Schwarzen-Regimenter – Ex-Sklaven kämpfen für die Union

Zwei schwarze Soldaten vor einem Armeezelt.

Amerikanischer Bürgerkrieg

Schwarzen-Regimenter – Ex-Sklaven kämpfen für die Union

Von Alfried Schmitz

Fast 200.000 Schwarze kämpften im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten für die Rettung der Union. Für die Schwarzen war das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung.

Freiheit für die Sklaven

Zunächst hatte Präsident Abraham Lincoln nur die Rettung der Union im Auge, als er gegen den Süden militärisch vorrückte. Doch im Laufe seiner Amtszeit wurde ihm die Befreiung der Sklaven zunehmend wichtiger.

Dahinter steckten nicht nur menschliche Beweggründe, sondern auch politisches Kalkül, mit dem er den Süden unter Druck setzen wollte.

Am 1. Januar 1863 verkündete Lincoln in der "Emancipation Proclamation" die Freiheit aller Sklaven in den Ländern, die sich 1861 zur Konföderation der Südstaaten zusammengeschlossen und von der Union losgesagt hatten.

Da die abtrünnigen Staaten weder von der Union noch von irgendeinem anderen Staat völkerrechtlich anerkannt waren, waren Bundesgesetze für sie verfassungsrechtlich bindend.

Die Sklavenhalter selbst dachten nicht daran, sich an dieses neue Gesetz zu halten. Aber viele Sklaven sahen darin ihre Chance und flohen Richtung Norden. Durch die vorrückenden Unionstruppen wurde die Massenflucht von 500.000 Schwarzen begünstigt.

Lincolns cleverer Schachzug

Lincoln war klug genug, das neue Sklaven-Befreiungsgesetz mit einer Einschränkung zu versehen. Es sollte noch nicht in den Gebieten durchgesetzt werden, die gerade von Unionstruppen besetzt worden waren und auch nicht in den Staaten, in denen Sklaverei bislang erlaubt war, die sich aber loyal zur Union verhielten.

Mit diesem geschickten Schachzug gelang es Lincoln, die Bewohner der eroberten Gebiete auf seine Seite zu ziehen und die unionstreuen Sklavenstaaten nicht zu brüskieren. Er sah darin eine legitime Kriegstaktik, denn nach seiner "Emancipation Proclamation" war es nur noch eine Frage der Zeit, dass sich die Freiheit der Sklaven überall durchsetzte.

Lincoln ermahnte die Schwarzen, gewaltfrei überzulaufen. Seine Truppen wies er an, die Rechte der befreiten Sklaven zu achten und notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen. Darüber hinaus ermunterte er die männlichen Schwarzen dazu, im Bürgerkrieg für die Sache der Union zu kämpfen und in den Dienst der Nordstaaten-Armee zu treten.

Menschen zweiter Klasse

Schon ein halbes Jahr vor der "Emancipation Proclamation" hatten einige ranghohe Militärs des Nordens damit begonnen, Regimenter aus freien Schwarzen und ehemaligen Sklaven aufzustellen. Sie sahen in den neuen Rekruten eine willkommene Verstärkung ihrer Truppen.

Doch die Bundesregierung setzte dieser eigenmächtigen Entscheidung ein Ende und ließ die schwarzen Regimenter wieder auflösen. Zu diesem Zeitpunkt sah man in Washington noch keine militärische Notwendigkeit für diesen Schritt.

Ein etwa 15-jähriger schwarzer Junge in Unionsuniform mit Trommel.

Trommler eines schwarzen Unionsregiments

Außerdem wollte Lincoln die loyalen Sklavenstaaten nicht verärgern und schon gar nicht an den Süden verlieren. Hinzu kam, dass die weiße Bevölkerung des Nordens wenig begeistert von der Bewaffnung der Schwarzen war. Man sah sie immer noch als Menschen zweiter Klasse an und hatte Angst vor dem Gewaltpotenzial, das von ihnen ausgehen konnte.

Kämpfen für die Union

Als die Verluste an den Kriegsfronten immer höher wurden, gleichzeitig die Zahl der Deserteure stieg und die der Freiwilligen abnahm, schwanden die Bedenken gegen die Rekrutierung von schwarzen Soldaten.

Sie waren zwar völlig unerfahren im Umgang mit Waffen und auch der militärische Drill musste ihnen beigebracht werden, aber die ehemaligen Sklaven kämpften für ihre gewonnene Freiheit, die sie um keinen Preis mehr hergeben wollten. Ihre Kampfmoral übertraf daher oft die vieler weißer Unionsoldaten.

Flagge eines Schwarzen-Regimentes.

Besser als freier Mann sterben, als unfrei zu leben

Hinzu kam, dass die Schwarzen im Dienst an der Waffe für die Union eine Form der Gleichberechtigung sahen.

Der Zulauf zur Armee war daher enorm. Schon im Sommer 1863 konnte man 30 schwarze Regimenter aufstellen. Bis zum Ende des Krieges waren es 179.000 schwarze Soldaten, die für den Norden unter Waffen standen – rund zehn Prozent der Unionsstreitkräfte.

Tapferkeitsmedaillen für die Kampfmoral

Die Aufstiegschancen der schwarzen Soldaten in höhere Ränge war allerdings deutlich geringer als die ihrer weißen Kameraden. Diskriminierung war an der Tagesordnung.

Es gab keine gemischten Regimenter, was aus militärischer Sicht sinnvoll gewesen wäre, weil es so zu einem Erfahrungsaustausch unter lang gedienten weißen und den neuen schwarzen Soldaten gekommen wäre.

Schwarze dienten in ausschließlich schwarzen Regimentern. Nur ihre Offiziere waren Weiße, die es oft als Strafexpedition ansahen, schwarze Rekruten ausbilden und in den Kampf führen zu müssen.

Auch in der Besoldung wurden Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß gemacht: Weiße erhielten einen Monatssold von 13 Dollar, Schwarze nur zehn Dollar, von denen ihnen auch noch drei für die Bereitstellung von Uniform und Ausrüstung abgezogen wurden.

Der Weg auf die Militärakademien blieb ihnen ebenfalls verwehrt. Nicht verwehrt blieb ihnen immerhin die Auszeichnung mit Tapferkeitsmedaillen. 68.000 – und damit ein Drittel der schwarzen Soldaten – fielen im Krieg gegen die Sklavenstaaten.

Stand: 09.04.2020, 16:10

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