Prostitution im Film

Szene aus dem Film "Geliebte Aphrodite von Woody Allen"

Prostitution

Prostitution im Film

Das Bild der Prostitution ist ambivalent: Auf der einen Seite ist es stigmatisiert, auf der anderen Seite gibt es ein gesellschaftliches Bedürfnis, sich mit Erotik und Sexualität auseinanderzusetzen. Ob Schriftsteller, Bildhauer oder Regisseure – viele Künstler fasziniert der Mythos Prostitution, darunter so prominente Regisseure wie Luis Buñuel, Billy Wilder oder Woody Allen.

Das Geheimnis der Sexualität

Die Darstellung von Prostitution im Film reflektiert kulturelle und gesellschaftliche Mythen, Bilder und Entwürfe von Prostitution. Schon seit langem ist die Trennung zwischen Sexualität in der Ehe, die der Fortpflanzung dient, und Spaß am Sex kulturell überliefert.

Die Ehefrau ist unantastbar für andere Männer, wohingegen die nicht verheiratete Frau in der Figur der Prostituierten ihre symbolische Überhöhung findet: Sie ist der Gegenpol zur Institution Ehe. Dem kulturellen Mythos nach sind Prostituierte mit einer anderen Seite der Männlichkeit vertraut als Ehefrauen – Prostituierte sind ein gesellschaftliches Ventil für das Geheimnis der Sexualität.

Filme, die sich mit dem Thema Prostitution auseinandersetzen, gehören ganz verschiedenen Genres an: Es gibt Komödien ebenso wie Sozialdramen, Undergroundfilme ebenso wie Hollywood-Blockbuster.

Filme wie "Das Mädchen Irma la Douce" von Billy Wilder, "Pretty Woman" von Garry Marshall, "Die Schöne des Tages" von Luis Buñuel oder "Geliebte Aphrodite" von Woody Allen gehören heute zu den Klassikern. Sie waren auch immer Spiegel ihrer Zeit.

Den Genre-Unterschieden zum Trotz haben sie eines gemeinsam: Die Blicke, die das Kino auf Sexualität und somit auch auf Prostitution wirft, sind vorwiegend männliche Blicke. Regisseure, die Kinofilme über die Welten von Prostituierten machten, waren bisher meistens Männer.

Szene aus dem Film "Das Mädchen Irma la Douce"

"Das Mädchen Irma la Douce" von Billy Wilder

Der märchenhafte Klassiker: "Pretty Woman"

Eine der erfolgreichsten Komödien aller Zeiten dreht sich um eine Prostituierte: "Pretty Woman". Der Spekulant Edward Lewis (Richard Gere) stolpert bei einer Geschäftsreise in Los Angeles über die Prostituierte Vivian (Julia Roberts).

Vivian scheint ihm sympathisch, und so heuert der smarte Millionär das Mädchen für eine Woche als Begleitung an. Danach sind sie beide hoffnungslos ineinander verliebt und heiraten nach einigem Hin und Her.

In diesem Blockbuster aus dem Jahr 1989 kommt das aus Märchen bekannte Motiv der Befreiung zum Zuge: Die Prostituierte Vivian erfährt ihre Aufwertung zur Frau durch den Status der Braut.

Diese Befreiungsfantasie ist ein sehr beliebtes und ganz typisches Muster, das in vielen Filmen über Prostitution vorkommt: Mal wird die Prostituierte von einem Mann, der sie liebt, befreit, mal wird ihr Zuhälter erschossen oder manchmal befreit sie sich selbst und überwindet als glaubwürdige und selbständige Persönlichkeit ihre Vergangenheit als Prostituierte.

Voraussetzung für die moralische Argumentation solcher Filme ist, dass Prostitution etwas der sozialen Natur Widersprüchliches sei: "Am Ende steht das gesellschaftliche Ritual der Hochzeit. Der Geschlechtsakt erhält somit seinen institutionalisierten Segen", schreibt der Autor Michael Gruteser im Buch "Kino der Extreme".

Garry Marshalls modernes Märchen integrierte die altbekannte Pygmalion- und Aschenputtel-Thematik in ein modernes Yuppie-Ambiente im feinen Beverly Hills und traf damit den Nerv der Zeit. "Pretty Woman" lockte über neun Millionen Zuschauer ins Kino und machte Julia Roberts über Nacht zum Superstar. Seither gelten die beiden Hauptdarsteller Julia Roberts und Richard Gere als das Filmpaar schlechthin.

Filmausschnitt aus "Pretty Woman" mit Richard Gere und Julia Roberts

"Pretty Woman" machte Julia Roberts zum Star

Die Umdeutung des traditionellen Bildes: "Die Schöne des Tages"

Einem ganz anderen Genre als die Komödie "Pretty Woman" ist der Film "Die Schöne des Tages" zuzuordnen: Der 1967 von Regisseur Luis Buñuel gedrehte Film, der wiederum die Sicht eines Mannes auf das Phänomen Prostitution wirft, ist ein Sozialdrama.

Das klassische Motiv der Befreiung, wie es in "Pretty Woman" vorkommt, ist in "Belle de Jour", wie der Film im Original heißt, auch nicht zu finden. Vielmehr setzte sich Buñuel mit den bürgerlichen Konventionen im Frankreich der 1960er Jahre auseinander.

Cathérine Deneuve spielt die junge Frau eines Arztes, der tagsüber zu viel in einer Klinik arbeitet und abends noch über wissenschaftlichen Dissertationen hängt. Séverine gibt sich aus der trüben Dekadenz ihres Lebens als wohlhabende verheiratete Frau tagsüber in einem träumerischen Selbstfindungsprozess der Prostitution hin.

Mit "Die Schöne des Tages" deutete der spanische Meister surrealer Allegorien den klassischen Blick auf Prostituierte um: Séverine gibt sich freiwillig und ohne das Wissen ihres Ehemannes der Prostitution hin. Buñuel entwirft so eine antibürgerliche Gegenkultur, die im krassen Widerspruch zur moralisch definierten legalen Welt steht. Es ist ein Doppelbegräbnis: sowohl das der Bourgeoisie als auch das der Institution Ehe.

Regisseur Luis Bunuel bei den Dreharbeiten zu "Belle de Jour - Schöne des Tages" (Belle de jour, FR/IT 1967) mit Catherine Deneuve

Erregte viel Aufsehen – Cathérine Deneuve als "Die Schöne des Tages"

Autorin: Natalie Muntermann

Stand: 27.11.2018, 13:55

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