Konrad Adenauer

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Konrad Adenauer

Konrad Adenauer ist eine Politiker-Legende. Als er 1949 der erste Bundeskanzler der neu gegründeten Bundesrepublik wird, liegt eigentlich schon ein ganzes Leben hinter ihm, denn er ist bereits 73 Jahre alt. Erst mit 87 geht er "in Rente" und das auch noch unfreiwillig. Dabei hat er in diesem letzten Wirken für Deutschland vieles geschaffen, was für uns heute selbstverständlich ist. Die Wurzeln dafür liegen allerdings in einem längst vergangenen Jahrhundert!

Darum geht's:

  • Konrad Adenauer verschafft sich früh Zugang zum "Kölschen Klüngel".
  • 1917 wird er jüngster Oberbürgermeister von Köln.
  • Ihm verdanken die Kölner die Messe, die Universität und den Grüngürtel.
  • In der NS-Zeit wird Adenauer mehrmals verhaftet.
  • 1949 wird er erster Bundeskanzler von Deutschland.
  • Die Spiegel-Affäre zwingt ihn, sein Amt niederzulegen.

Der frühe Konrad Adenauer

Am 5. Januar 1876 wird Konrad Adenauer als drittes von fünf Kindern in Köln geboren. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen auf: Sein Vater ist in dieser Zeit Sekretär am Appellationsgericht (heute Oberlandesgericht).

Konrad Adenauer bei seiner Erstkommunion.

Adenauer genoss eine katholische Erziehung

Konrad Adenauer erinnert sich in späteren Interviews gern daran, dass er bis zum Alter von 16 Jahren mit seinem Bruder ein Bett teilen musste.

Die Eltern erziehen ihre Kinder streng katholisch und autoritär. Als Kind ist der kleine Konrad oft krank: Mit sieben Jahren leidet er an einer Knochenkrankheit und als Jugendlicher bekommt er Tuberkulose – eine Krankheit, die damals nicht jeder überlebt.

1894 macht er schließlich Abitur und studiert danach Rechts- und Staatswissenschaft. Als Student entgeht er mit einem Attest dem Militärdienst – in damaligen Zeiten alles andere als förderlich für eine Karriere. Dennoch steigt Konrad Adenauer bald rasant auf, denn er verschafft sich Zugang zum sogenannten "Kölschen Klüngel".

Ab 1902 verkehrt er immer öfter bei einem Tennisclub, in dem die höheren Töchter der Kölner Gesellschaft ein und aus gehen. Dort verliebt er sich in Emma Weiher, die Tochter des Generaldirektors der Kölner Lebensversicherungen. Zwei Jahre später, im Jahr 1904, heiratet er sie

Der Weg zum Oberbürgermeister

Als Jurist ist Konrad Adenauer nicht sehr erfolgreich. Er wechselt ins Kölner Rathaus und dort scheint er seine Fähigkeiten richtig entfalten zu können. Auch privat ist er mit Glück gesegnet: Der erste Sohn Konrad kommt zur Welt, gefolgt von Max und Ria. 1909 steigt Konrad Adenauer zum zweitmächtigsten Mann in der Stadtverwaltung auf.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Konrad Adenauer nicht nur stellvertretender Bürgermeister, sondern auch für die Versorgung der Bevölkerung zuständig. Mit viel Organisationstalent und Erfindungsreichtum meistert er die Krise für die Kölner.

Doch seiner Frau geht es in dieser Zeit immer schlechter. Nach der Geburt ihrer Kinder erholt sie sich nicht und stirbt schließlich nach langer Krankheit. Konrad Adenauer bleibt mit drei kleinen Kindern zurück. Er übersteht diese schwere Zeit nur mithilfe seiner Mutter, die sich um die Kinder kümmert.

Die Arbeit gibt ihm Kraft, besonders als er das Angebot bekommt, Oberbürgermeister zu werden. Aachen will ihn locken, doch es eröffnet sich auch die Perspektive, vielleicht in Köln Oberbürgermeister zu werden. Ein schwerer Unfall durchkreuzt seine Pläne. Er muss monatelang ins Krankenhaus und in die Reha, sein Gesicht muss wieder hergestellt werden.

