Ein neuer Beruf entsteht: der Gartenarchitekt

Ein historischer Stich zeigt die barocke Gartenanlage von Schloss Herrenhausen.

Barock

Ein neuer Beruf entsteht: der Gartenarchitekt

Zu einem richtigen Barockschloss gehört auch immer ein großer Garten. Gemeint ist nicht etwa ein Nutzgarten mit Zwiebeln, Petersilie, Möhren und Kohl – den gab es natürlich auch, aber eher versteckt. Wir reden bei einem Barockgarten von einer kilometerlangen Anlage in den Ausmaßen mehrerer Golfplätze. Der Park von Versailles umfasst eine Fläche von über 700 Hektar.

Darum geht's:

  • Im Barock nahmen Schlossgärten riesige Ausmaße an.
  • André Le Notre ist der Pionier der barocken Gartenkunst.
  • Barocke Gartenanlagen sind mit Lineal und Zirkel konstruiert.
  • Für exotische Pflanzen wurden Orangerien gebaut.
  • Der Garten sollte als Freiluft-Wohnzimmer dienen.

André Le Notre – Pionier der barocken Gartenkunst

Die barocken Gärten wurden allesamt am Reißbrett  entworfen und von Gartenarchitekten geplant. Ein Pionier war André Le Notre, dessen Ideen so großartig waren, dass er Karriere machte und persönlicher Gärtner des Königs wurde.

Sein Meisterwerk sind die Gärten von Versailles. Seine Schüler gestalteten unter anderem die Anlagen in Nymphenburg oder Schleißheim bei München.

Man verstand den Garten als erweitertes Wohnzimmer; als einen Ort, an dem das Leben genauso gestaltet wurde wie im Schloss selbst. Lediglich unter freiem Himmel. Da war das Gedränge nicht so groß, die Luft nicht so stickig, und es gab auch keine Säle, die durch die vielen brennenden Kerzen extrem aufgeheizt wurden.

Zudem war die Zuschauerzahl im hauseigenen Theater – dem Stolz eines jeden Fürsten – begrenzt. Nicht nur Hunderte, sondern Tausende Gäste konnten so in den Gärten Freiluft-Theater-Vorführungen vor eigens gebauten Kulissen genießen.

In den Gärten gab es Konzerte, kleinere Schiffsschlachten auf den extra angelegten Seen und natürlich riesige Büffets mit ungeahnten Köstlichkeiten. Und als I-Tüpfelchen der Feierlichkeiten zum Schluss: ein riesiges Feuerwerk. Das war Event-Kultur der ganz besonderen Art.

Bäume, Blüten, Bäche – alles in Reih' und Glied

In einem barocken Garten durfte nichts so wachsen, wie es wollte, kein Baum, kein Strauch, keine Blume. Der Mensch des Barock entdeckte manche Gesetzmäßigkeiten in der Natur und wollte sein Wissen über diese Naturgesetze auch öffentlich demonstrieren. War die Natur beherrschbar geworden? Es wirkt so.

Die mit Lineal und Zirkel konstruierten barocken Gartenanlagen unterlagen oft ähnlichen Kriterien und haben stets gleiche Elemente: sprudelnde Brunnen und Fontänen, symmetrisch angelegte Beete, schattenspendende Alleen, optische Tiefenwirkung durch in der Ferne zusammenlaufende Kieswege und Kanäle, steinerne Skulpturen und manchmal auch ein Hecken-Labyrinth.

Barockes Gartentheater am Herrenhaus Hannover mit vergoldeten Figuren entlang der Bühne.

Alles in Reih' und Glied

Fußbodenheizung für exotische Früchte

Die Kultivierung und Züchtung neuer Früchte wie Ananas, Spargel, Orangen und Zitronen erforderte den Bau spezieller Gewächshäuser – die sogenannten Orangerien. Große Glasflächen und beheizbare Fußböden sorgten für Licht und Wärme auch in den Wintermonaten.

Ein großes Problem war die kontinuierliche und gleichmäßige Wasserversorgung für den Park. Nicht nur Rasen und Pflanzen wollten versorgt sein, sondern auch die zahlreichen Wasserspiele.

Das gelang nicht immer – auch wenn wie in Marly bei Versailles eigens Wassermühlen konstruiert und gebaut wurden. Viel kostbares Nass versickerte auf dem Weg durch das kilometerlange Röhrensystem ungenutzt im Erdreich.

Außenansicht der Orangerie im Esterhazyschen Schlosspark in Österreich.

Ornagerien wurden für exotische Pflanzen gebaut

Der Garten als Freiluft-Wohnzimmer

Die großen Brunnen sollten wirken wie auf den Kopf gestülpte Kronleuchter – mit Wassertropfen, in denen sich das Licht der Sonne brach wie in den glitzernden Kristalllüstern des Schlosses.

Die gestalterische Symmetrie in Blumenbeeten, im Wegenetz und den aufgestellten Skulpturen war eine weitere Anlehnung an die Inneneinrichtung des Schlosses selbst: den Spiegel. Endlich konnte man jetzt große Flächen herstellen, mit Quecksilberdampf auf Zinnfolie und Glasplatte.

Die Spiegelmacher überlebten die giftige Herstellung der neuen Wandbekleidung zwar nicht lange. Aber der Spiegel vermehrte nicht nur das Licht der Kerzen und erhellte den Raum – Ludwig XIV. schuf einen eigenen "Spiegelsaal" und machte ihn wie auch die Gärten zum Markenzeichen von Versailles – symbolisierten sie doch die totale Unterordnung der Natur und sinnliche Schönheit in höchster Vollendung.

Ein großer Spiegelsaal im Schloss Versailles mit Kronleuchtern und Deckenbemalung.

Der Spiegelsaal im Schloss Versailles

Autorin: Gaby Böhne

Stand: 24.05.2017, 11:49

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