Hormone

Erkrankungen der Schilddrüse

Anatomie des Menschen

Hormone

Wir spüren sie vor allem, wenn wir verliebt sind. Dann schlägt das Herz höher, wir fühlen uns wach, all unsere Sinne sind geschärft. Sie machen uns zu schaffen, wenn wir pubertieren, wenn sich unser Körper verändert und manche Haut unter Akne leidet. Sie sorgen dafür, dass die Muskeln wachsen und verhelfen unserem Körper zu jugendlichem Aussehen. Hormone. Die Botenstoffe des Körpers bestimmen unser ganzes Leben – ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Doch wehe, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten. Ein Störfall in ihrem Gefüge kann unser Leben ganz schön aus den Fugen geraten lassen. Für die Medizin war die Entdeckung der Hormone ein wahrer Quantensprung.

Geschichte der Hormonforschung

Irgendwie musste es noch etwas anderes geben, das für die Steuerung unseres Körpers verantwortlich war. Nervenbahnen und die daran entlangziehenden elektrischen Impulse alleine konnten nicht die einzige Erklärung für die Informationsübertragung unter den Organen sein.

Im Jahre 1902 starteten die englischen Physiologen Ernest Henry Starling (1866-1927) und William Maddock Bayliss (1860-1924) einen wegweisenden Versuch: Sie nahmen sich eine Bauchspeicheldrüse vor und durchtrennten alle Nerven, die zu diesem Organ führten.

Das Ergebnis war verblüffend. Die Bauchspeicheldrüse funktionierte immer noch. Sie sonderte Verdauungsenzyme ab, sobald der säurehaltige Mageninhalt den Darm erreichte.

Starling und Bayliss fanden heraus, dass die Schleimhaut des Dünndarms durch den Einfluss der Magensäure ein Sekret absonderte, das wiederum die Bauchspeicheldrüse dazu anregte, ihrerseits Verdauungsenzyme auszuschütten.

Die Wissenschaftler gaben dem Sekret zunächst den Namen "Sekretin". Ob ihnen zu diesem Zeitpunkt schon klar war, dass sie damit den Beginn der Hormonforschung begründeten?

Elektronenmikroskop-Aufnahme von Nervenzellen aus dem Gehirn

Nicht nur die Nerven steuern den Körper

Die "Antreiber" im Körper

Hormonproduzierende Organe wie die Schilddrüse, die Hirnanhangdrüse oder die Nebenniere waren zwar bereits im 16. Jahrhundert bekannt, nicht aber die Tatsache, dass sie Hormone produzierten.

Allerdings vertraten die Menschen schon damals die Lehrmeinung, die Erkrankungen bestimmter Organe habe etwas damit zu tun, dass wichtige Stoffe fehlten. Die mittelalterliche Medizin suchte Heilung durch den Verzehr gleichartiger gesunder Organe – mit fragwürdigem Erfolg.

Erst vier Jahrhunderte später fanden Ernest Henry Starling und William Maddock Bayliss als erste Wissenschaftler heraus, dass es im Körper Organe, sogenannte "endokrine Drüsen" gibt, die bestimmte Substanzen absondern, die an anderen Organen wirken – diese in einer bestimmten Weise aktiv werden lassen.

1905 prägte Starling für diese Stoffe die Bezeichnung "Hormone", abgeleitet von dem griechischen Wort "hormao" (antreiben, anregen).

Die Entdeckung der Hormone

Die Hormontheorie erwies sich als höchst erfolgreich und bald entwickelte sich ein neues Arbeitsgebiet der Medizin und Biologie: die Endokrinologie. Nach und nach entdeckten und isolierten Wissenschaftler die unterschiedlichsten Hormone.

Das erste Hormon, das isoliert und dessen Struktur bestimmt werden konnte, war das Adrenalin. Bereits 1901 konnte es der japanisch-amerikanische Chemiker Jokichi Takamine (1854-1922) aus der Nebenniere gewinnen – damals hieß das Adrenalin noch Epinephrin. Kurze Zeit später wurde dieser Stoff als Hormon erkannt.

Es folgte das Schilddrüsenhormon Thyroxin, das Insulin, die Geschlechtshormone, das Cortison und viele mehr.

Die Entdeckung des Insulins und seiner Aufgabe bei der Umwandlung von Zucker in Energie, ist wohl der spektakulärste Erfolg. Galt doch die Zuckerkrankheit, heute Diabetes, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als tödliche Erkrankung.

Bis heute sind etwa 100 verschiedene Hormone bekannt. Wissenschaftler vermuten aber, dass mindestens 1000 dieser Botenstoffe existieren und unbemerkt, aber wirkungsvoll dafür sorgen, dass in unserem Körper alles richtig funktioniert.

Kleiner Stoff – große Wirkung

Hormone sind die chemischen Botenstoffe unseres Körpers. Es sind die Nachrichtenübermittler zwischen den Organen und einzelnen Zellen, die dafür sorgen, dass alle biologischen Prozesse im menschlichen Körper richtig ablaufen.

Beeindruckend sind ihre gigantischen Effekte im Verhältnis zu der geringen Konzentration und Größe, mit der die Hormone wirken. Entsprechend fallen auch kleine Störungen im Hormonhaushalt stark ins Gewicht.

Für einen behandelnden Endokrinologen ist es zwar oft nicht einfach den Fehler zu finden, aber wenn er ihn gefunden hat, gibt es nahezu auch sofort eine positive Wirkung für den Patienten.

Es genügt dann meist tatsächlich nur eine einzige Tablette, um alles ist wieder ins Lot zu bringen. Beispielsweise sorgt bei einem Patienten mit einem bestimmten Hypophysentumor eine einzelne Tablette dafür, dass er wieder besser sehen kann.

Eine Tablettenpackung

Eine einzige Tablette kann oft helfen

Hormontest nur eine Momentaufnahme

Wenn jemand etwas über seinen Hormonhaushalt wissen will, geht er in der Regel zum Arzt und macht einen Hormontest. Dann, so glaubt er, weiß er genau Bescheid über seinen Hormonhaushalt und ob ihm etwas fehlt oder nicht. Aber so einfach ist das leider nicht.

Ein solcher Hormonwert, der bei einem Patienten gemessen wird, gibt noch lange keine endgültige Aussage über eine Krankheit oder ein Ungleichgewicht in unserem Wohlbefinden. Würde der Patient diese Messung nur Minuten später wiederholen, so würde das Ergebnis sehr wahrscheinlich ganz anders aussehen.

Der Test ist nur eine Momentaufnahme, nur ein Sekundenwert, der den wirklichen Status der Hormone im Körper nicht erfassen kann. Dazu ist die Welt der Hormone und deren Zusammenspiel in unserem Körper viel zu komplex und zudem ständig in Bewegung.

Rückschlüsse auf den Hormonhaushalt

Der Hormonspiegel wird durch sehr viele Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Sexualität oder Stress. Wer sich ein genaues Bild von seinem Hormonhaushalt machen will, der sollte auf jeden Fall zum Spezialisten, einem Endokrinologen, gehen.

Diese Ärzte arbeiten mit einem Funktionstest: Es wird ein Hormon gespritzt, dessen genaue Wirkung im Körper bekannt ist. Wenn die erwarteten Reaktionen nicht eintreten, ist der Arzt schnell in der Lage herauszufinden, wo es im Körper "klemmt". Daraus lassen sich Rückschlüsse auf den Hormonhaushalt ziehen.

Autorin: Andrea Wengel

Stand: 12.03.2018, 10:50

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