Doch Konrad Adenauer lässt sich nicht entmutigen und am Ende ergattert er seinen Traumposten: 1917 wird er der jüngste Oberbürgermeister einer Großstadt im ganzen Reich, er ist Oberbürgermeister von Köln.

Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln

Dr. Konrad Adenauer im Jahre 1930 als Oberbürgermeister von Köln (1917-1933)

Adenauer als Oberbürgermeister von Köln

Die Kölner ehren Konrad Adenauer noch heute als den fähigsten Oberbürgermeister, den sie je gehabt haben. Mit Weitsicht fördert er Großprojekte, die ihn zu seiner Zeit allerdings auch zum teuersten Bürgermeister machen und derentwegen er Köln hoch verschuldet. So lässt er die Kölner Messe bauen, eröffnet die Universität zu Köln und die Kölner Werkschulen.

Adenauer bemüht sich außerdem sehr, ausländische Investoren nach Köln zu holen. Es gelingt ihm, den amerikanischen Autobauer Ford dazu zu bewegen, ein Werk in Köln zu bauen.

Außerdem veranlasst er, dass aus dem ehemaligen preußischen Festungsring ein Grüngürtel wird – noch heute die grüne Lunge der Stadt und beliebtes Naherholungsgebiet für die Kölner. Sein enormes Verhandlungsgeschick zeigt sich schon damals.

Ein Beispiel sind die Diskussionen um den Bau der Mühlheimer Brücke. Adenauer findet in den eigenen Reihen keine Mehrheit für seine Idee der Hängebrücke – viele favorisieren eine klassische Bogenbrücke. Um die Mehrheit im Rat dennoch zu bekommen, scheut er sich nicht, die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) auf seine Seite zu ziehen.

Legendär, aber wohl nicht belegt ist, dass er behauptet haben soll, die Moskauer Kommunisten würden auch nur noch Hängebrücken bauen. Jedenfalls mündet der Kölner Brückenstreit schließlich in die Zustimmung zur Hängebrücke – mithilfe der Stimmen der Kommunisten.

Ebenso legendär taktiert Adenauer während der revolutionären Unruhen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, als die Arbeiter- und Soldatenräte auch das Kölner Bürgermeisteramt stürmen. Schon zuvor hat Adenauer sämtliche Alkoholvorräte in den Rhein kippen lassen, damit die Situation nicht noch mehr eskaliert. Und er bietet für jede abgegebene Waffe eine Mahlzeit an, sodass die Zahl der Waffen in der Stadt erheblich reduziert wird.

Als die Revolutionäre schließlich bei ihm im Büro sind, diskutiert er so lange mit ihnen, bis sie ihn zum Vorsitzenden des Bereichs für die öffentliche Sicherheit machen. Auch privat geht es für Konrad Adenauer wieder bergauf. Er lernt seine zweite Frau Auguste Zinser kennen. 1919 heiratet er "Gussi", mit der er fünf weitere Kinder bekommt.

Die erste Entmachtung

Ab 1930 sind die Nationalsozialisten auf dem Vormarsch. 1931 beflaggen sie in einer nächtlichen Aktion die Kölner Rheinbrücken mit Hakenkreuzfahnen.

Oberbürgermeister Adenauer lässt umgehend die Fahnen wieder entfernen und verweist darauf, dass die Fahnenstangen städtisches Eigentum seien. Scheinbar eine Bagatelle, aber mit seiner Standhaftigkeit gerät er ins Visier der SA (Sturmabteilung), die schließlich sogar öffentlich Geld für die "Kugel Adenauers" sammeln lässt.

Für einen NS-Film nachgestellte Szene des Fackelzugs der SA durch das Brandenburger Tor, mit dem die Nationalsozialisten am 30.01.1933 die Machtübernahme feierten (Bild vom Sommer 1933).

