Das Attentat auf Konrad Adenauer

Vereidigung Adenauers durch den Bundestagspraesidenten Erich Koehler am 15. September 1949.

Konrad Adenauer

Das Attentat auf Konrad Adenauer

27. März 1952, 18.20 Uhr: München wird von einer Bombenexplosion erschüttert. Die Bombe befindet sich in einem Päckchen, adressiert an Bundeskanzler Konrad Adenauer. Was ist geschehen?

Darum geht's:

  • Die Bombe stammt aus Israel.
  • Alle Verdächtigen kommen ohne Anklage davon.
  • Gut für Adenauer – der will den Vorfall geheim halten.
  • Die Aussöhnungspolitik mit Israel bleibt unberührt.
  • Alle Hintergründe des Attentats werden erst 2003 publik.

Eine Bombe aus Israel

Zwei Jungen werden in München von einem Fremden angesprochen und gebeten, ein Päckchen zur Post zu bringen. Aber die beiden Kinder bekommen Angst, als sie merken, dass sie verfolgt werden. Sie beschließen, das Päckchen doch lieber zur Polizei zu bringen. Eine kluge Entscheidung, denn beim Öffnen des Päckchens detoniert die Bombe. Nicht Konrad Adenauer kommt ums Leben, sondern der Sprengmeister der Polizei.

Zwei Wochen lang hält der Vorfall die Öffentlichkeit in Atem. Wer wollte Konrad Adenauer töten? Im Laufe der Ermittlungen wird klar, wie brisant der Hintergrund des gescheiterten Attentats ist. Denn die Spuren führen nach Israel, zu Splittergruppen der Partisanengruppe Irgun. Dieser Gruppe ist die Israelpolitik Adenauers ein Dorn im Auge. Die Entschädigungszahlungen, die die Bundesrepublik Israel anbietet, verstehen sie als Freikauf von nie zu tilgender Schuld.

Als sich die Spuren weiter verdichten, unterbindet Konrad Adenauer, dass weitere Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Wenig später werden die Ermittlungen eingestellt. Sonst hätte Deutschland womöglich einen Auslieferungsantrag an Israel stellen und Israelis den Prozess machen müssen. So kurz nach dem Krieg ist das undenkbar.

Die politische Sprengkraft wird entschärft

Konrad Adenauer will sich von den Attentätern seine Aussöhnungspolitik nicht kaputtmachen lassen. Ein paar Zufälle helfen ihm, dass die Attentäter entkommen. Bereits im April 1952 nimmt die Pariser Polizei fünf dringend verdächtige Israelis fest. Vier von ihnen werden abgeschoben, ehe die Deutschen Wind davon bekommen. Den noch immer verhassten Deutschen wollen die Franzosen keine Amtshilfe leisten. Unfreiwillig tun sie Adenauer damit einen großen Gefallen.

Auch eine Münchener Spur verläuft im Sand: Ein Israeli kann mit hoher Wahrscheinlichkeit als Überbringer der Bombe identifiziert werden. Doch der Mann taucht in der Stadt unter und setzt sich schließlich nach Israel ab. Das Beste, was Adenauer passieren kann.

Israels Premierminister David Ben-Gurion soll Konrad Adenauer zeitlebens dankbar dafür gewesen sein, den Vorfall geheim gehalten und so möglicherweise neue antisemitische Gefühlsausbrüche in Deutschland verhindert zu haben. In stillschweigendem Einvernehmen gelingt es den beiden Staatsmännern, der Münchener Bombe die politische Sprengkraft zu nehmen.

Erst viel später veröffentlicht Elieser Sudit in Israel ein hierzulande wenig beachtetes Buch über die Urheberschaft des Anschlags. Demnach war der Auftraggeber für insgesamt drei geplante Attentate auf Adenauer Menachem Begin, der ehemalige Terrorist und Kommandant der Irgun, der später sogar Ministerpräsident von Israel wird.

In Deutschland werden die Hintergründe erst 2003 publik, als der deutsche Journalist Henning Sietz über eine kleine Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1952 stolpert und der Sache auf den Grund geht. Seine detaillierten Recherchen hat er in einem Buch veröffentlicht.

Autorin: Christiane Gorse

Stand: 03.08.2017, 13:00

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