Der Mafia-Jäger Giovanni Falcone

Der Jurist Giovanni Falcone.

Organisierte Kriminalität

Der Mafia-Jäger Giovanni Falcone

Von Claudia Heidenfelder

Er wurde zur Symbolfigur für den Kampf gegen die Mafia: Der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone. Als er am 23. Mai 1992 mit seiner Ehefrau Francesca auf dem Weg zu seinem Wochenendhaus bei Palermo war, explodierte eine Bombe. 500 Kilogramm Sprengstoff hatten die Attentäter unter der Autobahn bei Capaci in der Nähe von Palermo deponiert und mit einer Fernsteuerung gezündet. Falcone, seine Frau und drei Leibwächter wurden durch die Explosion in den Tod gerissen. Das grausame Attentat war ein deutliches Zeichen dafür, dass Falcone mit seinen Untersuchungen weit in die Strukturen, ja bis zum Kern der Mafia vorgedrungen war.

Mutig und unbeirrt gegen die Mafia

Anfang der 1980er Jahre hatte Giovanni Falcone als Untersuchungsrichter in Palermo eine Sonderkommission zur Bekämpfung der Cosa Nostra auf Sizilien aufgebaut.

In dieser Zeit demonstrierte die Cosa Nostra durch zahlreiche Mordanschläge auf die Ermittler ihre Macht und ihre Absicht, die Nachforschungen mit allen Mitteln zu vereiteln.

Doch Falcone, der unter ständigem Polizeischutz stand, verfolgte sein Ziel mutig und unbeirrt weiter. Mithilfe eines "Anti-Mafia-Pools" wollte er die führenden Köpfe der Mafia fassen und vor Gericht bringen.

Ranghohe Mafiosi vor Gericht

Im Februar 1986 startete in Palermo der fast zweieinhalb Jahre währende so genannte Maxi-Prozess. Giovanni Falcone führte zusammen mit seinem Kollegen Paolo Borsellino die Anklage.

Dank ihrer jahrelangen Ermittlungsarbeit und dank der umfassenden Zeugenaussage des Kronzeugen und Ex-Mafioso Tommaso Buscetta wurden rund 400 Mitglieder der Mafia vor Gericht gebracht. Die Verhandlungen fanden in einem eigens errichteten Hochsicherheitstrakt statt, der selbst einem Raketenbeschuss standgehalten hätte.

Während des Maxi-Prozesses wurden 344 Angeklagte, darunter zahlreiche ranghohe Mafiosi, zu teils lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Insgesamt vergaben die Richter Freiheitsstrafen von 2665 Jahren. Bis heute blieb dieser Prozess der größte Schlag, der der Mafia jemals zugefügt wurde.

Die Rache der Mafia

Der Erfolg von Falcone und seinen Kollegen ließ die Mafia Rache schwören. Einem Attentat in der Nähe seines Ferienhauses konnte Giovanni Falcone entgehen. Im Mai 1992 jedoch kam jede Warnung zu spät. Falcone wurde mit seiner Frau und drei Leibwächtern während einer Autofahrt in die Luft gesprengt.

Schwarzweiß-Foto: Polizei und Feuerwehr neben Falcones ausgebrannten Wagen.

Attentat auf Giovanni Falcone

Sein Kollege und enger Vertrauter Paolo Borsellino sowie all seine Leibwächter fielen gut zwei Monate später, am 19. Juli 1992, einer Autobombe vor dem Haus seiner Mutter zum Opfer.

Beide Mordanschläge soll Totò Riina in Auftrag gegeben haben, der zu diesem Zeitpunkt auf Sizilien als Boss der Bosse galt und der 1993 zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde.

Die beiden Attentate lösten in der Bevölkerung eine Welle der Empörung aus und stürzten Italien in eine schwere Krise. Der berechtigte Verdacht kam auf, Falcones streng geheim gehaltene Ankunft am Flughafen von Palermo sei von Helfern im innersten Kreis der Staatsmacht verraten worden.

Stand: 31.01.2018, 09:13

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