Nieren

Grafik einer Niere.

Anatomie des Menschen

Nieren

Von Christiane Tovar

Sie sehen aus wie zwei dicke Bohnen und sind jeweils so groß wie eine Faust: Die Nieren sind die lebenswichtigen Waschmaschinen des Körpers. Täglich befreien sie unser Blut von Gift- und Abfallstoffen. Dabei leisten sie Schwerstarbeit.

Pro Minute reinigen die Nieren ein kleines Wasserglas voll Blut. Möglich macht das ein ausgefeiltes Röhrensystem im Innern dieser Organe. Wenn das allerdings versagt, wird es lebensbedrohlich.

Ein komplexes Gebilde

Etwa zwölf Zentimeter lang, vier Zentimeter dick und 150 Gramm schwer – so lautet der Steckbrief des lebenswichtigen Organs. Jeder Mensch hat zwei Nieren. Sie liegen links und rechts der Wirbelsäule, etwa in Höhe der unteren Rippen. Geschützt werden sie jeweils von einer Fettschicht, die wiederum von einem straffen Gewebe umgeben ist.

Direkt darunter liegt die Nierenrinde, die aus bis zu einer Million Nephronen bestehen kann. Diese Nephronen sind nichts anderes als winzig kleine Untereinheiten. Mit ihrem komplizierten Röhrensystem sind sie die eigentlichen Kläranlagen und transportieren und verarbeiten den gefilterten Harn.

Das Blut wird über die Hauptschlagader vom Herzen zu den Nieren geführt. Nachdem es dort gereinigt worden ist, gelangt es über eine spezielle Vene wieder zum Herzen zurück.

Die Nieren sind weitaus stärker durchblutet als etwa die Leber oder der Herzmuskel. Obwohl sie nur rund ein Prozent des Körpergewichts ausmachen, durchströmt ein Fünftel des gesamten Blutes die Nieren.

Eine gesunde Niere reinigt in der Minute rund 95 Milliliter Blut. Weil das Blut pro Tag etwa 300 Mal gefiltert wird, fließen rechnerisch täglich 1500 Liter durch das kilometerlange Röhrensystem.

Becher mit Urin

Was ausgeschieden werden soll, landet im Urin

Die Niere trennt die brauchbaren Stoffe von denen, die ausgeschieden werden müssen. Und sorgt dafür, dass die Abbauprodukte, die beim Stoffwechsel entstehen, mit dem Urin den Körper verlassen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von harnpflichtigen Stoffen. Dazu gehören Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin.

Außerdem filtert die Niere Schadstoffe und Rückstände von Medikamenten aus dem Blut und führt Wasser, Salze und Nährstoffe wieder in den Blutkreislauf zurück.

Die Nieren sind aber nicht nur für das Recycling zuständig: Sie überwachen auch den Sauerstoffgehalt im Blut. Sinkt der Spiegel, schütten sie das Hormon Erythropoetin aus.

Unser Organismus bildet dann vermehrt rote Blutkörperchen, die den Sauerstoffgehalt wieder erhöhen. Zudem gleichen die Nieren den Salz- und Flüssigkeitshaushalt im Körper laufend aus. Auch der Blutdruck wird über die Nieren geregelt.

3D-Illustration des menschlichen Harnwegssytems, Nieren sind hervorgehoben

Die Nieren liegen etwa in der Mitte des Körpers

Wenn die Niere krank ist

Es gibt zahlreiche Störungen und Krankheiten der Nieren. Besonders häufig ist die Nierenbeckenentzündung. Sie kann akut, aber auch chronisch sein. Die Keime – in der Regel Bakterien – kommen meistens von einem Infekt der Harnwege.

Besonders anfällig für eine Nierenbeckenentzündung sind Frauen in den Wechseljahren, genauso wie ältere und schwangere Frauen. Auch Nierensteine begünstigen die Erkrankung. Behandelt wird eine Nierenbeckenentzündung meistens mit Antibiotika.

Schwangere Frau.

