Auf den Spuren von Karl dem Großen

Der Kaiserdom in Aachen

Karl der Große

Auf den Spuren von Karl dem Großen

Von Sabine Kaufmann und Tobias Aufmkolk

Durch seine lange Regentschaft hinterließ Karl der Große ein großes Lebenswerk, das sich nicht allein auf die Erweiterung des fränkischen Territoriums beschränkte. Gerade im kulturellen und geistlichen Leben stieß er Reformen an, die auch als karolingische Renaissance bezeichnet werden.
Karl ließ Kirchen und Klöster bauen, strukturierte das Rechtswesen neu und legte sehr viel Wert auf den Aufbau eines Bildungssystems. Viele mittelalterliche Städte blühten durch den Bau von Stützpunkten für den herumreisenden Kaiser auf, den sogenannten Pfalzen.

Hinterlassenschaften und Gedenken

Karl der Große ist im heutigen Europa noch vielen Menschen ein Begriff. Sogar der Zwergstaat Andorra beruft sich auf den Karolinger als seinen Stammvater. In der Nationalhymne heißt es "Karl der Große, mein Vater, befreite mich von den Sarazenen... Ich bin die einzig übriggebliebene Tochter des karolingischen Reiches ..."

Der Text der Hymne lässt um so mehr aufhorchen, da er erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Im Gedenken an Karl den Großen, dessen Lieblingsresidenz die Kaiserpfalz in Aachen war, vergibt die Stadt Aachen seit 1950 den Karlspreis. Damit sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben.

1954 wurde damit zum Beispiel Konrad Adenauer ausgezeichnet, der in Zusammenarbeit mit anderen westeuropäischen Staatsmännern die ersten übernationalen Institutionen der künftigen Föderation geschaffen und ihren Ausbau kontinuierlich vorwärts gebracht hat.

Spuren von Karl dem Großen finden sich auch in den Landeswappen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Der Legende nach soll das jeweils dort abgebildete weiße Pferd der Schimmel sein, den Karl der Große seinem stärksten Widersacher, dem sächsischen Anführer Widukind, bei dessen Taufe geschenkt haben soll. Vorher soll Widukind stets ein schwarzes Pferd geritten haben.

Das weiße Pferd sollte nun als Symbol für die Erleuchtung dienen, die der sächsische Widersacher durch die Annahme des christlichen Glaubens empfangen hatte. Wissenschaftliche Belege lassen sich für diese Legende nicht finden, da beide Landeswappen deutlich später entstanden sind.

Das Landeswappen von Niedersachsen: Ein weißes Pferd auf rotem Hintergrund.

Karls Pferd ziert das Landeswappen von Niedersachsen

Die Kaiserpfalzen

Der Bekanntheitsgrad des karolingischen Kaisers geht sicherlich auch auf die vielen erhaltenen Dokumente und Bauten zurück, die er hinterlassen hat.

Wichtigstes Zeugnis sind die mehr als 100 Kaiserpfalzen, die der Frankenkönig auf seinen zahlreichen Reisen durch sein riesiges Reich errichten ließ, um sich angemessene Aufenthaltsorte zu schaffen. Zu den wichtigsten zählen Aachen, Ingelheim und Paderborn.

Aachen

Besonders in den Wintermonaten hielt sich Karl der Große in seiner Aachener Kaiserpfalz auf, um dort in den heißen Quellen zu baden und seine Gicht zu kurieren. In den Jahren vor seinem Tod 814 machte er Aachen sogar zum Zentrum seines Reiches.

Der bedeutendste Bau aus der Zeit des Karolingers ist die achtseitige Pfalzkapelle. Sie wurde auf den Ruinen einer römischen Therme gebaut.

Um das Gotteshaus im Inneren auszuschmücken, ließ Karl sogar Säulen und Marmorplatten aus Italien nach Aachen bringen. Im Obergeschoss der Pfalzkapelle, die heute den Kern des Aachener Domes bildet, befindet sich hinter einem Gitter aus Bronze der Karlsthron. Hier wurden die deutschen Könige bis ins Jahr 1531 gekrönt.

Ingelheim

Ingelheim ist eine Kreisstadt in der Nähe des Rheins zwischen Mainz und Bingen. Archäologen haben hier die Überreste einer Kaiserpfalz aus der Zeit Karls des Großen freigelegt und entsprechend dokumentiert. Es ist verbürgt, dass Karl der Große sich sieben Mal in seiner Pfalz in Ingelheim aufgehalten hat, die längste Zeit zwischen Winter 787 und Sommer 788.

Sämtliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Ingelheimer Pfalz erstreckten sich auf einer Fläche von 145 mal 110 Metern. In ihrem Zentrum befand sich die "Aula regia", die sich architektonisch an antiken, einschiffigen Basiliken orientierte.

In diesem Herzstück, dem großen repräsentativen Raum einer Kaiserpfalz, rief der Kaiser seine Vasallen zusammen und hielt Hof. Die Wände der Halle waren mit Fresken bemalt und die Böden mit Platten aus Marmor ausgelegt.

Kupferstich: Gesamtansicht von Ingelheim

Ingelheim am Rhein

Paderborn

An den Quellen der Pader ließ Karl der Große im Verlauf der Sachsenkriege 776 eine Pfalz samt Burg bauen. Sie umschloss den heutigen Bereich des Domes. Paderborn wurde für den Kaiser im Laufe der folgenden Jahre einer seiner wichtigsten Stützpunkte. Hier fanden viele wegweisende Reichsversammlungen statt.

Auch das Bistum Paderborn wurde von Karl dem Großen gegründet, der Bau einer Vorläuferkirche des heutigen Doms wurde 799 begonnen. Im gleichen Jahr weilte auch Papst Leo III. in der Pfalz. Er musste vor einem Aufstand aus Rom fliehen und war auf Karls Hilfe angewiesen. Dieser nutzte die Schwäche des Papstes und bereitete gemeinsam mit ihm seine Kaiserkrönung im darauffolgenden Jahr vor.

Zentrale Halle der Pflz in Paderborn.

Die Pfalz in Paderborn ist heute ein Museum

Stand: 07.11.2019, 11:30

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