Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Eine Tablette in einer offenen Blisterpackung.

Migräne und Kopfschmerz

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Von Andrea Wengel

Ob Medikamente helfen oder schaden, ist eine Frage der Dosierung. Wer unter starken Kopfschmerzen leidet, dem kann eine vernünftige Einnahme des passenden Medikaments helfen. Doch bei chronischen Kopfschmerzen wie der Migräne ist eine Medikamentenkarriere nicht selten. Der Griff zur Pillenschachtel verspricht Heil in der Not – und verursacht neues Leid.

Hilfe und Gefahr durch Schmerzmittel

Die dauernde Einnahme von Schmerzmitteln über Monate hinweg kann sogar ihrerseits wieder Kopfschmerzen hervorrufen. Rund 40 Prozent der chronischen Kopfschmerzen sind medikamenteninduziert. Meist ist das ein dumpf-drückender oder pulsierender Dauerkopfschmerz. In diesem Zusammenhang können auch Übelkeit, Kältegefühl oder Schwindel vorkommen.

Es ist ein Teufelskreis: Die ständige Einnahme von Schmerzmitteln bewirkt, dass die Schmerzempfindlichkeit immer weiter ansteigt. Für den Patienten bedeutet das, dass er immer häufiger und stärker Kopfschmerzen empfindet. Um diese in den Griff zu bekommen, nimmt er noch mehr und auch wechselnde Schmerzmittel.

Wer an mindestens zehn Tagen im Monat Akutmittel gegen Kopfschmerzen einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko, einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu bekommen. Zu den Akutmitteln zählen die Triptane und Acetylsalicyl-Säure.

Die Gefahr dieser Medikamente erhöht sich, wenn die Präparate zusätzlich noch abhängig machende Mittel enthalten wie Codein und Koffein. Es ist ein schleichender Prozess. Aber es gibt Anzeichen, an denen der Patient erkennen kann, dass er in eine Abhängigkeit steuert.

Anzeichen

  • Sie haben mehr Kopfschmerzen als sonst.
  • Die gewohnten Medikamente wirken nicht mehr.
  • Sie werden morgens früher wach als sonst, meist mit Kopfschmerzen – um überhaupt wieder schlafen zu können, hilft nur noch der Griff zur Tablette.
  • Die Kopfschmerzsymptome werden schwankend und verändern sich.
  • Die bekannten, typischen Symptome fehlen.

Wege aus der Abhängigkeit

Am wichtigsten ist die Eigenbeobachtung, idealerweise mit einem Schmerztagebuch. Das erleichtert dem Arzt die richtige Diagnose. Patienten, die an mehr als 10 bis 15 Tagen monatlich Medikamente brauchen und das über drei Monate lang, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz.

Die einzige sinnvolle Therapie ist eine vernünftige Entgiftung, am besten in einer Schmerzklinik. Sie ist aber auch ambulant möglich. Angenehm ist diese Prozedur nicht. Denn wenn alle Akutschmerzmittel abgesetzt werden, an die sich der Körper über Monate gewöhnt hat, reagiert er erst einmal zwei bis drei Tage mit Entzugskopfschmerzen. Doch es ist der einzige Weg für eine weitere erfolgreiche Behandlung.

Eine erfolgreiche Entgiftung muss nicht heißen, dass der Patient von nun an auf Schmerzmittel verzichten muss. Aber er sollte künftig über die Menge der Medikamente, die er einnimmt, genau Buch führen. Nur so lässt sich ein erneuter medikamenteninduzierter Kopfschmerz vermeiden. Dabei gilt: Kopfschmerz- und/oder Migränemittel dürfen nur maximal an acht bis zehn Tagen im Monat und an höchstens drei Tagen hintereinander eingenommen werden.

Stand: 08.08.2018, 10:00

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