Schilddrüse

Die Schilddrüse – das Superorgan

Anatomie des Menschen

Schilddrüse

Von Jennifer Dacqué, Wiebke Ziegler und Thomas Schwarz

Ohne die Schilddrüse würde es im menschlichen Körper drunter und drüber gehen. Denn das Organ beeinflusst unseren gesamten Organismus: Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Knochenaufbau und sogar die Psyche. Grund dafür sind die verschiedenen Hormone, die die Schilddrüse ständig ausschüttet.

Multitalent Schilddrüse

Wir achten auf unser Herz, unsere Leber und den Magen, doch die Schilddrüse wird oft vernachlässigt. Dabei ist sie enorm wichtig für unsere Gesundheit. Dieses kleine Organ ist ein wahres Multitalent und sehr stark durchblutet. Es zählt zu den endokrinen Organen unseres Körpers, also zu den Organen, die Hormone produzieren und ins Blut ausschütten.

Die Schilddrüse liegt im Hals, kurz unter dem Kehlkopf vor der Luftröhre. In gesundem Zustand ist sie so klein, dass man sie von außen nicht sehen kann. Sie lässt sich aber am Hals ertasten. Daher gehört zu einer körperlichen Untersuchung beim Arzt in der Regel auch das Abtasten der Schilddrüse und die Überprüfung, ob sie sich beim Schlucken im Hals verschiebt.

Normalerweise bewegt sich beim Schlucken der Kehlkopf nach oben und unten und die Schilddrüse bewegt sich parallel dazu mit. Sie ist also schluckverschieblich. Ist sie es nicht, kann das auf eine Erkrankung hindeuten. Ebenso kann eine vergrößerte Schilddrüse auf eine Krankheit hinweisen.

Die Schilddrüse wiegt beim Neugeborenen 2 bis 3 Gramm, bei Erwachsenen wiegt sie zwischen 18 Gramm bei der Frau und bis zu 25 Gramm beim Mann. Bei der Frau ist sie häufig größer und ihr Volumen kann – abhängig vom Menstruationszyklus – schwanken.

Sie besteht aus zwei ovalen, schalenförmigen Seitenlappen und einem quergestellten Verbindungssteg (Isthmus) in der Mitte. Durch ihre Position hat sie ihren Namen erhalten: Wie ein Schild liegt sie, umgeben von Halsmuskeln, vor der Luftröhre.

Ihre Form ähnelt der eines Schmetterlings, weshalb sie manchmal auch als "Schmetterlingsorgan" bezeichnet wird. Beide Seitenlappen bestehen aus kleinen Drüsenläppchen, den Lobuli. Diese wiederum teilen sich in winzige Bläschen (Follikel). Genau hier entstehen die Stoffe, die unseren ganzen Körper beeinflussen.

Geregelter Hormonausgleich

Jeden Tag produziert die Schilddrüse die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Der Befehl dazu kommt aus dem Gehirn. Dort wird im Hypothalamus, einer Hirnregion, die zum Zwischenhirn gehört und oberhalb der Schädelbasis, etwa auf Höhe der Augen mitten im Kopf liegt, das Hormon TRH (Thyreotropin Releasing Hormon) freigesetzt und zur Hirnanhangdrüse (Hypophyse) weitergeleitet.

Hier regt das TRH die Ausschüttung des Stoffes TSH (Thyreotropin) an. Steigt der TSH-Spiegel, so wird dies von der Schilddrüse wahrgenommen und sie produziert als Antwort T4 und T3. Dies wiederum erkennt die Hypophyse und stellt die TSH-Produktion ein. Durch dieses Zusammenspiel zwischen den beiden Drüsen wird der Hormonspiegel im Körper reguliert und hält ein konstantes Niveau.

Grafische Darstellung der Hormonkette vom Gehirn zur Schilddrüse.

Schilddrüse und Hirnanhangdrüse regulieren den Hormonhaushalt

T3 und T4 spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel unserer Zellen. Über die Blutbahn verteilen sie sich im ganzen Körper und docken dann an den Rezeptoren des Zellkerns und der Mitochondrien, also den "Kraftwerken" der Zelle, an.

Der Zellstoffwechsel wird angekurbelt – und das hat verschiedene Auswirkungen: Unter anderem können die Zellen dank der Schilddrüsen-Hormone vermehrt Sauerstoff und Zucker (Kohlenhydrate) aufnehmen. Das wirkt sich wiederum auf unsere Verdauung, den Blutdruck und die Körpertemperatur aus.

Durch die Hormone werden auch der Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirntätigkeit aktiviert. Somit hat die Schilddrüse auch einen erheblichen Einfluss auf die Psyche und das seelische Gleichgewicht.

Der Weg der Schilddrüsenhormone in die Leberzelle Planet Wissen 17.12.2020 01:19 Min. Verfügbar bis 17.12.2025 WDR

Ohne Jod geht es nicht

Damit die Schilddrüse all diese umfangreichen Aufgaben bewältigen kann, braucht sie neben Eisen und Selen vor allem eines: Jod. Dabei handelt es sich um ein Spurenelement, also ein Nährstoff, der nur in winzigen Mengen – in Spuren – im Körper vorkommt und von dem auch nur winzigen Mengen mit der täglichen Ernährung aufgenommen werden müssen.

Trotz der winzigen Mengen ist Jod lebenswichtig, denn es ist eines der Hauptbestandteile der Schilddrüsen-Hormone. Die Aminosäure Tyrosin bildet die Grundlage der Hormone T3 und T4. Dort docken sich entweder drei (T3) oder vier (T4) Jod-Atome an. Erst dann sind die Hormone "komplett".

Zwar ist die Schilddrüse in der Lage, sich das Jod einzuteilen und es zu speichern. Dennoch ist es wichtig, ausreichend Jod mit der Nahrung aufzunehmen, damit die Schilddrüse ihre Funktion voll erfüllen kann.

Ein Erwachsener sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung täglich etwa 180 bis 200 Mikrogramm Jod zu sich nehmen. Wer regelmäßig jodhaltige Lebensmittel wie Meeresfisch, Spinat oder Jodsalz isst, braucht sich um seine Schilddrüse nicht zu sorgen. Zusätzliche jodhaltige Ergänzungsmittel sind nicht nötig.

Ein Teller mit japanischem Sushi und Essstäbchen.

Fisch enthält Jod, den Treibstoff der Schilddrüse

Bei einer Unterversorgung mit Jod drohen jedoch verschiedene Krankheiten, da die Schilddrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit Hormonen versorgen kann. Mögliche Symptome sind eine höhere Infektanfälligkeit, eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit. Eine zusätzliche Einnahme von Jod über die tägliche Ernährung hinaus sollte in jedem Fall mit einem Mediziner abgeklärt sein.

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Weiterführende Infos

WDR | Stand: 08.12.2020, 15:10

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