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Geschichte des Fahrrads

Die Fahrräder der Pionierzeit im 19. Jahrhundert sind teuer und finden ihre Kundschaft nur in wohlhabenden Gesellschaftsschichten. Da gilt Radfahren als schicker Freizeitvertreib und fordert insbesondere die Herren von Stand zu sportlichen Wettkämpfen heraus. Nach und nach entwickelte sich das Fahrrad dann aber zum beliebten Fortbewegungsmittel für die Massen.

Die Zeichnung zeigt einen Mann im Frack und Zylinder auf einem Laufrad. (Rechte: WDR)

Die Draisine, Vorgänger des Fahrrads

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Das Stahlross für die kleinen Leute

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich die Fahrradproduktion zu einem der erfolgreichsten Zweige der Massenindustrie. Die Fahrradfabrikanten führen einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf, die Preise verfallen, und so wird das Rad rasch zum unverzichtbaren Transportmittel der arbeitenden Massen. Sie erreichen nicht nur schneller die meist weit entfernten Fabriken. Sie nutzten das Fahrrad auch, um ihren meist dunklen, feuchten Wohnungen zu entfliehen, in denen die meisten Arbeiterfamilien hausen müssen.

Altes Schwarzweißfoto mit mehreren Radlern auf einer Landstraße im Grünen. (Rechte: dpa)

Ein Sonntagsausflug mit dem Rad

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Eigene Fahrradclubs

Schon lange bevor das Fahrrad zum Massenverkehrsmittel wird, existieren bürgerliche Fahrradclubs. Dem Zeitgeist entsprechend, verwehren sie einfachen Arbeitern die Aufnahme. Das führt zur Gründung eigener Vereine, die auch politische Ziele verfolgen. In einem Aufruf von 1893 an die sozialdemokratischen Radfahrer Deutschlands heißt es:

"Sportgenossen! Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens sondern sich die Arbeiter und Parteigenossen von ihren Gegnern ab und schließen sich zu eigenen, selbstständigen Organisationen zusammen. Auch wir Radfahrer wollen nicht zurückbleiben, auch wir wollen dem Beispiel der Arbeiter-, Gesang-, Turn- und Vergnügungsvereine folgen und einen Verband über ganz Deutschland bilden. Unser Ziel soll sein, neben der Hebung des Radfahrsports, uns auch der Partei und der Arbeiterbewegung soviel als möglich nützlich zu machen."

Schwarzweißfoto einer Frau mit Begleiter auf einem Rad (Rechte: dpa)

Allen Unkenrufen zum Trotz – Frauen aufs Rad

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Fahrrad und Emanzipation

"Radfahren ist Männersache", so könnte man die überwiegende Meinung beschreiben, als das Fahrrad vom Luxusartikel zum Gebrauchsgegenstand wird. 1896 macht ein Autor in der Zeitschrift "Jugend" seinem Unmut Luft:

"Haben Sie jemals etwas Abstossenderes, etwas Häßlicheres, etwas Gemeineres gesehen, als ein mit putherrotem Gesicht, vom Staube entzündeten Augen und keuchenden Lungen auf dem Zweirade dahinrasendes Frauenzimmer?! Ich nicht! ...Pfui Deibel! mit Respekt zu sagen. Ist an solch einer Radfurie auch noch eine Linie schön?.... das Radfahren macht unsere Frauen dürr und eckig, unweiblich aussen und innen. .. Herunter vom Rade, weibliches Geschlecht, oder Du hast das Recht verwirkt, das schöne zu heißen!"

Zum Glück lassen sich die so Gescholtenen nicht entmutigen. Sie kämpfen nicht nur erfolgreich für die Gleichberechtigung beim Radfahren. Sie demonstrieren auch für das Frauenwahlrecht, das in Deutschland im Jahre 1918 eingeführt wird.

Fahrradkuriere

Als sich das niedrige Sicherheitsfahrrad durchzusetzen beginnt, entsteht eine neue Geschäftsidee: Kurierdienste, die ihre Boten erstmals mit modernen schnellen Rädern ausstatten. In einer Zeit, in der es kaum private Telefonanschlüsse gibt, liefern die Fahrradkuriere überwiegend Telegramme ins Haus. Milwaukee ist die erste größere Stadt in den USA, in der die "Messenger Boys" im Jahre 1891 ihren Dienst aufnehmen. Andere Städte wie New York City folgen dem Beispiel, und bald gehören die Bicycle Messengers zum Straßenbild wie heute Taxis. Auch in Deutschland werden die Fahrradkurierdienste schnell populär, die neben Dokumenten auch Waren transportieren.

Hans Jürgen von der Burchard, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Fahrräder (Rechte: SWR und dpa)

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