Fackelzugs der SA durch das Brandenburger Tor

Nach Hitlers Machtübernahme unterliegt bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 in Köln Adenauers Zentrumspartei. Illegalerweise – denn der Oberbürgermeister hat gar nicht zur Wahl gestanden – enthebt die NSDAP Adenauer seines Amtes.

Die Entmachtung hat Adenauer zeitlebens geschmerzt. Denn öffentlich hat sich kein Kölner gegen seine Absetzung gestellt, obwohl er sich als Oberbürgermeister immer sehr geliebt gefühlt hatte.

Die Nazizeit

Auch als Privatmann bei seiner Familie fühlt sich Adenauer nicht sicher vor den Nationalsozialisten. Daher bittet er einen ehemaligen Schulfreund um Hilfe. Der Abt von Maria Laach nimmt Konrad Adenauer am 26. April 1933 vorübergehend in der Abtei auf.

Im April kann er mit seiner Familie ein Haus in Potsdam beziehen, wo er allerdings am 30. Juni 1934 in Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch für zwei Tage festgenommen wird.

Adenauer versucht, den Druck abzumildern und schreibt einen elfseitigen Brief, in dem er seine Verdienste für die NS-Bewegung beschreibt. Immerhin erwirkt Adenauer so eine jährliche Pension von 10.000 und ab 1937 sogar von 15.000 Reichsmark. Außerdem wird er für die Beschlagnahmung seiner Kölner Villa entschädigt. Dennoch wechselt Adenauer immer wieder seinen Aufenthaltsort und versteckt sich.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wird Adenauer im Rahmen der Aktion "Gewitter", einer großen Verhaftungswelle, erneut verhaftet und in das Auffanglager auf dem Deutzer Messegelände in Köln gebracht. Auf einer Liste von Häftlingen, die ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht werden sollen, steht auch der Name Konrad Adenauer.

Doch da kommt Hilfe von unerwarteter Seite: Der Kölner Kommunist Eugen Zander, der als Kapo für die neuen Häftlinge zuständig ist und Adenauer als Bürgermeister sehr schätzte, lässt ihn in ein Krankenhaus überweisen, von wo Adenauer fliehen kann.

Die Gestapo kommt nach Rhöndorf ins Haus der Adenauers und verhört Ehefrau Gussi. Sie hält dem Druck nicht stand und verrät das Versteck ihres Mannes im Westerwald. Wieder wird Adenauer verhaftet. Gussi verzeiht sich ihren Verrat nicht und versucht sich umzubringen.

Im November erwirkt Sohn Max beim Reichssicherheitshauptamt die Entlassung seines Vaters. Adenauer erlebt das Ende des Zweiten Weltkriegs in seinem Haus in Rhöndorf.

Die zweite Entmachtung

Als die Alliierten Deutschland befreien, sind zunächst die Amerikaner für Köln zuständig. Eines der ersten Dinge, die sie tun, ist, Konrad Adenauer wieder zum Oberbürgermeister zu machen. Der empfindet es als Genugtuung. Allerdings ist seine Amtszeit schnell wieder beendet.

Als die Briten fünf Monate später die Hoheit über Köln bekommen, verlangen sie von Adenauer, den von ihm geschaffenen Grüngürtel abzuholzen, damit die Kölner im Winter etwas zu heizen hätten. Konrad Adenauer weigert sich und wird wegen Ungehorsam wieder aus dem Amt gejagt.

Seine Frau Gussi erkrankt in dieser Zeit schwer. Beide führen ihren schlechten Zustand auf die Verhöre der Gestapo zurück. 1948 stirbt sie – Konrad Adenauer ist zum zweiten Mal Witwer.

Die Nachkriegsjahre

Ohne die zweite Entmachtung als Oberbürgermeister wäre Konrad Adenauer vielleicht nie Bundeskanzler geworden. So aber sucht er nach neuen Möglichkeiten, sich politisch zu betätigen. Geschickt bringt er sich bundesweit an die Spitze der neu gegründeten CDU. Dabei helfen ihm seine parlamentarische Erfahrung während der Weimarer Republik und seine natürliche Autorität.