Schwangere leiden öfter unter Nierenbeckenentzündungen

Nierensteine hingegen sind eher eine Männerkrankheit: Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Dabei bilden sich in der Niere winzige Ablagerungen, die meistens aus Mineralsalzen (oft aus Kalzium) bestehen und die der Urin nicht mehr auflösen kann.

Wer zu wenig trinkt, einen Harnwegsinfekt hat und sich zu fett- und eiweißreich ernährt, hat ein besonders hohes Risiko, Nierensteine zu bekommen. Sie können fast unerträgliche Schmerzen bereiten.

Gehen sie nicht von selbst ab, muss ein Arzt helfen. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden, zum Beispiel Laser- oder Ultraschall-Behandlungen.

Großer Nierenstein eines Patienten in Ungarn

In sehr seltenen Fällen können Nierensteine mehr als ein Kilogramm schwer werden

Beim chronischen Nierenversagen, bei dem in der Regel nur eine der beiden Nieren betroffen ist, bildet sich das Nierengewebe zurück. Weil die gesunde Niere meist die Aufgaben des kranken Organs übernimmt, bleibt die Erkrankung oft lange unerkannt.

Dann kann sich unter anderem Bluthochdruck entwickeln, der dann wiederum die Niere zerstören kann, die noch gesund ist.

Wenn die Niere versagt, gibt es dafür unterschiedliche Gründe. Einer davon ist eine chronische Entzündung. Aber auch verkalkte Gefäße, Diabetes und bestimmte Medikamente können die Ursache sein.

Ein chronisches Nierenversagen schreitet im Gegensatz zum akuten Nierenversagen oft langsam voran. Wenn sich im Gewebe Flüssigkeit ansammelt – etwa an Knöcheln, Unterschenkeln oder im Gesicht –, kann das ein Warnzeichen sein. Auch Schmerzen beim Wasserlassen und schäumender Urin können darauf hindeuten, dass die Nieren nicht mehr arbeiten.

Steht die Diagnose, müssen die Auslöser gesucht werden. Als erstes wird in der Regel der Blutdruck kontrolliert und wenn nötig eingestellt. Hilfreich kann es auch sein, wenn man auf eiweiß- und salzreiches Essen verzichtet.

Helfen alle diese Therapien nicht, droht das komplette Nierenversagen, das im Endstadium zur lebensbedrohlichen Harnvergiftung führen kann. Dann werden gefährliche Abfall- und Giftstoffe nicht mehr über den Urin ausgeschieden, sondern bleiben im Organismus. Todesursache sind dann häufig Infektionen, denn der Körper ist in diesem Stadium besonders anfällig für Krankheitserreger.

Entnommene Niere bei einer Nierentransplantation

Entnommene Niere bei einer Nierentransplantation

Warten auf die Spenderniere

Um das zu verhindern, gibt es verschiedene Therapien. Eine davon ist die Dialyse. Dabei übernimmt ein Gerät, an das der Patient angeschlossen wird, die Aufgaben des Organs und filtert unter anderem überflüssiges Wasser und gefährliche Abbauprodukte aus dem Körper.

Eine weitere Möglichkeit ist die Transplantation einer Spenderniere: ein Verfahren, das häufig angewandt wird. Zum ersten Mal haben amerikanische Ärzte Ende der 1950er-Jahre eine Niere transplantiert – damals bei eineiigen Zwillingsbrüdern. In Deutschland wurde die erste Niere 1963 in Berlin transplantiert.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Nierentransplantation. Entweder kommt die Niere von einem Toten oder sie wird einer lebenden Person entnommen. Lebendspenden werden in der Regel besser von den Nierenkranken vertragen.

Doch in fast allen Fällen wird das transplantierte Organ irgendwann wieder abgestoßen. Dann hilft nur noch die Dialyse oder eine neue Spenderniere.

Ein Organspendeausweis.

Wer in Deutschland ein Organ spenden will, muss einen Ausweis bei sich tragen

(Erstveröffentlichung: 2012. Letzte Aktualisierung: 29.09.2021)

WDR

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