerdings haben die Mitglieder dieser Organisation nicht das Ziel, alte keltische Riten zu pflegen. Gründungsmitglied Henry Hurle sah in den Druiden "Männer, die es verstanden, das Volk ihrer Zeit zu belehren und nützliche und schöne Dinge einzuführen". In dieser Tradition wollen sich auch die heutigen Ordensmitglieder verstanden wissen. Seit 1908 sind die einzelnen nationalen Logen in der "International Grand Lodge of Druidism" zusammengeschlossen. Der Deutsche Druiden-Orden hat sich in seinen Ordensregeln Toleranz, Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Wohltätigkeit verschrieben und verfolgt laut eigener Aussage keine politischen, wirtschaftlichen oder konfessionellen Ziele.

Der Druck zeigt einen Hahn, der auf einem Hut und einem Sessel steht. Darunter liegt ein Löwe. Neben dem Hahn ist 'Liberté' und 'Egalité' zu lesen. (Rechte: AKG)

Stolz Frankreichs: der gallische Hahn

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Keltische Sprachen sterben aus

Politisch benutzt wurde und wird der Kelten-Begriff vor allem in Frankreich und Großbritannien. Schon Kardinal Richelieu wollte im 17. Jahrhundert Frankreich einen gallischen König und seine natürlichen gallischen Grenzen zurückgeben. Während der Revolution von 1789 gab es Stimmen, die den französischen Adel wegen seiner fränkischen Abstammung zurück in die germanischen Wälder jagen wollten. Auf ähnliche Weise diente in Großbritannien die keltische Identität den Schotten, Walisern und Iren zur Abgrenzung gegen die Engländer. Auch heute noch schlägt sich diese Verbundenheit mit der Vergangenheit in politischen Symbolen wie dem gallischen Hahn oder der irischen Harfe nieder.

In manchen Gebieten werden sogar noch Nachfahren der keltischen Sprachen gesprochen, die Wissenschaftler zu den indogermanischen Sprachen zählen. Beispiele hierfür sind das Bretonische in der Bretagne, das schottische Gälisch oder Kymrisch in Wales. Es gibt allerdings immer weniger Menschen, die diese Sprachen verstehen, weshalb der Kelten-Experte Alexander Demandt 1998 ihre Zahl auf unter zwei Millionen schätzte.

Johannes Eberhorn, Stand vom 20.10.2011
Sendung: Neues von den alten Kelten!, 10.10.2011

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