23. Mai 1949: Das Grundgesetz wird offiziell verkündet.

Konrad Adenauer spricht im Parlamentarischen Rat

1948 wird er zum Vorsitzenden des Parlamentarischen Rates gewählt, in dem er maßgeblich an der Verfassung für einen zu schaffenden deutschen Weststaat mitarbeitet. Konrad Adenauer nutzt diesen Posten auch, um sich in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Bald wird er quasi als Vertreter der Deutschen bei den Alliierten gesehen. Diese akzeptieren ihn auch, weil er durch die Verfolgung durch die Nazis eine reine Weste hat.

Die Kanzlerjahre

Als Konrad Adenauer 1949 vom Bundestag zum ersten Kanzler der jungen Bundesrepublik gewählt wird, hat er genaue Vorstellungen von seinem neuen Deutschland. Es soll fest im westlichen Bündnis verankert sein. Es soll eine soziale Marktwirtschaft haben, in der trotz sozialer Absicherung der Einzelne die Verantwortung für sich und seine Familie trägt.

Konrad Adenauer (3.v.l.) mit dem Bundeskabinett, aufgenommen am Tag seiner Vereidigung zum ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Adenauer kurz vor seiner Vereidigung mit dem Bundeskabinett

Um den Alliierten die Souveränität abzutrotzen, befürwortet Adenauer nicht nur die Wiederbewaffnung und den Beitritt zur Nato, er paktiert auch insgeheim mit den Franzosen und Briten, für Europa eigene Atomwaffen zu beschaffen – ein Plan, der schließlich an Frankreichs Alleingang scheitert.

Die Wiederbewaffnung so kurz nach dem Krieg stößt in der Bevölkerung allerdings auf starken Widerstand. Ein Höhepunkt seiner Karriere ist 1955 Adenauers Reise nach Moskau. Dort unterschreibt er nicht nur den Vertrag über die gegenseitige diplomatische Anerkennung, sondern erreicht, dass Moskau der Heimkehr von 10.000 Kriegsgefangenen zustimmt. Auch Anfänge einer Versöhnung mit Israel und die Aussöhnung mit Frankreich gehören zu seinen großen Verdiensten.

Die dritte Entmachtung

14 Jahre lang amtiert Konrad Adenauer im Palais Schaumburg, nur Helmut Kohl war länger Kanzler. In den letzten Jahren seiner Kanzlerschaft verlässt Adenauer allerdings das politische Glück. Der Mauerbau 1961 lässt seine Politik der Westbindung als Weg zur Wiedervereinigung als gescheitert erscheinen. Bei der darauffolgenden Wahl 1961 verliert er denn auch die absolute Mehrheit.

Konrad Adenauer im Gespräch mit Ludwig Erhard 1953.

Adenauer im Gespräch mit Erhard

Dennoch gelingt es ihm, nochmals Kanzler zu werden, obwohl nicht nur der Koalitionspartner FDP gegen ihn ist, sondern auch Parteifreunde. Beharrlich weigert er sich, ein konkretes Datum für seinen Abtritt zu nennen.

Erst die Spiegel-Affäre 1962 bringt ihn dazu, sich auf den Herbst 1963 festzulegen. Seinen Nachfolger Ludwig Erhard verunglimpft er allerdings auch noch nach dessen Wahl zum zweiten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Tod in hohen Würden

Am 19. April 1967 stirbt Konrad Adenauer im Alter von 91 Jahren in seinem Wohnort Rhöndorf. An seiner Beerdigung nehmen zahlreiche Staatsoberhäupter und Außenminister teil. Nach einem Staatsakt und einem feierlichen Trauergottesdienst im Kölner Dom wird er auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf begraben.

Trauergottesdienst in Köln 1967.In der ersten Reihe unter anderem Adenauers Kinder und Enkel, Charles de Gaulle, Lyndon B. Johnson und Kurt Georg Kiesinger.

Trauergottesdienst im Kölner Dom

Autorin: Christiane Gorse

Stand: 03.08.2017, 13:00

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