Anbaumethoden

Ein Traktor beim Pflügen eines Ackers.

Landwirtschaft

Anbaumethoden

Dass die Landwirtschaft die Voraussetzung für eine kulturelle Zivilisation darstellt, ist uns heute gar nicht mehr richtig bewusst. So problemlos funktioniert die Versorgung, so selbstverständlich liefert der Supermarkt alles, was das Herz begehrt.


Die Landwirtschaft: Fundament der menschlichen Zivilisation

Mittlerweile können wir uns kaum noch vorstellen, dass vor noch nicht allzu langer Zeit drei Viertel der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiteten und dass Missernten regelmäßig Hungersnöte auslösten. Von den ersten Anbautechniken in der Jungsteinzeit bis zum modernen Traktor mit Satellitennavigation oder dem vollautomatischen Gewächshaus war es ein weiter Weg.

In der Jungsteinzeit fand ein epochaler Schritt der Menschheitsgeschichte statt: der Übergang von der Ernährung durch die Jagd und das Sammeln von Früchten und Aas zur landwirtschaftlichen Produktion von Nahrung durch Ackerbau und Viehzucht. In der Wissenschaft wird dieser Schritt als die "Neolithische Revolution" bezeichnet.

Für China datieren die Forscher diese Revolution in das zwölfte vorchristliche Jahrtausend, für den Nahen Osten in die Zeit um 10.000 vor Christus. Europa folgte mit einigen tausend Jahren Verspätung. Die damit verbundene Sesshaftigkeit und verbesserte Ernährungssituation bildete die Grundlage für die ersten Hochkulturen in Mesopotamien (dem heutigen Irak) und Ägypten.

Altes farbiges ägyptisches Relief: Ein Bauer hinter einem Pflug, der von einem Rind gezogen wird.

Im alten Ägypten kannte man bereits den Pflug

Als älteste Werkzeuge werden Grab- und Pflanzstöcke aus Holz angenommen. An einem großen Ast wird dabei das Ende zugespitzt, um den Boden besser umgraben zu können. In den folgenden Jahrtausenden ist der Erfolg von Kulturen wesentlich mit dem technischen Fortschritt ihrer Agrartechnik verbunden. So ist die künstliche Bewässerung im Nahen Osten spätestens seit dem fünften Jahrtausend vor Christus belegt.

Ebenso bedeutend ist die Erfindung des Pfluges. Die ältesten Belege finden sich als Schriftzeichen im dritten vorchristlichen Jahrtausend in der Stadt Uruk (im Süden des heutigen Iraks). Einfache Hakenpflüge – so vermuten Wissenschaftler – haben aber schon im sechsten Jahrtausend vor Christus Furchen über die Äcker am Nil gezogen.

Mit dem Pflug und dem Joch wurde es möglich, die tierische Arbeitskraft zur Bestellung des Bodens zu nutzen. Das Pflügen lockerte den Boden auf, Unkraut und zum Teil auch Schädlinge wurden vernichtet. Die Effizienz der landwirtschaftlichen Arbeit stieg erheblich.

Ertragssteigerung durch Düngung

Bereits in der Antike war die Düngung mit Mineralmehlen aus Schiefer, Ton, Sand- oder Kalkstein bekannt. Auch die sogenannte "Gründüngung", das Einarbeiten von schnellwachsenden Pflanzen, die Unkräuter unterdrücken und Humus bilden, ist mehr als zwei Jahrtausende alt.

So schreibt der römische Historiker Plinius (23-79 nach Christus): "Der Boden, auf dem Ackerbohnen angebaut wurden, freut sich gleich, als ob er eine Düngung erhalten hätte."

Was Plinius nicht wusste: Bohnen gehören zu den Pflanzen, die den Boden mit Stickstoff anreichern und so zur Fruchtbarkeit beitragen. Ohne Düngung war der Boden nach wenigen Jahren erschöpft und brauchte eine Brache, eine Zeit ohne landwirtschaftliche Nutzung, um sich wieder zu erholen.

Um den Boden zu schonen, wurde im mittelalterlichen Europa im 11. Jahrhundert die Dreifelderwirtschaft eingeführt. Auf ein Anbaujahr mit Wintergetreide folgte ein Jahr mit Sommergetreide und schließlich ein Brachejahr.

Das Schulwandbild zeigt das mittelalterliche Bauernleben. Bauern ernten Getreide, im Hintergrund ist ein mittelalterliches Dorf zu sehen.

Im Mittelalter betrieben Bauern Dreifelderwirtschaft

Einen entscheidenden Beitrag zur Ertragssteigerung leistete natürlich auch die Zucht von Getreidesorten, die größere Ähren oder widerstandsfähigere Halme hatten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Zucht praktisch mit Beginn des Ackerbaues einsetzte, indem die Bauern aus der Ernte immer die größten Körner für das Saatgut aussortierten.

