Bäderstadt Aachen

Außenbecken der Carolus Thermen in Bad Aachen mit Gästen.

Thermalbäder

Bäderstadt Aachen

Aachen blickt zurück auf eine jahhundertealte Badekultur. Schon Karl der Große, Georg Friedrich Händel und Napoleon Bonaparte haben sich hier im heißen Thermalwasser entspannt.


Karl der Große entdeckte die heißen Quellen

Eine Legende erzählt, dass sich der Frankenkönig Karl der Große um das Jahr 789 auf der Jagd in der Aachener Umgebung befand, inmitten überwucherter antiker Überreste aus römischer Zeit.

Als Karl einem besonders schönen Hirsch nachstellte, versank das Pferd des Herrschers plötzlich im Morast. Karl stieg ab, um dem Tier zu helfen. Er bemerkte, dass das moorige Wasser heiß war, das Erdreich gluckerte und dampfte. Dabei stieg ein strenger Geruch auf, ähnlich wie der von faulen Eiern: Karl war auf die heißen schwefelhaltigen Aachener Quellen gestoßen.

Als er feststellte, welche Wohltat ein Bad darin für seine gichtigen Glieder war, entschied der Kaiser, an Ort und Stelle seine Hauptresidenz zu errichten.

Büste Karls des Großen

Auf der Jagd soll Karl der Große heiße Quellen entdeckt haben

Stadtgründung wegen heißer Quellen

Dass in dieser Legende ein beträchtliches Körnchen Wahrheit liegt, wird anhand der historischen Quellen deutlich. So findet sich in der lateinischen "Vita Karoli Magni", dem vom Hofbiografen Einhardt verfassten "Leben Karls des Großen", der Beleg, dass Karl die Pfalz Aachen aufgrund der heißen Thermalquellen errichtete:

"[...]Karl liebte die Dämpfe heißer Naturquellen und schwamm sehr viel und so gut, dass es niemand mit ihm aufnehmen konnte. Darum baute er einen Palast in Aachen und verbrachte seine letzten Lebensjahre ununterbrochen bis zu seinem Tode dort.

Er lud nicht nur seine Söhne, sondern auch Adelige und Freunde, manchmal sogar sein Gefolge und seine Leibwache zum Baden ein. Oft badeten mehr als hundert Leute mit ihm."

Aachen - Karlsbrunnen in der Altstadt

Karlsbrunnen in der Aachener Altstadt

Schon Römer badeten in Aachen

Doch Karl der Große war nicht der Erste, der die Nähe der heilenden Quellen suchte. "Sanus per aquam" – gesund durch Wasser – war ein Leitspruch der Römer, die lange vor den Karolingern in Aachen siedelten und dort komplexe Thermalanlagen errichteten.

Aquae Granni nannten die Römer die Siedlung in Anlehnung an den keltischen Wassergott Granus, den die dort lebenden Kelten angebetet hatten.

Zerstörung und Wiederaufbau

Seinen neuzeitlichen Aufstieg als Kur- und Badeort ersten Ranges verdankte Aachen allerdings einer Katastrophe, die fast den gesamten mittelalterlichen Stadtkern zerstörte.

1656 brach in einer Bäckerei ein Feuer aus, das innerhalb von 20 Stunden fast 90 Prozent der Häuser zerstörte. Trotz der enormen Zerstörungskraft des Feuers fielen insgesamt nur 17 Menschen dem Stadtbrand zum Opfer.

In den folgenden Jahren nach dem Brand wurde die Stadt unter der Federführung des belgischen Badearztes François Blondel zu einem der führenden Bäder Europas ausgebaut. Blondel machte eine Trinkkur aus den Aachener Heilquellen bekannt, zusätzlich wurden die Kuranlagen um Casinos und Ballsäle erweitert.

Die europäische Prominenz, darunter Zar Peter der Große, König Friedrich der Große oder Georg Friedrich Händel, stieg in Aachen oft wochenlang ab.

Unter Napoléon Bonaparte wurden die Kur- und Badeanlagen weiter ausgebaut. Napoléon ließ die alten Stadtmauern abreißen und breite Promenaden anlegen. Seine Gattin, Kaiserin Joséphine, kurte zwei Monate lang in den neu gebauten Anlagen. Sogar seinen Sohn ließ der französische Herrscher 1811 in der Kurstadt taufen.

Elisenbrunnen in Aachen.

Die Kuranlagen wurden immer wieder erweitert

Ein Kurort ohne "Bad"

Bis heute ist Bad Aachen ein bekannter und gut besuchter Kurort. Mit ihrem hohen Anteil an Mineral- und Spurenelementen sowie Temperaturen bis zu 74 Grad Celsius gehören die Quellen zu den bekanntesten und heißesten Thermalwässern Mitteleuropas. Noch immer suchen Menschen hier Erholung und Linderung und kuren sich gesund.

Die offizielle Bezeichnung der heißen Aachener Quellen mit dem strengen Geruch lautet "schwefelhaltige fluoridhaltige Natriumchlorid-Hydrogenkarbonat-Therme".

Und eigentlich dürfte sich die Stadt als staatlich anerkannter Kurort Bad Aachen nennen. Dass sie dies nicht tut, hat einen ganz einfachen Grund: Durch den Zusatz Bad würde Aachen nicht mehr an alphabetisch erster Stelle aller deutschen Städte gelistet.

Autoren: Gregor Delvaux de Fenffe/Tobias Aufmkolk

Weiterführende Infos

Stand: 14.08.2018, 13:39

Darstellung: