Jesse Owens – Olympiastar 1936

Jesse Owens 1936 am Start in Berlin.

Olympische Spiele

Jesse Owens – Olympiastar 1936

Der US-Amerikaner Jesse Owens hat Sportgeschichte geschrieben. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin siegte er in gleich vier Disziplinen: im 100- und 200- Meterlauf, im Weitsprung und mit der 4 mal 100 Meter-Staffel. Ein schwarzer Sportsuperstar – nicht jeder sah das gerne.

Der Tag der Tage

James Cleveland Owens wurde 1913 in Danville, Alabama geboren. Seine Eltern hatten dort einen Bauernhof gepachtet. Später wuchs er in Cleveland, Ohio auf. Schon in der Highschool fiel sein erstaunliches Sprintertalent auf. Sein Studium an der Universität des Staates Ohio in Columbus finanzierte er durch Arbeit bei Tankstellen und als Hotelpage. Er wollte Lehrer in einer Schule für Schwarze zu werden. Doch es kam anders.

Schon vor den Olympischen Spielen 1936 in Berlin hatte Jesse Owens für Furore gesorgt. Der 25. Mai 1935 bescherte dem schwarzen Superstar weltweiten Ruhm. Innerhalb von 45 Minuten stellte er bei einem Sportfest der University of Michigan fünf Weltrekorde auf, und das, obwohl er sich einen Tag zuvor bei einer Rauferei unter Studenten eine Rückenwirbel-Verletzung zugezogen hatte. Der Weitsprung-Weltrekord (8,13 Meter) hatte über 25 Jahre Bestand.

Die Presse in den USA würdigte die Leistungen von Owens jedoch nur mit wenigen Worten. Von einem schwarzen amerikanischen Superstar wollte man zu dieser Zeit nur wenig wissen.

Olympiajahr 1936

1936 reihte Owens Sieg an Sieg. Verblüffend war die Regelmäßigkeit seiner Weltklasseleistungen. Bei den Universitätsmeisterschaften am 20. Juni 1936 in Chicago lief er die 100 Meter als erster Sprinter der Welt in 10,2 Sekunden.

Auch das deutsche Publikum feierte Owens begeistert. Luz Long aus Leipzig, den Owens im Weitsprung auf den zweiten Platz verwies, nannte er seinen Kameraden und bedauerte dessen Tod im Zweiten Weltkrieg sehr. Es hieß, Long hätte Owens nach zwei Fehlversuchen in der Qualifikation des Weitsprung-Wettbewerbs einen entscheidenden Hinweis zum Anlauf gegeben. Im dritten Versuch übersprang Owens dann die geforderten 7,15 Meter und wurde am Nachmittag des gleichen Tages Olympiasieger. Long kam auf den zweiten Platz und gratulierte seinem neu gewonnenen Freund als Erster. Die Geschichte vom Tipp stimme aber nicht, sagte Owens später – die Leute hätten das nur gerne hören wollen.

Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens kurz nach dem Start.

Owens ist in die Sportgeschichte eingegangen

US-Präsident Franklin D. Roosevelt scheute sich, den schwarzen Sportler zu beglückwünschen. Er steckte gerade im Wahlkampf und befürchtete allzu große Einbußen bei den Wählerstimmen aus den Südstaaten, wenn er sich offen zu Owens bekennen würde. Auch Hitler gefiel das nicht: ein schwarzer Amerikaner der ausgerechnet in Nazi-Deutschland siegt und sich dann noch mit dem Deutschen Long verbrüdert. Joseph Goebbels sprach von einer Schande, wenn Neger Gold gewännen.

Nach den Berliner Spielen

Nach Berlin nahm Owens noch an einigen Wettkämpfen in Europa teil und erklärte bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten seine Amateurkarriere für beendet, da er mit dem Sport zu wenig Geld verdienen konnte. Jesse Owens war zu diesem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt.

Dennoch schaffte er es in den nächsten Jahren, seinen Namen ausgezeichnet zu vermarkten. Er trat gegen gutes Geld in Nachtclubs, Varietés und im Zirkus auf. In Schauwettkämpfen besiegte er sogar Pferde und Motorräder im Sprint. Owens machte sein Examen an der Ohio State University, leitete dann aber zunächst ein Swing-Orchester und war schließlich als selbstständiger Kaufmann tätig. Seine Geschäfte liefen schlecht, sodass er 1940 pleiteging.

Danach leitete er von 1940 bis 1942 die Abteilung für körperliche Ertüchtigung Schwarzer im Amt für Zivilverteidigung in Philadelphia und war anschließend bis 1946 Angestellter der Ford Motor Company.

Die letzten Jahre

1964 besuchte Owens Berlin ein zweites Mal, um einen Dokumentarfilm über seine Karriere zu drehen. Neben ihm spielte auch Kai Long, der einzige Sohn seines Freundes Luz Long, eine tragende Rolle. 1984 wurde in Berlin dann die ehemalige Stadionallee unweit des Olympiastadions in Jesse-Owens-Allee umbenannt. Auch in den USA bekam der Sportler späte Anerkennung. 1976 verlieh ihm US-Präsident Gerald Ford die Freiheitsmedaille.

Owens heiratete schon im Alter von 18 Jahren Ruth Solomon und führte ein glückliches Familienleben mit drei Töchtern und fünf Enkeln. Während der letzten Lebensjahre betrieb Owens zusammen mit seinem Schwiegersohn eine gut gehende PR-Agentur in Phoenix, Arizona. 1979 erkrankte er an Lungenkrebs und wurde in einem Spezialkrankenhaus in Tucson, Arizona behandelt. Hier starb Jesse Owens am 31. März 1980 im Alter von 66 Jahren.

Autoren: Claudia Kracht/Tobias Aufmkolk

Stand: 02.11.2017, 15:00

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