Medaillon mit dem Porträt von Joséphine de Beauharnais

Napoleon

Napoleon und Joséphine

"Ich gewinne Schlachten, Joséphine gewinnt Herzen", soll der berühmte französische Feldherr Napoleon über seine erste Ehefrau Joséphine de Beauharnais gesagt haben. Joséphine wurde Kaiserin von Frankreich – und verdrehte mit ihrem Charme der Männerwelt den Kopf.

Von Carsten Günther

Von der Karibik in die Pariser Salons

Im Sommer 1795 lernte der 26-jährige General Napoleon Bonaparte in Paris eine sechs Jahre ältere Frau kennen und verliebte sich unsterblich in diese Joséphine, der von vielen Zeitzeugen eine  verführerische, exotische Ausstrahlung und ein unwiderstehlicher Charme zugeschrieben wurde. Schon ein Jahr später wurde sie Napoleons Frau.

Joséphine wurde 1763 als Marie Josèphe Rose de Tascher de la Pagerie auf der Insel Martinique geboren, einer damaligen französischen Kolonie in der Karibik. Ihre Eltern besaßen dort eine Zuckerrohrplantage.

Josephine, französische Kaiserin (Geburtstag 23.06.1763)

WDR ZeitZeichen 23.06.2013 14:39 Min. Verfügbar bis 21.06.2053 WDR 5


Download

Mit sechzehn Jahren wurde Rose, wie sie damals genannt wurde, mit dem französischen Armee-Offizier Alexandre de Beauharnais verheiratet. Er war ebenso wie sie auf Martinique geboren, lebte aber schon seit einigen Jahren in Frankreich.

Die Eltern der beiden hatten die Ehe arrangiert, so wie es damals üblich war. Rose zog nach Paris – in die Stadt, von der sie immer schon geträumt hatte. Ihr Vater hatte als junger Mann fünf Jahre lang im Schloss Versailles bei Paris als Page gearbeitet und ihr viel davon erzählt.

Mit Alexandre bekam sie einen Sohn und eine Tochter. Doch die Ehe verlief unglücklich. Alexandre warf Rose sogar vor, ihre Tochter sei von einem anderen Mann. Diese Anschuldigung nahm er später aber wieder zurück. 1785 ließ sich das Paar in beiderseitigem Einverständnis scheiden.

In einem Pariser Salon sitzen Frauen und Männer eng beieinander und unerhalten sich.

Ein Pariser Salon um 1800

Durch ein Netz von Freundschaften und Beziehungen gelang es Rose, ihre Kontakte zu den Pariser "Salons" zu vertiefen. So nannte man die geselligen Abende, die meist von wohlhabenden Frauen organisiert wurden und bei denen politische Ideen diskutiert oder literarische Lesungen und Musikabende veranstaltet wurden. Bald ging sie dort ein und aus und amüsierte sich nächtelang. Ein Partygirl, würde man heute sagen.

Nach der Französischen Revolution von 1789 wurde Roses früherer Ehemann Alexandre hingerichtet. Auch sie selbst landete während der "Terrorherrschaft" im Gefängnis. So nannte man die Zeit von 1793 bis 1794, als viele angebliche Gegner der Revolution umgebracht wurden.

Doch Roses gute Beziehungen zu einflussreichen Persönlichkeiten der Stadt, die sich für ihre Entlassung aus dem Gefängnis einsetzten, retteten ihr das Leben.

Die Ehe mit Napoleon

Für Napoleon war seine Bekanntschaft mit Rose ein Glücksfall, denn er war zu dieser Zeit in Paris noch ziemlich unbekannt. Da er ihren Namen Rose nicht mochte, nannte er sie Joséphine, nach ihrem zweiten Vornamen Josèphe, und unter diesem Namen ging sie in die Geschichte ein.

Sie öffnete ihm die Türen zu ranghohen französischen Politikern, was dem jungen General bei seinem Aufstieg sehr gelegen kam. Denn Joséphine hatte alles, was er nicht hatte: Charme, eine magische Ausstrahlung und gute Verbindungen zu allen politischen Lagern in Frankreich.

Viele Historiker sind der Meinung, ohne Joséphines Netzwerk hätte Napoleon nur schwer die nötige Akzeptanz in der französischen Politik und Gesellschaft erlangt.

In unzähligen Briefen schickte er seiner Angebeteten heiße Liebesschwüre: "Ich erwache ganz voll von dir. Dein Bild und der berauschende gestrige Abend lassen meine Sinne nicht zur Ruhe kommen. Süße, unvergleichliche Joséphine, welchen wunderbaren Eindruck machen Sie auf mein Herz!"

1796 heirateten Joséphine und Napoleon. Beide schwindelten bei der Angabe ihrer Geburtstage, um ihren Altersunterschied kleiner zu machen. Sie behauptete, vier Jahre jünger zu sein, er machte sich um eineinhalb Jahre älter. So waren sie offiziell fast gleich alt und die Ehe wurde damit gesellschaftlich akzeptiert.

