Spritzmittel

Gülle wird als organischer Dünger auf einem Feld ausgebracht

Anbaumethoden

Spritzmittel

Von Frank Wittig

Es wird oft angenommen, dass im ökologischen Landbau gar keine Spritzmittel verwendet werden dürfen. Doch das ist nicht der Fall. Es dürfen lediglich keine synthetischen Spritzmittel angewendet werden. "Natürliche" Mittel sind durchaus erlaubt.

Keine synthethischen Düngemittel für Bio-Produkte

Die Liste der Stoffe zur Wachstumsregulierung, zur Düngung, zum Pflanzenschutz und zur Unkrautbekämpfung reicht von Algenpräparaten über Kaliumpermanganat und Kupfersalze bis hin zu Pflanzenölen, Schmierseife und Schwefel.

Bei vielen dieser Produkte gelten allerdings Beschränkungen. So darf in der Regel nicht vorsorglich gesprüht werden, sondern nur wenn eine konkrete Bedrohung oder Befall vorliegen. Zudem sind gesetzlich festgelegte Höchstmengen einzuhalten.

Allein durch den Verzicht auf synthetische Dünge- und Spritzmittel, die mit einem hohen Aufwand an sogenannter Primärenergie (zum Beispiel Rohöl) hergestellt werden müssen, kommt der ökologische Anbau sogar mit deutlich weniger Energie aus.

Der Naturschutzbund NABU gibt zum Beispiel an, dass im Ökolandbau nur gut halb so viel fossile Brennstoffe verbraucht werden. Das bedeutet gleichzeitig eine erhebliche Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes gegenüber den konventionellen Anbaumethoden.

Ein Bauer schiebt eine Schubkarre voll Mist.

Mit Kuhmist kann man nichts falsch machen

Auch Öko-Lebensmittel sind mit Umweltgiften belastet

Trotz aller Maßnahmen zum Schutz von Landschaft, Boden und Pflanzen tauchen auch immer wieder verunreinigte Öko-Lebensmittel auf. Teils durch kriminelle Energie, teils durch Unachtsamkeit, wie offenbar beim Nitrofen-Skandal. Hierbei waren vor allem Geflügel und Eier aus Bio-Betrieben mit dem giftigen Pflanzenschutzmittel Nitrofen kontaminiert.

Dieses sogenannte Herbizid war zwar seit 1980 in Deutschland verboten, in der ehemaligen DDR aber bis zum Schluss in Gebrauch. In einer nicht ausreichend gesäuberten Lagerhalle in Ostdeutschland lagerte 2002 Futtermittel für die ökologische Landwirtschaft.

Das Futtermittel gelangte in den Handel und somit auch in viele Geflügelprodukte von Bio-Bauern. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft sind die Lebensmittel-Skandale im ökologischen Landbau zahlenmäßig deutlich geringer.

Doch die typischen Umweltgifte, die aus unserer industriellen Zivilisation stammen (zum Beispiel Schwermetalle, Ozon oder Feinstaub), machen auch vor der ökologischen Landwirtschaft nicht halt. Sie finden sich in Ökofrüchten und Früchten aus konventionellem Anbau gleichermaßen.

Ziel des Ökolandbaus ist es aber, durch den Verzicht auf synthetische Spritzmittel die Belastung der Früchte mit schädlichen Stoffen so gering wie möglich zu halten.

Sind Früchte aus dem Gewächshaus qualitativ minderwertig?

Die Zeiten, da vor allem in holländischen Gewächshäusern "schnittfestes Wasser" – so ein höhnischer Spitzname für Tomaten – produziert wurde, sind weitgehend vorbei. Höhere Ansprüche seitens der Verbraucher zwangen die Hersteller zum Umdenken. Wo früher nur auf möglichst große Mengen gezielt wurde, spielt Qualität heute eine große Rolle.

Eine ausgefeilte Kontrolle von Wasser- und Nährstoffzufuhr, Licht, Wärme und Luftfeuchtigkeit können in den Hightech-Gewächshäusern ideale Wachstumsbedingungen schaffen. Lebensmittelanalytiker bestätigen das auch anhand der Inhaltsstoffe der Früchte.

Entscheidend für den Aufbau der meisten wichtigen Inhaltsstoffe einer Pflanze ist die Menge des Sonnenlichts. Die Sonne liefert dabei die Strahlungsenergie, die vom Blattgrün in Energie (Zucker) umgewandelt wird. Die Sonneneinstrahlung nimmt aber auch direkt Einfluss auf die Stoffwechselprozesse der Pflanze. So wie auch der menschliche Organismus bestimmte Stoffe nur mit Hilfe der Sonnenlichts bilden kann.

Doch prinzipiell kann man auch Sonnenlicht künstlich in einem Gewächshaus erzeugen. Allerdings: Je mehr künstliches Sonnenlicht man braucht, desto teurer und unwirtschaftlicher ist die Gewächshauskultur.

Gewächshaus von außen. Im Hintergrund rauchende Fabrikschlote.

Gewächshäuser sind in unseren Breiten notwendig

Im Norden verbrauchen Gewächshäuser viel Energie

Trotz einer großen Zahl an technischen Verbesserungen (zum Beispiel Spezial-Verglasung) ist die Produktion von Früchten in Gewächshäusern energetisch gesehen immer noch purer Luxus. Das gilt in der Regel umso mehr, je weiter nördlich die Gewächshäuser stehen. Denn vor allem die Heizung verschlingt Primärenergie in großen Mengen.

Die Energiebilanz ist auch das stärkste Argument dafür, Früchte sowohl aus der eigenen Region, als auch Früchte der Saison zu konsumieren. Denn Flug- und Autobahnkilometer sowie Kühlcontainer verbrauchen zusätzlich wertvolle Energie.

Von Öko-Hardlinern wird Betreibern von Gewächshäusern auch häufig der Vorwurf gemacht, sie würden ihre Pflanzen nicht "artgerecht" wachsen lassen. Unrecht haben sie damit nicht, denn von Natur aus gibt es keine Gewächshäuser oder Zustände, die denen in einem Gewächshaus ähnlich sind.

Allerdings ist der Anbau auf Äckern, auch wenn er nach ökologischen Kriterien erfolgt, auch unnatürlich. Entsprechende Monokulturen, flächendeckende Düngung und künstliche Bewässerung sind von der Natur auch nicht vorgesehen.

Die natürliche und vielleicht damit auch "artgerechte" Haltung sieht anders aus: Jede Pflanze als Einzelkämpfer in einem harten Konkurrenzkampf mit anderen Organismen, ständig von Unterversorgung bedroht. In gewisser Weise lebt eine Pflanze im Gewächshaus also in einem paradiesischen Zustand.

Blick in das Innere eines Gewächshauses, in dem zahlreiche kleine Töpfe mit grünen Pflanzen stehen.

Purer Luxus für Mensch und Gemüse

Weiterführende Infos

Stand: 31.05.2019, 14:00

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