Dinosaurier in Deutschland

Luftaufnahme der Inseln vor Great Exuma Island (Bahamas).

Dinosaurier

Dinosaurier in Deutschland

Vor 150 Millionen Jahren sah es in Deutschland noch völlig anders aus als heute. Es gab vermutlich ein tropisches, feucht-warmes Klima. Die Landschaft ähnelte möglicherweise den heutigen Bahamas.

Frühe Funde

1834 stieß Johann Friedrich Engelhardt als Erster auf Überreste eines Dinosauriers in Deutschland. Die drei Jahre später durch Hermann von Meyer auf den Namen Plateosaurus engelhardti getaufte Art war erst der fünfte beschriebene Dinosaurier weltweit.

Plateosaurus wurde nicht nur früh entdeckt, er lebte vor über 200 Millionen Jahren am Ende der Trias und war damit auch einer der älteren Dinosaurier. Plateosaurus hatte einen giraffenartigen Hals und wurde bis zu zehn Metern lang.

Damit zählt er zu den Prosauropoden, aus denen später mit den Sauropoden die größten Dinosaurier überhaupt hervorgingen: langhalsige Pflanzenfresser, die teilweise 30 bis 40 Meter lang wurden.

Erstmals komplett

Das 1859 gefundene Fossil des Compsognathus war das erste vollständige Dinosaurier-Skelett der Welt. Es stammt wie die Überreste des berühmten Archaeopteryx aus dem Solnhofer Plattenkalk.

Trotz seiner geringen Körperlänge von 80 Zentimetern war Compsognathus vermutlich extrem schnell unterwegs. Britische Forscher haben an einem Computermodell eine Spitzengeschwindigkeit von 64 Kilometern pro Stunde ermittelt – wesentlich schneller als die flinken Velociraptoren und auch als die erheblich größeren heutigen Strauße.

Lange Zeit galt der kleine, vogelartige Compsognathus als kleinster Dinosaurier und nächster Verwandter des Urvogels Archaeopteryx. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden in China allerdings noch kleinere, eher vogelähnlichere Arten entdeckt.

Sichelklauen in Europa

Auch andere, wesentlich gefährlichere Raubsaurier trieben in Deutschland ihr Unwesen. Fossile Fußspuren im niedersächsischen Obernkirchen sind der erste Hinweis auf die Existenz von Sichelklauen-Dinosauriern in Europa. Umgangssprachlich wird diese Gruppe häufig auch als "Raptoren" bezeichnet.

Charakteristisch für diese Räuber ist eine hochgeklappte Klaue an den Hinterbeinen als Jagdwaffe. Die niedersächsischen Spuren stammen vermutlich von dem etwa hüfthohen Troodon. Diese Art ernährte sich vermutlich zusätzlich von Pflanzen und war kein ganz so schrecklicher Jäger wie seine berüchtigten Verwandten: der Velociraptor und der Deinonychus ("Schreckenskralle").

Aufnahme einer Nachbildung eines Velociraptors

Der Velociraptor war ein schrecklicher Jäger und verwandt mit dem Troodon

Riesige Räuber

Tyrannosaurus Rex, der populärste und vielleicht auch gefährlichste Dinosaurier der Kreidezeit, hat weder in Deutschland noch in Europa Spuren hinterlassen. Wohl aber sein Vorgänger, der Allosaurus. Er lebte vor rund 150 Millionen Jahren und gilt als T-Rex des Jura: Er wurde bis zu elf Meter lang und zwei Tonnen schwer.

Die Allosaurier ernährten sich vermutlich von gigantischen Sauropoden, die sie vielleicht sogar im Rudel jagten. Daneben gibt es auch Spuren von weiteren riesigen Fleischfressern in Deutschland.

Liliensternus war ein bis zu sieben Meter langer Räuber aus der Anfangszeit der Dinosaurier vor 215 bis 200 Millionen Jahren. Saurierfährten im niedersächsischen Barkhausen deuten auf weitere große Raubsaurier hin.

Vielleicht stammen sie von einem Megalosaurus: ein fast zehn Meter langer Räuber, über den immer noch wenig bekannt ist, obwohl es sich dabei um den ersten beschriebenen Dinosaurier überhaupt handelt.

Gigantische Pflanzenfresser

Großen Raubsauriern standen wahrscheinlich nicht weniger große Pflanzenfresser gegenüber. Im niedersächsischen Münchehagen fand man fossile Fährten von Sauropoden. Das waren riesige Pflanzenfresser und die größten Landtiere, die jemals auf der Erde lebten.

Die Spuren stammen vermutlich von Apatosaurus, ursprünglich auch als Brontosaurus bekannt. Apatosaurus hatte – ähnlich wie der eng verwandte Diplodocus – einen extrem langen Hals und Schwanz und gehört mit 26 Metern Körperlänge zu den größten Landtieren der Erdgeschichte.

Gemälde auf dem ein Apatosaurus zu sehen ist

Der Apatosaurus ist eng verwandt mit dem Diplodocus

Mini-Dino aus Deutschland

Mit dem Europasaurus lebten in Deutschland auch ungewöhnlich kleine Sauropoden. Sie wurden "nur" bis zu sechs Meter lang und waren um ein Vielfaches kürzer und leichter als ihre nächsten Verwandten.

Der kleinwüchsige Europasaurus stellt vermutlich eine Form der Inselverzwergung dar. Da Deutschland vor 150 Millionen Jahren größtenteils unter Wasser lag, hatten kleine Tiere auf den eng begrenzten Inseln einen Überlebensvorteil. Sie benötigten weniger Nahrung und waren durch die Inselsituation ohnehin von größeren Fressfeinden isoliert.

Aufnahme einer Europasaurus-Nachbildung

Der Europasaurus lebte in Deutschland

Die Kühe der Kreidezeit

Iguanodonten zählen zu den am häufigsten und am besten erhaltenen Dinosauriern. Sie gelten als die "Kühe der Kreidezeit". Zahlreiche Knochenfunde und Spuren belegen, dass sie vor rund 120 Millionen Jahren in Deutschland umherwanderten, vermutlich in großen Herden. Sie wurden etwa zehn Meter lang und drei bis vier Tonnen schwer.

1825 beschrieb sie der britische Arzt Gideon Mantell als zweite Dinosaurier-Art überhaupt. Die ursprüngliche, sehr echsenartige Vorstellung einer plumpen, schwerfällig auf vier Beinen kriechenden Kreatur ist wohl auch auf die ersten Funde zurückzuführen. Denn die Zähne glichen denen eines Leguans, wovon auch noch der Name "Iguanodon" ("Leguanzahn") zeugt.

Nachbildung eines Iguandon mit Nachwuchs

Die Iguanodonten gelten als "Kühe der Kreidezeit"

Autor: Tobias Schlößer

Stand: 17.07.2018, 09:08

Darstellung: