Ein Politiker als Erfinder – Konrad Adenauer

Erfinder

Ein Politiker als Erfinder – Konrad Adenauer

Tüftler, Gärtner, Politiker: Konrad Adenauer war der erste Kanzler der Bundesrepublik. Er erfand verschiedene Dinge, vor allem um den Menschen im Krieg zu helfen. Das Schrotbrot und die Sojawurst etwa sollten den Hunger der Bevölkerung stillen.

Darum geht's:

  • Adenauer erfand 1918 die Friedenswurst – eine Wurst aus Soja.
  • Sein "Rheinisches Schrotbrot" kommt ganz ohne Weizen aus.
  • Im Zweiten Weltkrieg erfand er allerlei Skurriles.
  • Nichts davon setzte sich durch.

Ein großer Tüftler – mit wenig Erfolg

 Nachahmung einer dunkelroten, ringförmigen Wurst

Diese "Friedenswurst" ist nur eine Attrappe

Zu seinem Leidwesen hatte er im Tüfteln weniger Erfolg als in der Politik. Eines seiner Patente wurde Adenauer tatsächlich vom britischen König Georg V. am 26. Juni 1918 verliehen: für die Wurst mit Friedensgeschmack. Das ist eine Sojawurst, die kein Fleisch enthält. In Anbetracht der vielen Vegetarier wäre Adenauers Wurst heute vermutlich ein Kassenschlager. Doch damals lehnte das Kaiserliche Patentamt die fleischfreie Wurst ab.

Anders im Vereinigten Königreich und in Österreich: Für sein "Verfahren zur Geschmacksverbesserung von eiweißreicher und fetthaltiger Pflanzenmehle und zur Herstellung von Wurst" erhielt Adenauer zwei Patente: 1918 ein britisches und 1920 eins aus Österreich. In Deutschland darf die Friedenswurst immer noch nicht produziert werden. Die Rezeptur lässt sich mit dem bundesdeutschen Lebensmittelgesetz nicht vereinbaren.

Brot gegen Hungersnot im Krieg

Auf einem gedeckten Tisch liegt ein aufgeschnittenes Brot

Das patentierte "Rheinische Schrotbrot"

Mehr Erfolg hatte Konrad Adenauer mit seinem "Rheinischen Schrotbrot". Er hatte es kurz vor der Sojawurst entwickelt, ebenfalls um die Hungersnot während der Kriegsjahre zu mildern. Zum größten Teil besteht dieses Brot aus rumänischem Maismehl, hinzu kommen Gerste, Reismehl und Kleie – eine günstige und nahrhafte Alternative zu Weizen.

Trotzdem dauerte es wieder eine Weile, bis der Kölner Politiker das Patent vom Kaiserlichen Patentamt erhielt. Erst am 2. Mai 1915 war es so weit. Darauf folgte ein Patent aus Ungarn und 1917 patentierten auch die Niederlande die Rezeptur. Doch kurz vor der ersten gewerblichen Produktion des Rheinischen Schrotbrots zog Rumänien in den Krieg gegen Deutschland.

Die günstigen Maisquellen versiegten und das Brot geriet in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren tauchte das Rezept wieder auf, als in Adenauers Wohnort Rhöndorf ein Film über den ehemaligen Kanzler gedreht wurde. Da begann eine Bäckerei im Ort, das Schrotbrot nach Konrad Adenauers Rezept zu backen.

Die Phasen des Tüftlers Adenauer

Das kreative Schaffen Adenauers lässt sich grob in drei Phasen einteilen. Die erste Erfinderphase ging etwa von 1902 bis 1909. Konrad Adenauer stammte aus bescheidenen Verhältnissen und der Jungakademiker hatte kaum Geld. Er hoffte, mit seinen Erfindungen viel zu verdienen. Doch der Erfolg blieb aus.

In der zweiten Phase beschäftigte er sich mit Nahrung: Zur Zeit des Ersten Weltkrieges war Adenauer Erster Beigeordneter der Stadt Köln, ab 1916 Oberbürgermeister der Stadt. Die Bevölkerung litt Hunger und es mangelte an Lebensmitteln. Adenauer war zuständig für die Versorgung. Viele seiner Erfindungen aus dieser Zeit haben daher etwas mit Nahrung zu tun, etwa die Sojawurst und das Schrotbrot.

1933 setzte die letzte Phase ein. Die Nationalsozialisten setzten Adenauer als Oberbürgermeister von Köln ab und schickten ihn bis 1945 quasi in die Zwangspensionierung. Adenauer lebte abgeschieden in Rhöndorf. Dort erfand er allerlei Skurriles, von dem vieles mit seinem Alltag zu tun hatte. Zum Beispiel einen von innen beleuchteten Toaster, ein leuchtendes Stopfei, eine Gartenharke mit einer Vorrichtung, um Steine zu zerkleinern.

Der 'elektrische Insektentöter' von Konrad Adenauer sieht aus wie eine Bürste mit Metall-Spiralen-Borsten

Kein Erfolg: der "elektrische Insektentöter"

Für den Straßenverkehr entwickelte er eine "Vorrichtung zur Verhinderung des Überfahrenwerdens durch Straßenbahnwagen" und eine "Blendschutzbrille für Fußgänger". Als begeisterter Gärtner ärgerte er sich über Schädlinge, wollte aber keine Pestizide einsetzen. Er baute einen "elektrischen Insektentöter". Dieser sieht aus wie ein großer, breiter Pinsel.

Der Gärtner taucht die Borsten in eine Lauge, setzt den Pinsel unter Strom und streicht damit über die Baumrinde. Die Schädlinge unter der Rinde sterben infolge des Stromschlags. Das Gerät ist allerdings nie in Serie gegangen. Die Stromstöße schadeten nicht nur den Insekten, sondern auch den Bäumen und gefährdeten zudem den Anwender.

Autorinnen: Ulrike Vosberg/Franziska Badenschier

Stand: 03.08.2017, 14:00

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