Wegweisende Erfindungen der Industriellen Revolution

Über Jahrhunderte gab es in der Technik der Landwirtschaft keine Entwicklungen, die in ihrer Bedeutung mit dem Pflug oder der Bewässerung zu vergleichen wären. Die Landwirtschaft war immer noch sehr aufwändig. Vor der Industriellen Revolution ernährten vier Bauernfamilien eine weitere Familie. Heute versorgt ein Bauer mehr als 25 Familien.

Gemälde: Landwirtschaftliche Szene im Mittelater. Ein Ehepaar schlägt mit Stöcken auf Getreide ein.

Lange war Landwirtschaft pure Handarbeit

Doch im 18. und 19. Jahrhundert, der Zeit der Industriellen Revolution, veränderte sich auch die Landwirtschaft grundlegend. Die Städte wuchsen und mit ihnen der Nahrungsbedarf. Die Felder wurden größer, damit sie effektiver bewirtschaftet werden konnten. Durch einen gezielteren Fruchtwechsel zwischen Getreide und anderen Feldfrüchten wurden die Böden nicht so schnell ausgelaugt.

Naturwissenschaftliche Forschungen bescherten der Landwirtschaft eine neue Ära. Vor allem mit der Erfindung des Kunstdüngers durch Justus von Liebig (1803-1873). Jetzt konnte selbst auf armen Böden ertragreiche Landwirtschaft betrieben werden.

Einen vergleichbaren Erfolg brachten chemische Spritzmittel, die katastrophale Ernteausfälle durch Schädlingsplagen vermieden. Allerdings erwiesen sich Kunstdünger und Spritzmittel als zweischneidige Schwerter. Die gesundheitlichen Gefahren wurden lange Zeit unterschätzt.

Als Reaktion auf die Gefahren durch die industrielle Landwirtschaft entwickelte sich schon im frühen 20. Jahrhundert eine Gegenbewegung, die auf "biologisch dynamische", auf schonende Produktionsformen setzte.

Vom Dampfpflug zum modernen Traktor mit GPS

Bis ins 19. Jahrhundert war Feldarbeit Handarbeit. Nur Zugtiere halfen und bewegten schwere Gerätschaften über die Äcker. In der Zeit der Industriellen Revolution hielten auch in der Landwirtschaft industrielle Produktionsmethoden Einzug. Maschinen für das Mähen und Dreschen wurden entwickelt. Was mit der Sense an einem Tag gemäht werden konnte, schafften einfache Mähmaschinen in einer halben Stunde.

Zeichnung eines Dampfpfluges aus dem 19. Jahrhundert am Rand eines Feldes. Um ihn herum stehen einige Männer in Anzügen.

Dampfpflug aus dem 19. Jahrhundert

Um 1860 entwickelte der Engländer John Fowler (1826-1864) den ersten effizienten Dampfpflug. Da die Dampfmaschinen selbst zu schwer waren, um über den Acker zu fahren, zogen je zwei Maschinen von den Feldrändern aus einen großen Pflug an einem Drahtseil über den Acker.

Das System konnte in einer Stunde so viel Arbeit leisten wie ein Pferdegespann an einem Tag. Das Gerät war allerdings sehr teuer. Nur Großbauern konnten es sich leisten.

Bis heute ist die Verbesserung der landwirtschaftlichen Maschinen nicht zum Stillstand gekommen. So leistet ein "zeitgenössischer" Hightech-Traktor mit 200 PS das Drei- bis Fünffache seines Vorgängers aus den 1950er Jahren. Die modernsten Zugmaschinen sind heute mit Satellitennavigation ausgestattet und finden sich auf den Feldern praktisch "alleine zurecht".

Gewächshäuser: die totale Kontrolle

Auf dem Acker kontrollierte der Mensch im Laufe der Jahrtausende immer mehr Faktoren, um den Ertrag zu steigern. Nur das Klima entzog sich dem bäuerlichen Zugriff, wenn man einmal von der "künstlichen Beregnung" absieht. Doch auch der Faktor Wetter sollte kontrolliert werden: durch das Verlegen der Pflanzen in ein Gewächshaus.

Blick auf die Däcvher moderner Gewächshäuser, die bis zum Horizont reichen.

Gewächshäuser sind nicht mehr wegzudenken

Schon im 17. Jahrhundert gab es an europäischen Höfen die ersten "Pflanzhäuser", in denen Zitrusfrüchte kultiviert wurden. Sie waren angelegt wie Wintergärten und lehnten sich an die sonnige Südseite von Gebäuden an.

Im 18. Jahrhundert kam mit der Produktion von preiswertem Flachglas die Gewächshauskultur in Europa in Schwung. Heizungen ermöglichten das Kultivieren von tropischen Pflanzen und die öffentlichen Orangerien hatten großen Zulauf.

Einen nennenswerten Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Obst oder Gemüse erbrachten die Gewächshäuser allerdings erst im 20. Jahrhundert. Immer ausgeklügelter wurden Heizung, Belüftung, Bewässerung und Düngung, bis sich Gewächshäuser Ende des 20. Jahrhunderts zu wahren Hightech-Wundern verwandelt hatten.

Autor: Frank Wittig

Stand: 03.11.2017, 13:00

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