Viele Jahre später soll Napoleon einem Freund anvertraut haben: "Ich liebte sie wirklich, obwohl ich keine Achtung vor ihr hatte. Sie war lügnerisch und verschwenderisch, sie hatte aber ein gewisses Etwas, das unwiderstehlich war."

Kaiserin von Frankreich

In den folgenden Jahren war Napoleon oft lange Zeit auf seinen Feldzügen unterwegs, die ihn durch weite Teile Europas und bis nach Ägypten führten. Er war extrem eifersüchtig und überschüttete Joséphine mit Briefen, oft mit mehreren pro Tag.

Am 11. Juli 1796 schrieb er aus Verona: "Ich gebe Dir tausend Küsse. Ich befinde mich sehr wohl. Wir haben nur zehn Tote und hundert Verwundete gehabt." Am 19. Juli 1796 aus Mamirolo: "Seit zwei Tagen bin ich ohne Briefe von Dir. Schon dreißig Mal habe ich diese Bemerkung heute mir selbst gemacht, und du siehst wohl ein, wie traurig das ist."

Sammelbildchen: Napoleon auf dem Pferd vor den ägyptischen Pyramiden

Napoleons Feldzüge sorgten für seine lange Abwesenheit

Joséphine verbrachte währenddessen die meiste Zeit mit ihrer aufwändigen Garderobe und dem Empfang von Gästen. Ihr Lebensstil war ausschweifend, sie hatte Liebeleien mit anderen Männern und steckte bis zum Hals in Schulden, die Napoleon immer wieder notgedrungen übernahm.

Nachdem Napoleon 1799 mit einem Putsch zum Alleinherrscher Frankreichs geworden war, krönte er 1804 sich selbst und Joséphine zu Kaiser und Kaiserin.

Doch bald stellte sich heraus, dass Joséphine keine Kinder mehr bekommen konnte. Napoleon, der sich einen Thronfolger wünschte, hatte ständig Affären und bekam mit einer polnischen Gräfin einen unehelichen Sohn. 1809 gaben Napoleon und Joséphine schließlich ihre Scheidung bekannt. Vor den versammelten Offizieren und Fürsten verlas sie eine vorbereitete Erklärung, mit der sie in die Scheidung einwilligte, musste aber nach wenigen Sätzen unter Tränen abbrechen.

Nur wenige Monate später heiratete Napoleon Marie-Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. Mit ihr bekam er 1811 einen Sohn, der noch im Kindesalter als Napoleon II. für sehr kurze Zeit Kaiser von Frankreich wurde.

Joséphine kniet bei der Krönungszeremonie vor Napoleon, der die Krone in seinen Händen hält.

1804 krönte Napoleon sich selbst zum Kaiser und Joséphine zur Kaiserin

Joséphines letzte Lebensjahre

Nach der Scheidung von Napoleon zog sich Joséphine in ihr Schloss Malmaison in der Nähe von Paris zurück, das Napoleon ihr überlassen hatte. Dort widmete sie sich mit großer Leidenschaft ihrem Garten, insbesondere der Rosenzucht. Sie legte die größte Rosensammlung der damals bekannten Welt an, tauschte sich mit den bekanntesten Rosenzüchtern Europas aus und ließ sich aus den entferntesten Ländern Pflanzen und Samen bringen.

Einige Rosenarten sind heute noch nach ihr benannt, zum Beispiel die "Empress Josephine" oder "Souvenir de Josephine". Auch zahlreiche exotische Früchte ließ sie anbauen.

Am 29. Mai 1814 starb Joséphine im Alter von 50 Jahren an den Folgen einer Kehlkopfentzündung.

Von 1859 bis 2020 stand in Fort-de-France, dem Hauptort Martiniques, eine Statue zu Ehren Joséphines. Doch bei vielen Einheimischen ist die berühmte Tochter der Insel wegen ihrer Haltung zur Sklaverei nicht besonders beliebt.

Denn 1802 hatte Napoleon in Frankreich und den französischen Kolonien die Sklaverei wieder eingeführt. Ob Joséphine ihn bei dieser Entscheidung beeinflusste, ist unklar. Fest steht aber, dass auf der Zuckerrohrplantage ihrer Eltern auf Martinique mehr als einhundert Sklaven arbeiteten.

1991 wurde der Joséphine-Statue auf Martinique der Kopf abgeschlagen und der Hals mit roter Farbe übergossen. Im Juli 2020 zerstörten Anti-Rassismus-Aktivisten den Rest des Denkmals.

Statue von Joséphine de Beauharnais, mit abgeschlagenem Kopf, beschmiert mit roter Farbe

Auf der Insel Martinique ist Joséphine nicht sehr beliebt

(Erstveröffentlichung 2023. Letzte Aktualisierung 02.11.2023)

UNSERE QUELLEN

Quelle: WDR

Darstellung: