Partnerschaft

Ein junges Paar in einem Café: die beiden Männer lachen zusammen.

Liebe

Partnerschaft

Gemeinsam in Liebe alt werden, das Glück für immer festhalten, wer wünscht sich das nicht. Liebe – die Gefühle im Ausnahmezustand.


Liebe und Partnerschaft folgen eigenen Gesetzen

Sie ist der Himmel auf Erden, sagen die einen. Sie ist eine Krankheit, sagen die anderen. Doch auch die stürmischste Liebe und die prickelndste Erotik lassen mit den Jahren nach. Sie sind keine Garantie für eine dauerhaft glückliche Beziehung.

Über die Jahre nagen die Anforderungen des Alltags am Liebesglück. Bei vielen zerbricht es. Doch einige schweißt es auch ganz eng zusammen. Was rückt an die Stelle nach, wenn die Leidenschaft und die Freude an der gemeinsamen Sexualität nachlassen?

Das Erfolgsrezept für eine glückliche lange Beziehung ist schwer zusammenzustellen - zu unterschiedlich sind die Menschen und ihre Lebensumstände. Fragt man ältere Paare nach den Zutaten, antworten sie oft mit: "Respekt", "Achtung", "Wertschätzung", "den anderen so akzeptieren, wie er ist" - und auch "Liebe".

Ja, es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick. Das können all die bestätigen, die sie schon erlebt haben. Es gibt diese Liebe, die über uns hereinbricht wie eine Naturgewalt. Ob das aber auch eine Liebe für's Leben ist, muss sich erst zeigen. Denn Liebe und Partnerschaft funktionieren nach ganz unterschiedlichen Kriterien.

Liebe ist nicht planbar. Sie lässt sich nicht steuern. Liebe trifft uns unverhofft, sie überwältigt uns. Plötzlich ist sie da und stellt unser Gefühlsleben auf den Kopf. Für dieses Gefühl kann man sich nicht bewusst entscheiden. Aber auch wenn die große leidenschaftliche Liebe wie ein Blitz einschlägt, haben wir keine Garantie für eine dauerhafte Beziehung.

Das heiße Liebesgefühl kann schon nach einigen Monaten vorbei sein. Es kann aber auch auf einen langen gemeinsamen Weg führen. Und ganz bestimmt ist so ein leidenschaftlicher Anfang kein schlechter Start in ein gemeinsames Glück!

Anders als die Liebe ist eine Partnerschaft planbar. Sie lässt sich gestalten und wir können - und müssen auch - an ihr arbeiten. Doch für eine glückliche Beziehung ist noch etwas mehr nötig, als das euphorische Gefühl am Anfang.

Gegensätze ziehen sich an, heißt es im Volksmund. Das mag den hormonellen Ausnahmezustand zweier Menschen noch ankurbeln, die Liebe hat hier ihre ganz eigenen Gesetze.

Für eine gute Partnerschaft muss allerdings schon ein Minimum an Gemeinsamkeiten vorhanden sein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein bestimmtes gemeinsames Grundverständnis, wie ähnliche Wertvorstellungen und Weltanschauungen, die Partnerschaft festigt.

Gemeinsame Interessen und Erlebnisse, wie Reisen, Kinder oder Hobbys, verbinden, sie formen die Lebensgeschichte der Partnerschaft. Wer viel gemeinsam hat, kommt besser über die Runden.

Liebe im Alter – Sexualität verändert sich

Liebe verändert sich im Laufe der Jahre. Sie ist, ebenso wie die Beziehung, einem Reifeprozess unterworfen. Auch die Liebe geht bei diesem Entwicklungsprozess durch verschiedene Phasen, die alle ihre Berechtigung haben und völlig normal sind. Deswegen sollten sich die Partner davor hüten, ihre Liebe und ihre Sexualität nach beispielsweise zehn gemeinsamen Jahren mit der Gefühlswelt der ersten Monate zu vergleichen.

Seniorenpaar lehnt sich an einen Baum. Sie schaut ihn lächelnd von der Seite an.

Respekt und Wertschätzung sind wichtig

Das führt in der Regel zu falschen Erwartungen und zu Problemen. Idealerweise sollten Paare ihre Erwartungen, die eigene Sexualität betreffend, herunterschrauben und das, was sie gemeinsam leben, mehr wertschätzen. Das ist zugegebenermaßen gar nicht so einfach in einer Welt, in der wir durch sämtliche Medien regelrecht von "perfektem Sex" umgeben sind.

Die Sexualität muss auch nach langen gemeinsamen Jahren keine geringere Qualität haben, ist sich der Heidelberger Sexualwissenschaftler Prof. Ulrich Clement sicher. Zwar habe der Sex nicht mehr so große Ausschläge wie in der Anfangszeit. Aber trotzdem kann es richtig guter Sex sein. Denn auch das Liebesspiel ist etwas, das sich mit zunehmender Erfahrung weiterentwickelt.

Die These, dass Sex mit dem Alter unweigerlich schlechter wird, stimmt so nicht. Natürlich verändert sich die Lust im Laufe der Zeit und sie tut dies bei jedem Menschen anders.

Die Entwicklung der Liebe und der Sexualität ist sehr individuell und lässt sich nicht an einem allgemeinen Durchschnitt messen. Natürlich kann die Lust mit zunehmendem Alter schwächer werden.

Es kann aber auch sein, dass ältere Menschen ihren Sex viel mehr genießen als früher, dass sie mehr zu sich finden, wissen, was sie selbst wollen und mutiger sind ihre Bedürfnisse auszuleben. Oft finden ältere Menschen ihren Sex heute besser, als in jungen Jahren.

Auch wenn die Leidenschaft verblasst

Sicher hilft dabei auch, dass wir heute ein günstigeres Umfeld für Sexualität haben: Wir sind offener, als noch zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern. Sex im Alter wurde abgewertet.

Mittlerweile dringt es nach und nach in das allgemeine Bewusstsein, dass die Sexualität und die Lust nicht einfach mit zunehmendem Alter erlöschen. Solange die körperliche Fitness noch vorhanden ist – warum sollten ältere Menschen keinen Spaß mehr am Sex haben?

Und dennoch steht die Frage im Raum, was bleibt, was entsteht, wenn die Leidenschaft im Laufe der gemeinsamen Jahre verblasst? Wenn man das nur wüsste! Denn auf diese Frage haben selbst die Sexualwissenschaftler keine klare, allgemeingültige Antwort. Zu individuell gehen die einzelnen Paare damit um.

Sicher scheint nur, dass die anfängliche Leidenschaft keiner Leere weicht. Auch wenn die Leidenschaft im Laufe der Jahre an Bedeutung verliert, was insbesondere für Frauen zu gelten scheint, wird die freundschaftliche Komponente der Liebe immer wichtiger.

Das dritte Element

Liebe, Lust und Leidenschaft. Was brauchen Frischverliebte mehr? Sie sind sich selbst genug, möchten am liebsten ungestört sein, um ganz und gar die Zweisamkeit zu genießen. Die Liebenden brauchen nichts und niemanden, und schon gar nichts, was ihren Glückstaumel unterbricht.

Für den Fortbestand der Beziehung braucht die Liebe aber noch ein drittes Element, etwas, das beiden Partnern gleichermaßen wichtig ist und das ihnen Freude macht. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein, gemeinsame Lebensthemen wie die Kinder, Reisen oder die Leidenschaft für dasselbe Hobby oder dieselbe Sportart, gemeinsame Ziele und Objekte.

Ein Ehepaar sitzt im Kinderzimmer auf dem Bett und blättert mit zwei Töchtern in einem Buch.

Gemeinsame Kinder sind ein wertvolles Bindeglied für die Partner

Dieses dritte Element, das außerhalb der Beziehung liegt, schafft neben den Emotionen ein wertvolles Bindeglied zwischen beiden Partnern. Es ist für eine Beziehung wohltuend und stabilisierend, wenn der Alltag von angenehmen Gemeinsamkeiten unterbrochen wird.

