Autobahn

Von Scheinwerfern der Autos rot und weiß beleuchtete Autobahn.

Verkehr

Autobahn

Deutschland hat mit mehr als 12.500 Kilometern Gesamtlänge eines der dichtesten Autobahnnetze der Welt. Jahr für Jahr legen hier ungezählte Autos, Lastenwagen oder Motorräder zusammen weit mehr als 210 Milliarden Kilometer zurück. Die Geschichte der deutschen Autobahn ist ebenso interessant wie das Leben auf und mit der Autobahn.

Urahnen der Autobahn

Die Geschichte der Fernstraßen führt weit zurück in die Vergangenheit: Schon Perserkönig Darius ließ im 5. Jahrhundert vor Christus aus militärischen Gründen in seinem Reich Überlandstraßen bauen.

Sie verbanden wichtige Städte, Handelsplätze und Häfen. Auf diesen Straßen sollten seine Truppen im Bedarfsfall schnell von einem Ort zum anderen gelangen.

Auch die Römer waren Meister im Straßenbau und perfektionierten diese Technik durch Steinpflasterbeläge und gewölbte Straßendecken, die das Regenwasser zu den Seiten hin abführten.

Sie legten in ihrem riesigen Herrschaftsgebiet ein dichtes Verkehrsnetz an, bei dem buchstäblich alle Wege nach Rom führten.

Diese Römerstraßen dienten nicht nur dem Warenverkehr, sondern sollten vor allem die römischen Legionen zügig zu ihren oft weit entfernten Einsatzorten führen.

Im Mittelalter verkamen die einst so prächtigen Römerstraßen zu buckeligen Schlaglochpisten, auf denen manches Wagenrad brach.

Erst im Frankreich des 16. Jahrhunderts besann man sich auf die Baukünste der Römer und ließ das beste Straßennetz der damaligen Welt aufbauen.

1556 wurde unter König Heinrich II. die "Route National" zwischen Paris und Orleans mit einem großen gepflasterten Streckenabschnitt ausgestattet.

Die französischen Straßenkonstrukteure wurden führend, und 1747 wurde in Paris eine Schule für Brücken- und Straßenbauingenieure gegründet.

Betonpiste für Benzinmotoren: die AVUS

Mit Carl Benz' Erfindung des Benzinmotors im Jahr 1885 begann der allmähliche Siegeszug des Automobils.

Diese Entwicklung erlebte ihren ersten Boom, als der Amerikaner Henry Ford 1912 durch die Fließbandtechnik die preisgünstige Massenproduktion von Autos ermöglichte.

Autostraßen mussten gebaut werden, um der anhaltenden Motorisierung der Gesellschaft und den damit erwachsenden ersten Verkehrsproblemen Rechnung zu tragen.

 Schwarzweiß-Aufnahme 1925: Fahrzeuge und Menschen auf der AVUS

Die AVUS in Berlin im Jahr 1925

Der Anstoß für den Bau einer ersten "Nur-Kraftwagenstraße" in Deutschland kam schon 1904 vom autobegeisterten Kaiser Wilhelm II..

In Berlin wurde 1909 eine Gesellschaft gegründet, deren Ziel und Zweck es war, eine "Automobil-Verkehrs- und Uebungs-Straße" errichten zulassen, die sogenannte AVUS.

Vier Jahre später begannen die Bauarbeiten, sie wurden aber mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wieder eingestellt.

Erst 1921 wurde die AVUS in Berlin dann wirklich fertig gestellt.

Eine Art Rennstrecke war entstanden, auf der die Autobesessenen freie Bahn hatten und ungestört von anderen Verkehrsteilnehmern ihrem Hobby frönen konnten.

Der Prototyp der Autobahn hatte eine Länge von fast zehn Kilometern, bot für jede Fahrtrichtung eine eigene Spur, besaß einen Mittelstreifen, war kreuzungsfrei und breit genug zum Überholen.

Die Strecke verfügte über eine feste und ebene Straßendecke und Kurven, die auch in hohen Geschwindigkeiten unfallfrei zu bewältigen waren – allesamt Eigenschaften, die auch heute noch wichtige Kriterien für den Autobahnbau sind.

Die erste deutsche Autobahn

Für die Verkehrsplaner war die AVUS mehr als nur ein Rundkurs, auf dem sich die Autofanatiker ungebremst dem Fahrspaß hingeben konnten.

Sie gewannen wichtige Erkenntnisse, die zunächst einmal in den Ausbau der Landstraßen einflossen.

Die erste Autobahn Deutschlands an der Trasse und der Anschlussstelle Wesseling

Deutschlands erste Autobahn von Köln nach Bonn

1926 gründete sich eine Gesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, norddeutsche Hansestädte wie Hamburg und Bremen mit Frankfurt am Main und Basel durch eine gut ausgebaute Autobahnstrecke zu verbinden.

Diese 880 Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung der "HAFRABA", wie sich das Konsortium nannte, wurde allerdings wegen zu hoher Kosten nicht verwirklicht. Die Pläne sahen aber schon technische Richtlinien vor, die später für den Autobahnbau bindend werden sollten.

Auch in der Rheinprovinz gab es zu dieser Zeit Pläne für den Bau von Autobahnstrecken. Man hatte durch Verkehrszählungen festgestellt, dass es für die wirtschaftliche Entwicklung der Großregion dringend erforderlich war, wichtige Industrie-, Handels- und Verwaltungsstädte miteinander zu verbinden.

So sollten Autobahnen von Essen nach Duisburg und von Köln nach Bonn führen.

Mit diesen großen Bauprojekten konnte man außerdem gezielt die hohe Arbeitslosigkeit im Land bekämpfen. Man beschäftigte erwerbslose Arbeiter, entlohnte sie mit Geldern aus der Arbeitslosenkasse und kurbelte so die Wirtschaft an.

1929 wurde zunächst mit dem Bau der Kraftwagenstraße Köln/Bonn, der heutigen BAB 555, begonnen, die als erstes Autobahnprojekt Deutschlands am 6. August 1932 vollendet wurde.

Hitler – der Erfinder der Autobahn?

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, nutzten auch sie die wirtschaftlichen, verkehrstechnischen und politischen Möglichkeiten, die im Autobahnbau steckten.

Hatte die NSDAP 1930 als Oppositionspartei noch gegen den Bau von Autobahnen im Reichstag gestimmt, so kündigte Adolf Hitler kurz nach der Machtübernahme an, er werde das Netz auf 7000 Kilometer erweitern. Dafür wurde eigens das Unternehmen "Reichsautobahn" gegründet.

Eine Schwarzweiß-Aufnahme vom 23. September 1933: Adolf Hitler umringt von Offizieren in Uniform beim ersten Spatenstich zum Bau der Autobahn Frankfurt-Mannheim

Hitler beim Spatenstich für die Autobahn Frankfurt-Mannheim

Schon am 23. September 1933 konnte Hitler stolz und medienwirksam den ersten Spatenstich für den Bauabschnitt zwischen Frankfurt/Main und Mannheim machen. Die vorbereitenden Planungen hatte man einfach von der "HAFRABA" übernommen.

Den Propagandaerfolg schrieb sich die NSDAP allerdings alleine zu. Die Reichsautobahnen sollten ausschließlich als Straßen Adolf Hitlers gelten und in die Geschichte eingehen.

Dieser Irrglaube hat sich bei vielen bis heute gehalten.

In der Tat schritt der Bau eines dichten Autobahnnetzes rasch voran. Schon 1936 waren rund 1000 Kilometer fertig gestellt. Kurz vor Beginn des Krieges 1939 wurden allerdings Arbeiter, Maschinen und Baumaterial vom Projekt "Reichsautobahn" abgezogen.

Im Zuge der Mobilmachung wollte man alle Kräfte für Rüstungs- und Verteidigungsmaßnahmen bündeln. So auch für den Bau von Sperr- und Bunkeranlagen des sogenannten Westwalls, später für den Ausbau des Atlantikwalls.

Im Krieg selbst wurden dann bis 1945 viele Streckenabschnitte der Reichsautobahn durch Bombenangriffe zerstört.

Aufbau nach dem Krie

In den drei Westzonen wurde nach dem Krieg der Aufbau des deutschen Autobahnnetzes durch die Alliierten vorangetrieben.

Bis 1949 waren die meisten der im Krieg gesprengten Brücken wieder befahrbar und auch 2100 Autobahnkilometer standen dem Verkehr wieder zur Verfügung.

Mit dem Neubau von Strecken wurde Anfang der 1950er Jahre begonnen. Als erstes großes Projekt wurde 1956 das Frankfurter Kreuz fertig gestellt.

Heute besteht das gesamte Bundesautobahnnetz aus mehr als 12.000 Kilometern, auf denen von unzähligen Fahrzeugen jährlich über 200 Milliarden Kilometer zurückgelegt werden.

Arbeiter bringen mit modernen Maschinen eine neue Asphaltdecke auf

Asphaltarbeiten beim Autobahnbau

Für die Finanzierung von Autobahn-Baumaßnahmen ist der Bund zuständig. Ihm stehen dafür laut Gesetzbeschluss aus dem Jahr 1955 Teile der Mineralölsteuer zur Verfügung.

Ein Autobahnkilometer verursacht Baukosten in Höhe von etwa 10 Millionen Euro.

Diese Summe gilt jedoch nur für die einfachste Baumaßnahme. Durch Brücken- oder Tunnelbau werden weitaus höhere Beträge erreicht.

Wann und wo neue Streckenabschnitte gebaut werden, entscheidet der Bund auf Grundlage des Bundesverkehrswegeplans nach Anfrage und Bedarfsanforderung durch die Länder.

Für die Wartung der Autobahnen sind die jeweiligen Autobahnmeistereien zuständig.

1951 wurde vom Bundesverkehrsministerium zudem die Bundesanstalt für Straßenwesen, BAST, gegründet. Sie ist unter anderem für Prüfung, Forschung, Beratung und Überwachung bei baulichen Belangen der Autobahnen zuständig.

So entwickelte die BAST zum Beispiel für Strecken, die durch bewohnte Gebiete verlaufen, einen Asphalt, durch den die Fahrgeräusche minimiert werden sollen.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der BAST ist die Unfallforschung. Im Jahr 2015 kam es laut Statistischem Bundesamt auf deutschen Autobahnen insgesamt zu rund 20.113 Unfällen mit Personenschaden. 414 Personen kamen dabei ums Leben.

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 06.04.2017, 13:00

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