Auch Rituale sind eine gute Möglichkeit, mit dem Partner zusammen- und nicht aneinander vorbei zu leben. "Wir" statt "jeder für sich". Das kann der Spielabend jeden Freitag sein, oder der ausgedehnte Sonntagsspaziergang nach einem gemütlichen Frühstück. Rituale helfen, die Alltagsroutine auf angenehme Art zu durchbrechen und wertvolle Zeit für und mit dem Partner zu schaffen.

Prävention für die Liebe

Ein Auto schickt man regelmäßig zum TÜV. Beziehungen täte das auch sehr gut - und es würde so manche Partnerschaft daran hindern, vor die Wand zu fahren. Denn der Beziehungs-TÜV beinhaltet eines der wichtigsten Kriterien für eine gute Zweisamkeit: im Gespräch bleiben.

Je offener die Partner miteinander kommunizieren können, je kompetenter sie Probleme lösen und je besser sie mit Stresssituationen umgehen, desto zufriedener sind sie als Paar.

Eine große Hilfe ist es, einmal im Jahr eine Art “Kassensturz“ zu machen, sich einem Beziehungs-TÜV zu unterziehen, rät die Sexualtherapeutin Dr. Ulrike Brandenburg. Die Partner sollten sich immer wieder fragen: Führen wir die Beziehung, die wir wollen? Läuft etwas schief? Haben wir andere Vorstellungen, haben wir uns entfremdet? Was sind die Strategien in unserer Zweisamkeit, die die Beziehung runterwirtschaften - oder die unserer Beziehung gut täten?

Generell sollten sich beide Partner genügend Raum geben, um über sich, die eigenen Wünsche und auch Schwierigkeiten sprechen zu können. Das setzt eine gute Kommunikationskultur voraus und vor allem die Haltung, Beziehungsarbeit leisten zu wollen. Es setzt die Bereitschaft voraus, zu lernen, und wenn es notwendig ist, auch Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wertschätzung und Dankbarkeit

Eine gute Kommunikation ist eine wichtige Basis für eine glückliche und zufriedene Partnerschaft. Schwindet sie, verblasst auch das Gefühl der Nähe und des Verstandenwerdens. Was wächst, ist die Entfremdung.

Stress setzt unsere Kommunikationsfähigkeit um 40 Prozent herab. Das haben Studien ergeben. Deswegen ist auch eine individuelle Stressbewältigung, möglichst mit der Unterstützung des Partners oder ebenfalls mit Hilfe von außen, ein wichtiger Weg, nicht in die Sackgasse des Schweigens zu geraten.

Es ist keine leichte Aufgabe, der Überforderung der Partnerschaft durch Alltagsstress entgegenzuwirken. Aber es lohnt sich. Wer weiß und akzeptiert, dass Beziehung eine Dauerbaustelle ist, hat es leichter.

Ein junges Paar hat die Stirnen zusammengelegt und schaut sich lächelnd in die Augen.

Im Alltag dem Partner öffter dankbar sein

Das gilt auch für Menschen mit einer dankbaren Grundhaltung, die positiv und wertschätzend durchs Leben gehen, statt defizitorientiert zu sein. Man sollte versuchen, dem Partner mehr die Wertschätzung zu geben, die er verdient, statt - wie es in der Regel viel schneller geht - gleich zu klagen, was einen an ihm stört.

Die gegenseitige Wertschätzung ist überhaupt ein essenzieller Faktor in jeder Beziehung. Sie geht als erstes verloren, wenn sich zwei Menschen in einer Beziehung voneinander entfernen. Der Partner wird selbstverständlich hingenommen, ohne über ihn nachzudenken.

Dabei bietet der Alltag genügend Möglichkeiten und Situationen, den Partner wertzuschätzen und ihm dankbar zu sein - dankbar für die vielen eher unscheinbaren Kleinigkeiten, die das gemeinsame Leben ausmachen.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 16.01.2018, 10:33

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